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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 28 · p. Seite 785-786

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 28
Date
1851-01-01
Page
Seite 785-786 (sequence 49)
Language
German
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785 Die Begründung der alexandrinischen' Religionsphilosophie. 78b fassend Als praktische Weisheit ober ist sie das im rechten Werke der eigenen Hand anbctenden (griechischen)Heiden- Thun sich zeigende richtige Auffassen aller Lebensverhältnisse, thum' zu unterscheiden; ja auch in diesem sei die zur Verso daß sie sich demgemäß zugleich als Kunstfertigkeit in jeder Beziehung, als Erkenntniß ■ .M. göttlichen Willens und als Tugendhaftigkeit überhaupt darstellt^ — Zeigen schon diese Bestimmungen und namentlich das über die throretische Weisheit Gesagte einen deutlichen Einfluß griechischer Wissenschaftlichkeit, so erhellt dieser griechische Einfluß noch mehr aus der offenbar plalonisirenden Geistesrichtung des Verfassers. Einmal nämlich kennt und billigt er die in der platonischen Philosophie vorzugsweise behandelten, außerdem aber mehr oder minder freilich auch bei Aristoteles, den Stoikern u. s. w. vorkommenden Lehren von der Bildung der Welt aus der vlrj apoQcpog1 2 3 4 5 6 7, von der Liebe als dem Prinzipe der' göttlichen Wirksamkeit in der Welt^, von der göttlichen Vorsehung unter der Bezeichnüng nQovoia und . von der Präexistenz der SeelenO, von dem Leibe als dem Sitze der Sünde und als Hemmniß eines freien Aufschwunges der Seele zu hellerer Erkenntnis^, von den vier Cardinaltugenden9 10 11 u. dgl. Hat ja selbst der Imchalt der hier vorgetragenen Lehren platonischgriechische Elemente, so trägt dann auch die ganze Darstellung derselben unverkennbar ein platonisirendes Colorit. Dennoch sind es mehr platonische Anklänge, als wirkliche platonische Lehren und Lehrsormen, die sich uns hier zu erkennen geben. Wird doch gerade das, was bei Platon die Hauptsache ist, die Ideenlehre, hier noch mit keinem Worte erwähnt! Und^ so ist auch noch Vieles Andere, wa.s für die platonische Philosophie wesentlich ist, hier mit Stillschweigen übergangen. Achnliches aber gilt auch in Betreff der Form des Vortrages, wofür nicht etwa der platonische Dialog, sondern, wie es sich für den hier redend eingeführten Salomo allein paßte, der poetische Parallelismus der Hebräer gewählt ist. Brachte schon . diese Einführung Saromo's als Sprecher, es nothwendig mit sich, daß der Verfasser die weit spätern Leistungen der Griechen nicht ausdrücklich und geradezu,> sondern nur verdeckt berücksichtigen konnte: so zeigte er doch auch darin eine gegen früher nicht wenig veränderte Beurtheilung des Heidenthums, daß er zugestcmd, die Heiden hätten freilich in Erforschung der weltlichem Dinge vieles Treffliche geleistet"; auch sei das edlere, die Natur und ihre Elemente als solche verehrende (magische) Heidenthumu gar wohl von dem tiefer stehenden, selbst die 1) Sap. 7, 16—21. 2) Sap. 3, 11. 4, 11. 6, 17 ff. 7, 12. 16. 8, 6 ff. 9, 11 ff. c. 10. 14, 2 rc. 3) Sap. »11, 17. 4) Sap. 11, 24. 5) Sap. 6, 7. 14, 3. 17, 2. 6) Sap. 8, 19 sq. 7) Sap. 1, 4. 8, 20. 8) Sap, 9, 15. ' 9) Sap. 8, 7. 10) Sap. 13, 9. 11) Sap. 13, 1-9. fertigung der Bildsäulen und Gemälde der Götter angewandte Kunst als solche allerdings noch zu schätzen". Ueberhaupt stellt der Verfasser ganz anders, wie dies sonst bei den Juden der Fall ist» die Schönheit sehr hoch?. Dagegen bekämpft er nicht nur den gesalnmten, ägyptisch-griechischen Thier- und Götzen- •, dienst auf's Entschiedenste^; sondern noch unmittelbarer hat er es mit Freigeistern zu thun, welche alles Göttliche leugnen, der ZufalMehre und materialistisch-philosophischen Ansichten über das Wesen und das Schicksal der Seele nach dem Tode huldigep, sich einem zügellosen Leben in sinnlichen Genüssen hingeben und verbrecherischen Rathschlägen der Grausamkeit und der Tücke ein geneigtes Ohr leihen d In dieser Schilderung, die besonders auch gegen die Herrscher^ und die ihnen anhängenden Juden'' gerichtet ist /glaubt man die Lasterhaftigkeit am Hofe des Ptolemäus Physkon und dessen eigene maaßlose Schwelgerei und Grausamkeit8, gestützt auf Grundsätzen der Gottes - und Geistesleugnung, wie sie die epikureische Lehre aufstellte, gerügt zu sehen. Sehr merkwürdig sind außerdem auch solche Stellen, wo düe Ehelosigkeit weit dringender, als in irgend einem andern Buche des alten Testaments, aber doch nicht mit Verwerfung der Ehe selber'', und ebenso' das Gebet vor Sonnenaufgang" empfohlen wird. Man wird dadurch sogleich an die Therapeuten erinnert. Schließlich ist noch hinzuzufügen, - daß das Buch sicher, ursprünglich griechisch geschrieben, nicht aus dem Hebräischen übersetzt worden ist; denn dies beweisen die vrelen zusammengesetzten Wörter, die griechischen Wortspiele, die Benutzung der LXX u. s. w. ganz' unwiderleglich. — Ist nun aber schon aus der innern Vortrefflichkeit des Buches mit größter Wahrscheinlichkeit zu vermachen, daß nur,ein nam-' Hafter Mann sein Verfasser gewesen: so dürfte unter allen zu jener Zeit in Aegypten Lebenden, soviel wir dieses jetzt noch zu beurcheilcn vermögen, gewiß Keiner mehr Anspruch hierauf haben, als derselbe Aristo bulu s, der der Lehrer des Ptolemäus gewesen war und der durch seine Schrift über Moses die hebräischgriechische Philosophie zuerst begründet hatte. Denn die Theilnahme, die er gewiß noch in spätern Jahren seinem mißratheuen Zögling zuwandte, die Kenntniß des ägypti- ' scheu Körn'gshofes und seiner Schlechtigkeit, welche ihm sein früherer naher Verkehr damit gab, ferner seine lange Beschäftigung mit der hebräischen und der griechischen Literatur, seine' 1) Sap. 13, 10 ff. 2) Sap. 14, 18 ff. 3) Sap. 13, 3f 7. 4) Sap. 13—15. 5) Sap. 2, 1—20. 6) Sap. 6, 9. cf. 1, 1. 7) Sap. 1, 12. 8) Pol. 31, 26, 14. i34, 14, 6. Athen. 4, 184 c. 6, 252 c. IO, 549 ff. Justin. 38, 8. .Val. Max. 9, 1. Ext. 5, 2. Ext. 5. 9) Sap. 3. 13 ff. 7, 28. 10) Sap. 16* 28.. 50

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