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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 28 · p. Seite 783-784

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 28
Date
1851-01-01
Page
Seite 783-784 (sequence 47)
Language
German
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783 Die Begründung der alexandrinischen Religkonsphilosophie? 784 gebaute Verse anführt *. Es ist dies wohl nicht der Heide Theodotus, den Josephus als einen derjenigen nennt, der geschichtlich der Juden Erwähnung gethan habe^. — Auch der „Prophet" Kleodemus, mit dem Zunamen Malchüs, der wie Josephus nach Alexander Polyhistor angibt, „eine Geschichte der^Juden schrieb, gleichwie auch Moses ihr. Gesetzgeber eine solche verfaßte"/ gehörte gewiß dieser Zeit und Geistesrichtung an. — Ebenso lebte zu dieser Zeit Jason von Cyrene, der die Geschichte der Juden unter Seleucus Philopator, Antiochus Epiphanes und Eupator (176—161 v. Ehr.) in fünf Büchern beschrieb, und damit dem (wohl bald nach 124 v. Ehr. verfaßten) zweiten Buche der Maccabäer seine Hauptquelle liefertet — Wann der alexandrinische Verfasser des dritten Buches der Maccabäer gelebt habe, läßt sich nicht bestimmen. Da er jedoch ein-wahrscheinlich erst unter Ptolemäus VII. Pdyskon vorgefallenes Ereigniß * mit mannichsachen Ausschmückungen in die Zeit des Ptolemäus III. PhiLopator /zurückverlegt6, so dürste er wohl, erst bedeutend später gelebt habend Das Buch der Weisheit zeigt uns in religiös-'philosophi scher Beziehung die fr ü h e st e,. g l e i ch sa m schon reife Frucht der bis dahin besprochenen Erstlingebescha'ftigung der Juden mit den Griechen. Seiner Sprache und Darstellung ebenso wie seinem Inhalte nach ist dieses Buch gewiß in Aegypten und höchst wahrscheinlich zur Zeit des epikureisch gesinnten, äußerst unmoralischen und zugleich den Juden wenigstens im Beginn seiner Herrschaft sehr feindlichen Königes Ptolemäus VII Physkon (147—17) verfaßt wordern Nicht minder geht aus Form und Inhalt des Buches mit Unwiderleglichkeit hervor, daß sein Verfasser ein Mann gewesen ist^, der mit den besseren Erzeugnissen der griechischen Philosophie, namentlich den Werken Platons, vertraut war, der aber auch die schlechten Auswüchse jener Philosophie insbesondere das System Epikurs und dessen Folgen für das äußere Leben gewiß unmittelbar 1) Euseb. präep. ev. 9 p. 426—429. , . 2) Jos. c. Ap, 1, 23. 3) Jos. Ant. 1, 16. 4) 2 Marc. 2, 23. 5) Jos. c. Apion. 2, 5 (lat. Zusatz). 6) 3 Macc. 2, 28 ff. 7) Daß auch die der Juden crwähnend_eu, obwohl zum Tbeil von Josephus (c. Ap. 1, 23) als' Heiden bezeichneren Geschichtschreiber Hekatäus ^Hermippus)n Demetrius, Eupolemus (Aristeas), und Artapayus, ebenso'wie der (um!50 n. Ehr. lebende) Pythagorcer Cumenius (vgl. Orig. c. Gels. 1. p. 13. 4. p. 198 ff. Euseb. praep. ev. 9, 8) sämmtlich Juden gewesen, vermuthet Balckenaer viattibo de Anstob. p. 18 und ihm stimmt Dähne größteniheils bei (Jüd. Alex. R. Phil. H, S. 204 ff.). Als Jude wird ein. Numenius 1 Macc. 12, 16. 15, 15 und ein Eupolemus id. 8, 17 genannt. Vgl. noch Euseb. h. e. 6, 13 — ferner die Syvlllirüschen Orakel, viele Orpbica rc. Für alexandrinisch gebildet hält Dähne auch (S. 238 die von Josephus (Aut. 17, 6, 2. 9, 3. vgl. Bell. Jud. i, 21) als loyuozccvQi bezeichneten palästinensischen Gesttzeserklärer Judas, den Sohn des Sariphäus, und Mathias, den Sohn des MarDarothus.. vor Augen hatte und dieselben mit Entschiedenheit zu bekämpfen, unternahm. Dabei schloß ec sich an die (so viel wir wissen, zuerst von Ariftobulus auch bei den Juden eingeführte) Sitte die eigenen Worte älteren Lehrern in den Mund zu legen, insofern an, als er den berühmtesten Vertreter der althebräischen Weisheit, den König Salomo, das von ihm selbst hier Anseiaaudcrgesetzte vorrrag-en ließ b Doch hatte er dabei, wie aus dar Berücksichtigung seiner eigenen Zeit deutlich genug hervorgelt, so wenig die Absicht irgend einer Täuschung, als etwa Platon sie hatte, wenn er den Sokrates zum Darsteller seines eigenen Systems machte. Er konnte aber dem Salomo um so mehr seine Worte in den Mund legen, als in der That alle von ihm vorgetragenen Grundsätze und Lehren echtsalomonisch und althebrä'ifch waren. Dies ist namentlich auch bei seiner" Ansicht von der Weisheit selbst der Fall, indem sich zu dem, was er hierüber sagt, viele, zum Tbeil wörtliche, Parallelen aus dem Buche der Sprichwörter^, nicht minder aus den Psalmen, dem Buche Job und den Büchern Kohelet, Baruch und Ben Sirach^ anführcn lassen. Doch ist in dieser, wie in anderen Beziehungen, ein bedeutender Fortschritt im Buche der Weisheit unverkennbar. Denn was zuerst oen Begriff der Weisheit an sich betrifft,'so wird dieselbe hier schon viel bestimmter, wie früher, als eine Emanation aus Gott gefaßt, in der sich, Gott selbst gegenüber, das göttliche Wesen allseitig abspiegelt, wogegen sie der.Welt gegenüber nichts destoweniger Eins ist mit der göttlichen Vorsehung, sowie überhaupt Eins mit 'dem Geiste Gottes. Daher wird dann auch die Weisheit hier viel deutlicher, als in allen frühern biblischen Büchern, personificirt — d. h. in rbr eine selbstständige Persönlichkeit neben der G-ottts gewissermaßen schon geahnt. Von dieser Fassung der aoyiu bis gut Lehre vom loyog war nur noch ein Schritt nöthig^. Ist dies nun die Weisheit an si ch oder in ihrem überschopflichen Sein, so ist dann das Zweite, daß sie aus ihrem göttlichen Sein auch hervorgetreten, d. h. von Gott den Menschen mitg et heilt ist und sich nun so theils als theoretische, theils als praktische We^heit in der Menscheuwttt bewährt. Auch in allen diesen Beziehungen finden wir weit genauere Bestimmungen darüber im Buche der Weisheit, als in den frühern Büchern, zugleich mit der deutlichen Absicht, daß die so gefaßte gottm c n sch l i ch e Weisheit dem von den Griechen für Weisheit Gehaltenen als einem .bloß Men sch l i che nt cntgegengestellt werden sott. Als theoretische Weisheit nämlich ist sie die richtige Einsicht in das Wesen alles Seienden (zcav qvtov yvcnctg ci'ipsvdijg), so daß in ihr sich Kosmologie, Chronologie, Astronomie, Zoologie, Botanik, Pneumatologie, Psychologie, Geschichtskenntuisse, ErEermtniß der Zukunft, kurz Alles, was irgendwie den Namen Wi ssie n sch a f t führen kann, zusammen- 1) Sap. 7, 1 ff. 9, 8 2c, 2) Jnsoesondere Pr' c o. 8, 22 ff. 3) Insbesondere Sir. 24, 1 ff. 4) Vgl. insbesondere Sap. 7- 1 ff.

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