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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 28 · p. Seite 793-794

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 28
Date
1851-01-01
Page
Seite 793-794 (sequence 57)
Language
German
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793 Sachs, Stimmen vom Jordan und Euphrat. Der in frühern Jahren selber War ein Jünger des Elischa,; Als der noch das Wort der Lehre \ , Fromm' und gläubig hielt und lehrte. Siehe ruft'S aus der Gemeinde, Deinen Lehrer da und Meister! Auf dem Pferde sieh ihn traben An dem heil'gen Ruhetage! — Und in seiner Rede Mitten Hält der weise Rabbi inne. Nicht kann er dem Drange wehren/ Seinen Lehrer zu begrüßen. Und der läßt von ihm sich melden, Was er eben hat erläutert,; Welches Licht den heil'gen Texten Sinnig deutend er entlocket. Und nicht immer Läßt er gelten, Was sein Jünger ihm berichtet. Oftmals läßt er Tadel hören, Lobet frührer Meister Deutung. Schade! ruft er, Jammerschade! Daß die Alten gehn von hinnen. Wehe, daß die Wersen schwinden, Deren Gleichen nicht zu finden! — Plötzlich bricht er ab im Sprechen: Bis hieher! Nicht weiter darfst du! Denn an meines Rosses Hufen Hab' ich abgezählt die Schritte. Hier ist deines'Ganges Grenze!; Die zweitausend Ellen sind, Die du gehen darfst am Sabbath, Hier an dieser Statt zu Ende! — - Wie? beginnt erstaunt der Rabbi, Noch so kundig des Gesetzes Bist du, und verharrst als Sünder? Magst dich nicht zu Gott bekehren? Kann ich denn? sprach drauf Elischa; Ist verriegelt nicht die Pforte, Nicht das Gnadenthor geschlossen, Das für jeden Andren offne? Einst am Sühnetage ritt ich An dem Heiligthum vorbei, Aus dem-Tabernakel scholl mir . Eine Himmelsstimnfi entgegen: Kehret um, abtcünn-'ge Kinder! Kehret heim! ihr seid willkommen! Den Elischa ausgenommen, Der mich wissentlich verleugnet! — 4. ' Eine Zeitlong war verstrichen, Wird dem Rabbi Meir die Kunde: Schwer erkranket ist dein Lehrer! — Und er geht, ihn zu besuchen. Wieder mahnt der treue Jünger, Und beschwöret feinen Meister, Daß er jetzt zu Gott sich wende. Seine Sünden reuvoll büßend. Und noch jetzt, fragt Jener zweifelnd, Meinst du, ist die Rückkehr möglich? Noch im Augenblick des Todes Werd' ich gnädig angenommen? — Heißt es nicht beim heil'gen Sänger — Spricht der Rabbi mild besanft'gend, Wenn der Mensch sich reuig beuget, Nimmst du ihn, o Herr, zurück? — AlsLlischa hört die Worte, Da beginnt er laut zu weinen, Und in einem Thränenstcome Ist sein Leben auch verronnen. Und getröstet spricht der Rabbi: Scheint es doch als war' mein Lehrer -Mit bußfert'gem Sinne reuig Hin zu seinem Gott gegangen! 5. In dem Grabe ruht Elischa. Doch bringt ihm das Grab nicht Ruhe. Denn es wirbeln Rauchessäulen Auf von seiner Ruhestätte. Und man meldet's Rabbi Moir: Siehe, deines Meisters Grab Wird von Feuersgluth verzehret, Ist von Dampf und Qualm umwallt. Unermüdlich in der Treue Eilt der edle Jünger hin, Den Talar, der ihn umhüllet, Breitet hin er über's Grab. Und ruft aus: Geduld! die Nacht nur Gilt'es ruhig auszuharren! Kommt der Morgen, wirft erlöst du! — Wie zu Rut einst Boas sprach. Denn mit sinn'ger Doppelwendung Deutet er das alte Wort: Dieses Leben hier auf Erden, Dg§ ist gleich der düstern Nacht; 794

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