Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 28
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 779-780 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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779 durch ihn verkündeten 10 Geboten und den zwei Gesetzestafeln, desgleichen mit der Geschichte Abrahams, mit der in sieben Lagen vollbrachten Weltschöpfung u.s. w. und außerdem Platon auch schon mit einer Übersetzung des mosaischen Gesetzbuches, welche lange vor der der LXX. angefertigt worden, bekannt . gewesen seien. Um dieses in Betreff der ältesten Dichter zu zeigen, führte Aristobulus in seiner Schrift eine Menge angeblich homerischer, hesiodischer und besonders orphischer Verse an, erlaubte sich jedoch dabei den Betrug, Verse, die er selbst erdichtet hatte, für herrührend von jenen alten Verfassern aüszugeben.— Man hat dieses erst seit Huet und E schenbach zu bemerken angesangen; aber einem Zweifel kann die Lhatsache selbst nicht unterliegen, und es fragt sich nur, in welchem Zusammenhang sie aufgelretm ist. . Run war Aristobulus in solcher Fälschung musaischcr,, orphischer, homerischer ü. s» w. Gedichte keineswegs ohne Vorgänger unter den Griechen selbst gewesen; vielmehr war diese Sitte schon seit Onomakritus (um 5ll4, v. Ehr.) Zeiten vorgekommenl, dann besonders' von den unter dem Namen von Orphikern sich versteckenden Pythagoreern. vielfach geübt, und von diesen gewiß auch schon frühzeitig nach Alexandrien verpflanzt wprden. Denn während die Sitte selbst bereits von Herovot und Aristoteles -erwähnt wird,' sehen wir, zum deutlichen Beweis, daß es auch während der Zeit der ersten Ptolemäer solche Fälscher in'Alexandrien gegeben haben muß, die damaligen Grammatiker und Chorizonten Alexandrias, insbesondere Epigenese mit großem Eifer dagegen kämpfend Jedoch würde man sehr irren, wenn man bei den altgriechischcn Orphikern geradezu nur die Absicht zu betrügen voraussetzen wollte. . Vielmehr scheinen sie die Verfertigung solcher Gedichte als eine Art Kunst Übung betrachtet zu haben, weßhalb sie in der Regel auch gar nicht einmal die Namen der wahren Verfasser dieser Gedichte verschwiegen. Dagegen scheint die eigentliche Verwirrung erst durch die spätere Unkenntniß veranlaßt zu sein3 4. Zn ähnlicher Weise aber mochte nun auch A r ist o tu tus wohl voraussctzen können, daß die Einsichtigern unter seinen Zeitgenossen den wahren Verfasser seiner Verse schon errathen würden, zumal da er seine Farben wenigstens für sie derb genug austrug und z. B. seinen Homer nicht nur altorphisch, sondern sogar jüdisch sprechen ließt Vielleicht aber mochte er auch nach altisraelitischen Grundsätzen^ einen frommen Betrug hier um so weniger für schlechthin unerlaubt halten, als er dabei ja eine längst hergebrachte und in seiner Zeit.inetgcübtc Sitte der Hellenen selbst für sich hatte. — Wie dem nun sei, die Hauptsache scheint ihm bei diesem feinem Unternehmen kein 1) Herod. 2, 53. 7, 6. Arisfcot. cle anim. 1, 5. Philop. ad. h> 1. Cic. de nat. Deor. 1, 38. Paus, i, 22, 7. Clcm. Strom. 1 p. 143. 144. 397 u. s. w. Vgl. Lodeck, Aglaopham. p. 332 fl. 2) Lobcck, Aglaoph. p. 348. 3) Vgl. PreUer^ in Pauly's Rea!-Enc. d. class. Alt. W. Art. „Orpheus^. 4) Gen. 27' 19 u. ahnl. 789 Betrug, sondern vielmehr die Begründung und Anempfehlung einer Hypothese gewesen zu sein, die ihm') dem gläubigen Juden, sich durch die Aehnlichkeit der orp hi schpythagoreischen und der mosaisch-jüdischen Lehre von selbst aufdrängre, während ihm zugleich die Sagen der Hellenen alle Voraussetzungen dazu an die Hand gaben. Die eine dieser Voraussetzungen war nämlich, daß den.Griechen ihre älteste Bildung aus Aegypten gekommen sei; die zweite daß der Charakter dieser Bildung orphisch, d. h. mystischreligiös gewesen sei, und auch Homer und Hisiod u s. w. die Grundzüge derselben gekannt hätten; die dritte endlich, daß die gleichfalls aus Aegypten stammende pythagoreische Lehre wesentlich dieselbe mit der altorphifchen sei. hatte ja schon z. B. Herodot sich dafür erklärt, daß die sogenannten Orphiker oder Bakchiker in der That Aegypter und Pythagoreer seiend Aehntiches war auch in der Folge die herrschende Meinung dev Griechen gewesen, und noch in der alerandrinischen ebenso, wie in der spätem Zeit, fand die Behauptung, daß Orpheus auch in Aegypten die dortige Mystik und priesterliche Asoese ursprünglich begründet habe, vielfachen Anklang2. Bei solchen Voraussetzungen nun brauchte Aristobulus nur noch anzunehmen, was auch die griechische Sage nicht für unmöglich erklarre, daß Orpheus ein jüngerer Zeitgenosse von Moses gewesen sei, um damit zu dem Schluß zu gelangen, daß nicht nur beide in Aegy p t en zusammengetroffen,'sondern hier auch der spätere Gesetzgeber der Zsraeliten Lehrer des Erstern und folglich die jüdische Offenbarung die Urquelle gewesen sei, aus der auch die ältesten griechischen Sänger, Theologen und Mysterienstifter ihre höheren Erkenntnisse geschöpft hätten! Nicht minder gestattete es die Chronologie, daß abermals in Aegypten Pythagoras (etwa um 550 v. Chr.), zwar nicht mehr mir Jepemja, aber doch mit dessen Nachfolgern und also wiederum mit Mosesschülern zusammengetroffen und von ihnen unterrichtet worden war! — Diese Hypothese, die zur einen Hälfte auf' der Ueberzeugung des Judenthums von der ausschließlichen Göttlichkeit der mosaischen Religion, und zur andern Hälfte auf den Sagen und religiösen Lehren der griechischen Orphiker und Pythagoreer selbst beruhete, spricht sich tatsächlich in Allem aus, was uns Clemens von Alexandrien, Origenes, Anatelius,. Eusebius und Cyrillus über Aristobulus zum Lhcil'mit dessen eigenen Worten berichten, während sie zugleich seine große Gelehrsamkeit z. B. auch in der Astronomie und nicht minder seinen religiösen Eifer rühmlichst anerkennen. Müssen wir nun zwar den letzten seinem Werthe nach vorläufig ganz auf sich beruhen lassen, so können wir doch nicht umhin, einen Beweis von crstercr auch noch darin zu sehen, daß selbst sehr große Sprachkenner und Kritiker Lange genug über das Alter seiner Poesien in Zweifel gewesen finb3. — Das Wichtigste aber, was wir aus dieser 1) Herod. 2, 81. 2) Diodor 4, 25. — Orpb» Argon. Y. 43 ff. 100 ff. 3) Valäenaer will aus diesem Grunde auch über die Kir- Die Begründung der alerandrinischen Religionsphilofophie.