Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1851-01-01 · Heft 28 · p. Seite 781-782

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 28
Date
1851-01-01
Page
Seite 781-782 (sequence 45)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2360092-2360688-2360703--7663-3536652
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

781' 782 Die Begründung der alexandrinischen Religkonsphilosophie. Nachricht zu entnehmen haben, ist: der unerwartete Aufschluß, den jt>ir dadurch über das Entstehen des Th era'peu ten- und Essenerord ens gewinnen. Denn dieser ,ist, wie wir gesehen, die Verbindung des Iudenthums mit dem Pythagoreismus gewesen; die Brück e aber vom Einen zum Andern schlug Aristobulus durch seine Hypothese, daß die orphisch-pythagoreischen Lehren mosaischen Ursprungs gewesen seien. Wie sehr diese Meinung später Anklang gefunden, ist leicht zu sehen, Denn daß Moses für denselben zu halten sei mit Musäus, dem Lehrer des Orpheus, behaupteten z. B. auch der halbheidnische Geschichtsschreiber Artapanus und der Pythagoreer Numenius^; und Andere wollten versichern, daß auch Pythagoras von Geburt nicht ein Grieche aus Samos oder Syros, sondern vielmehr ein Syrier (d. h. wohl ein Palästinenser oder Jude) gewesen fei1 2 3 4 5 6 7 85 oder auch, er habe längere Zeit in Judäa, Phönizien, Unrerägypten und Babylonien (d. h. immer in Ländern, die za jener Zeit stark von Juden bevölkert waren) verweilt, und von den dortigen Weisen Unterricht erhaltend Daher habe er denn von der jüdischen Offenbarung genaue. Kunde gehabt und ihre Lehren später den Griechen mitgetheilt, jedoch, um nicht anzustoßen, sich dabei der All e g or ie bedient^« Durch diese und ähnliche Lehren mußte auch für einen strenge gesinnten Juden die Bedenklichkeitsich an ein heidnisches Institut anzuschließen oder ihm vielmehr ein jüdisches nachzubilden, ganz verschwinden. Nicht minder aber eroffnete Aristobulus durch sein Beispiel, womit, er in pseudonymen Versen, orphischen und pythagoreischem Mythen, Allegorien, Anwendung der Zahlenlehre z. B. in Betreff der Siebenzahl^ u. s. w. jüdischen Ideen Eingang bei den Hellenen zu verschaffen wußte, einen Weg, der ebenfalls allem Anschein nach seitdem von nicht Wenigem betreten ward. Erinnert mau sich nun aber nicht nur was Philon und Iosephus über dm Pythagoreismuö der Therapeuten und Essener, sondern auch über ihre Verehrung der Siebenzahl, über die alterchümliche (orphische) Poesie ihrer Stifter (aQ%r]yE74d) il s. w. berichten, und bedenkt man) daß die Stiftung des Ordens gerade in Alexandria und gerade in der Zeit des Aristobulus (um 150 v. Ehr.) stattgeftmden haben muß: so kann,man kaum mehr zweifeln, daß eben dieser bedeutende Mann gewiß auch einer derjenigen gewesen ist,-die sich bei dieser Stiftung am meisten durch Wort und That mit betheiligt haben. Zwar möchte sein Beiname: „der Perkpatetiker", wohl kaum die Annahme gestatten, daß er persönlich in den Orden eingetreten sei. Doch schließt dieser Beiname keineswegs aus, daß er an der orphischen Poesie, an den pythagochenväter, die sich hier täuschen ließen, nur ein mildes Urtheil gefällt wissen. 1) Euseb. praep. ev. 9, 27. p. 432-436. 2) Clem. Strom. 1. p, 300. 3) Hermippns ap. Orig. c. Ccls. j, L5. Jambl. V. p. 14—19. 4) Euseb. praep. ev. 8. p. 376 sqq. cf. Clem. Strom. 6. p. 755 sq. 5) Vgl.^ Valckenaer a. a. O. p. 89—-125. reischen und magischen Lehren und so gewiß auch an einem Institute, wie der Essenerorden war, das höchste Interesse nehmen konntet Das 2tnsehen aber, worin er als ,, Lehrer des Ptolemäus" und zugleich als der erste jüdische Gelehrte, der auch in der griechischen Literatur wohl bewandert, doch seiner angestammten Religion treu geblieben war, allgemein bei seinem Volke stand, hat gewiß um so mehr dazu beigetragen, in die von ihm schon ^um 175 v. Ehr. eingeschlagene Richtung bald eine größere Zahl von Nachfolgern aus dem Judenthum hineinzuziehen, als damit ja überhaupt für Judenlhum und Griechenthum die Möglichkeit einer innern und beiderseits durchaus ehrenvollen Versöhnung eröffnet zu werden schien. — Außer Aristobulus werden dann noch viele andere alexandrinisch-jübische Schriftsteller genannt, die .wahrscheinlich ebenfalls dieser Zeit (180—ICO v. Chr.) angehören. Einer der Namhaftesten davon ist Philon, der Verfasser eines epischen Gedichtes über Jerusalem, aus dessen vierzehntem Buche uns Eusebius etwa 20 Hexameter mitgetheilt hat^. Ist er derselbe mit dem „Pythagoreer" Philon, dessen Clemens Alexandriners gedenkt ft so würde er gewiß für einen Therapeuten und sein Gedicht dann wohl auch für eines jener sny]; zu halten sein, welche sein Namensvetter, der Religionsphilosoph Philon, den Stifter des Therapeutenordens zuschreibtft Ob er auch derselbe mit dem von Iosephus erwähnten Philon dem Aelteren ist ft muß zweifelhaft bleiben, da dieser kein Jude, sondern ein Heide gewesen zu sein scheint. — Ein anderer jüdischer Dichter war Ezechiel, der über Stoffe aus der israelitischen Geschichte Dramen in griechischer Sprache schrieb. In einem derselben, ’E^aycayrf betitelt, war der Auszug der Israeliten unter Moses dargestellt, und wir besitzen noch namhafte Bruchstücke davon bei Eusebius Vielleicht hatte in ihm der von den Therapeuten aufgesührte Chorreigen mit dem Lied von Moses und Mirjam, dessen Philon gedenkt, seinen Ursprung; und eben dahin möchten wohl auch die „Trimeter" gehören, die sich demselben zufolge in den Gedichten der Ordensstifter vorfanden ft Vor einiger Zeit sind die Bruchstücke beider Werke gesammelt und ins Deutsche übersetzt mordend. — Ferner erwähnt Eusebius eines Gedichtes 7ts$l rcov ’lovduiov von Theodotus, aus dem er einige nicht übel 1) Auch andere Peripatetiker, z. B. Eudemus und Hieronymus von Rhodus, beschäftigten sich viel mit der orphischen und pythagoreischen Philosophie. Ebenso war in dieser Schule die vielfache Beschäftigung mit der persischen Magie gewissermaßen erblich. Das Vorbild zu allem diesem aber hatte schon Aristoteles selbst gegeben. 2) Euseb. praep. ev. 9 c. 20‘. 24. 37. 3) Clem. Alex. Strom. 2. p. 305 cf. 337 und Sozomen. 4, 12. 4) Philon. Op. p. 90i ecl. Prcf. 5) Jos. c. Apion. 1, 23. 6) Euseb. praep. ev. 9,28. p. 421. 422. 438. 452. 453. 7) Philo. 1. 1. 8) Ezechiel, des jüdischen Trauerspieldichtcrs, Auszug aus Aegypten und Philo des Aelteren Jerusalem, herausgegeben, übersetzt und commentirt von C. M. Phillppson. Berlin 1830.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.