Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 28
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 777-778 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2360092-2360688-2360703--7661-3536650- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
777 uns alle Nachrichten darüber fehlen. Allein schon der Name alexandrinisch e Uebersetzung, oder Uebersetzung der Zwei und Sieben zig oder Siebenzig (nämlich Rathsmitglieder) findet so wohl seine passendste Erklärung, wenn man dabei nicht etwa noch lieber an die Zahl der (70) Völker denken will, wofür diese Uebersetzung von jetzt an bestimmt war. Dagegen ist die Annahme von 70 oder 72,D olme tsch ern gewiß erst spätern oder sagenhaften Ursprungs gewesen. — Mag es übrigens hiermit, wie überhaupt mit der Anerkennung dieser sämmtlichen, Bücher als eines Ganzen, d. h. dem alexandrinischen K a n o n, stehen, wie cs'will: sicher ist, daß die Uebersetzung selbst mehr denn ein Jahrhundert vor Christi Geburt vollständig da war und daß schon dieses ihr Dasein hinreichte, um damit nun die gesummte Religionslehre des Judenthums aus dem Dunkel hervorzuziehen, das sie bis dahin noch den Griechen verhüllt hatte. Ein völliges Uebersehen derselben war jetzt nicht mehr , möglich. In der Lhat werden uns auch seit den ersten,Ptolemäern nicht wenige griechische Schriftsteller genannt, welche Rücksicht auf sie genommen haben. Doch bemerkt Jofephus, daß von allen diesen bis auf seine Zeit (70—80 n. Ehr.) herab nur drei, obgleich auch sie von den jüdischen Schriften nur mangelhafte KennLniß gehabt, doch wenigstens nicht absichtlich die Wahrheit entstellt hätten. Dies seien Demetrius der Phakereer (-H 283 v. Chr.), Philon der Aeltere (um 160 v. Christi?) und Eupolemus (ebenfalls um 160 v. Chr.?) gewesen. Die Meisten dagegen hätten entweder das tiefste Stillschweigen über sie beobachtet —selbst da, wo sie aus eigener Anschauung recht wohl über sie reden gekonnt, z. B. Hieronymus von Kandia (st. um 270 v.Chr.) in seiner Geschichte der Diadochen —; oder sie hätten, wie schon Hekataus von Abdera (um 320 v. Chr.) und eine ganze Schaar Nachfolger desselben, fastnur Lügen über sie verbreitet*. Der zweite Schritt, war dann, daß sich die alexandrinischen Juden auch mit der poetischen und philosophischen. Literatur der Griechen zu beschäftigen ansingen. Die ersten Spuren dovon finden sich in der Zeit des P totem aus VI. P hi lo metor (180—147 v. Chr.) undP tolemaus VII, Physkon (147—117), und was uns darüber berichtet wird, ist zu eigcnthümlich, als daß wir nicht näher darauf emgehen müßten. Der Aelteste nämlich unter den Juden, dem eine nähere Bekanntschaft mir der griechischen Literatur zugeschrieben wird, ist der Alexandriner Aristobulus, mir dem Zunamen „der Peripcttetiker", von dem eine spätere, obwohl gewiß aus alten Quellen geflossene Angabe erzählt, daß er im Jahre 175 v.Chr. dem Könige Prolemäus Philometor seineE^TjyrjOsig xrjg MtovGzcog yQctcpfjg gewidmet habe {dvE^rjyisv)\ War. 1) Jos. c. Apion. 1, 23. 2) Hieron. Chron.. Euseb. in 01. 150, 4. Chron. Pase3i. p. 143. — Vgl. Fabricii Bibi. Gr. III. p. 4(59 fl. und besonders Valckencier: Oistribe äs Aristobulo Juäaeo Pbfl. Peripatotieo, eä. Euzac. Lugd. Bat. 1806. Gegen 778 dieses derselbe mit Aristobulus, dem „Lehrer des Königs Ptolemäus", einem Manne saus prüsterlichem Geschlechte, an den im Jahre 124 v. Chr. „die Juden.in Jerusalem und Judäa, die Acttesten und Judas" (derAb-beth-dim?) einen Brief schrieben, .um ihn und die ägyptischen Juden zur Theilnahme an dem Festender Tempelreinkgung einzutaden^: so muß.er bei Abfassung seines Commentars über Moses noch sehe jung gewesen sein. Chronologisch unvereinbar sind jedoch Heide Angaben uicht, da man nur anzunehmen braucht, daß er bei Empfang des Brieses das siebenzigste Lebensjahr nicht gar zu lange überschritten hatte. Bedenkt man zudem, daß.der junge, noch unter der Vormundschaft seiner Mutter Kleopatra befindliche König um 175 v. Chr. erst ungefähr zeh n Jahre alt war^ so dürfte wohl die Vermuthung gerechtfertigt fein, daß Aristobuluswenn er damals wirklich dar Lehrer Phllometors und seines Bruders Physkon war, das wohl zum Leitfaden für den Religionsunterricht bestimmte Buch in diesem Jahre erst angefangen und vielleicht mehrere Jahre später vollendet habe. Die ganz jüdische Erziehung Phüometors erhält übrigens durch die großen und ans bloßer Politik kaum-erklärbaren Begünstigungen, welche derselbe während seiner Regierung den Juden zuwandte, eine sehr ausfallende Bestätigung; und wenn bei seinem. Bruder Physkon das gerade Gegent-Hcil hiervon stattfand, so ist dieses kein Beweis, daß nicht auch erj, wie die angeführte Stelle im zweiten Buch der Maccabäer anzudeuten scheint, in seiner Jugend denselben Aristobulus zum Lehrer gehabt hatte. Was dann aber die erwähmte, von vielen Kirchenvätern des 2—5. Jahrhunderts, besonders aber von Clemens von Alexandrien und Eusebius häufig angeführte Schrift Aristobuls betrifft* 1 2, so war sie diesen MLth'eilungen zufolge in fast classischcm ^Griechisch geschrieben. Ihr Hauptthema aber war der Versuch zu'beweisen, daß die Aeltestey Dichter der Griechen, Orpheus, Linus, Homer und Hesiod, auch Eurlpides, Kallimachus, Aratus u. s. w., und ebenso die bedeutendsten Philosophen derselben, namentlich Pythagoras, Sokratos und Platon,, mit den Lehren von Moses, insbesondere mit den Valckenaer erklärten sich Eichhorn (Bibliothek der bibl Lit. V, 253 ff.), Gabler, Journ."für Mserles.. Theol. Lit. V, p. 183 ff. und spätem noch Wiener (in Erschlund Grubec's Enoycl. Wd. V. Leipz. 1820.. Art. „Aristobulus"), welche alle diese Schrift Aristobuls für ein jüngeres Machwerk und ihn selbst wegen der wiedersprechmden Angaben über sein Zeitalter u. s. w. für eine beinahe mythische Person gehalten wissen zollten. Dagegen sind Gfrorer, Dahne u. A. wieder auf die Ansichten Valckenaers zurückgekommen. 3» 2 Macc. t, 10 ff. Die Jahreszahl 124 mit Valckenaer in 163 v. Chr. zu ändern, dürfte ungeeignet sein. 1) Bei seiner Thronbesteigung (180) nämlich war er etwa sechs Jahre alt. Letronne Eech. I p.. 3. 2) Die Hauptstellen sind bei Eusebius: praep. ev. 8, 8. p. 370 sq. 5b. 8, 10 p, 377. 5b. 9, 6 p. 410. ib. 13, 12 p. 663 s<s. (angebliches Fragment aus des Orpheus leg6g Xoyog). Vgl. Euf. Ir. e. 6, 13. 7, 32. — und bei dem noch altern Clemens Alex. Strom. 1 p. 360. 410 sq. ib. 5 p. 705 sq. ib. 6 p. 755. Vgl. auch Cyrill. Alex;, c. Jul.'4 p. 134. . Die Begründung der alexandrinischen Religionsphilosophie.