Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 28
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 775-776 (sequence 39)
- Language
- German
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775 in-der philo n isch en Philosophie gefunden hat'. Weit geringfügiger, sind andere Abweichungen, z. B. der euphemistische Gebrauch des Ausdruckes Sacvnovg für hctycog (Hase) aus Rücksicht auf den LagidennaMikn z. Endlich ist noch zu erwähnen,, daß sie im Allgemeinen, was die Sprache betrifft, sichtlich nach einer Art griechischer Eleganz gestrebt hat^. Dennoch sind alle diese Abweichungen vom Buchstaben des Urtextes viel zu unbedeutend, als daß sie der Treue der Ucbersetzung irgend einen wesentlichen Eintrag thäten. Eine tiefere Kenntniß der griechischen Philosophie bei den Ucbersetzern vorauszusetzen, haben wir durchaus keinen Grund; noch viel weniger aber wird man bei ihnen ein sogar planmäßiges Hineintraaen bestimmter philosophischer Ansichten in das mosaische Gesetzbuch ännehmen dürfen. Allerdings findet sich thatsä'chlich eine nicht geringe Uebereinstimrnung zwischen der mosaisch-jüdischen und der platonischen Lehre; aber diese beschränkt sich nicht auf die wenigen Stellen, welche die griechischen Uebersetzer im Pentateuch verändert haben, sondern findet sich noch weit mehr in der ganzen Auffassung und so auch schon im hebr. Pentateuch. ,Hier nun annehmen zu wollen, daß die Uebersetzer geradezu die platonische Lehre vor Augen gehabt,, möchte gewiß noch viel gewagter sein, als die umgekehrte, jedoch schon sehr früh, wie wir sehen werden, von den Inden ausgestellte Behauptung, daß Platon das mosaische Gesetzbuch vor Augen gehabt habe. Wir müssen aus Mangel an historischen Zeugnissen diese ganze Frage auf sich beruhen, lasse,,, glauben aber damit schon zufrieden sein zu dürfen, daß dieselbe Wahrheit auch von zwei Menschew ganz unabhängig von einander erkannt werden könne. So groß ist wenigstens die Uebereinstimmung in diesem Falle nicht, daß eine Able i tu ng der einen Ansicht aus der andern schlechterdings nothwendig wäre. — Etwas ähnliches gilt dann auch von den Uebersetzungen aller übrigen heiligen Bücher. Es gibt hier zwar der Abweichungen vom hebräischen Texte noch weit mehrere und stärkere, als im Pentateuchs Aber bei Weitem das Meiste hiervon geht den Gedanken- und Lehrgehalt gar nichts.an. Für uns können höchstens die Modifikationen in Betracht kommen, welche die algebraische Denkweise, die im Allgemeinen in diesen Übersetzungen u n veränd er r wiedergegeben ist, hin und wieder durch die griechische erfahren hat etwa indem man sich gegen Mßverständniffe der letztern verwahren wollte, oder auch, indem man das göttliche Wesen noch strenger, , als es früher nöthig schien , von der Welt getrennt zu halten und daher, was später und vielleicht schon bei den Uebersetzern die Bedeutung von Mittelwesen hatte, z. B. 1) Nach D äh ne Jüdisch-Alex. Rel. Phil. II. Abth. S. 1—22 kommen in dieser Rücksicht/besonders folgende Stellen in Betracht:..Gen. 1, 2» 2, 5 9. 16. 17. 25. . 3, 15. 17. 4, 26. 5, 29. 6, 6. 7. Exod. 3, 14. 15. 15, Z. 19, 3. 18 sqq. 25, 6. 24, 1<k. 11. 17. 32, 27. Lev. 24, 15 sq. Num. 12, 8. Deut.' 30, 14. ■ 32, 9. 33, 2. 2) Lev. 11', 6. Deut. 14, 7 cf. Megill. fol. 9, 6. 3) Das Nähere über Alles dieses in den Einleitungsschriften. 4) Vgl. die Einleitungsschriften und Eommentare. . 776 die Weisheit, den Geist Gottes, die Engel u. s. w. noch stärker hervorzuheben - für nöthig hielt. Doch sind auch diese Änderungen so geringfügig und so sehr geschützt durch andere Stellen im hebräischen Urtext selber, daß es nicht nothwendig ist, darauf emzugthen^. Auch die Schriften, die im ailexandrimsche» Kanon hinzugekommen sind — hier abgesehen vom, Buche der Weisheit — also die Bücher Tobias, Judith, Baruch, Sirach, die zwei Bücher der Maccabäer und die Zusätze zu den Büchern Daniel und Esther, zeigen durchaus nur alchebcäische Denkweise, und-wenn auch z. B. im Buche Sirach die Weisheit sehr, ähnlich, wie später im Buche der Weisheit geschildert ist, so ist doch eigentlich dort zu der schon in den Sprüchwörtern Salomos gegebenen Schilderung derselben Weisheit nichts Neues hinzugekommen^. — So ergibt sich denn, daß im Allgemeinen die alcxandrinische Bibelübersetzung .ein so. getreuer Abdruck qlthebräischen Geistes ist, als sich ein solcher nur immerhin in hellenischer Sprache geben läßt — Uckbrigens sieht man es dem ganzen Werke deutlich genug an, sowohl daß mehrere Uebersetzer daran gearbeitet haben, als auch daß seine einzelnen Bücher ursprünglich nichts als P riv a tar b e i t e n gewesen sind. In der Folge aber hat, wie es scheint, das Ganze, wenn nicht die ausdrückliche, so doch die faktische Bestätigung des alexandri nischen Syn.h e,dri u m S erhalten. Denn in die Sy n a g o g e nr oll e n zu Alrxandrftn und andern Städten und vielleicht sogar auch in eine mit dein jüdischen Heiligthum zu Leontopolis verbundene Tempel-Bibliothek konnten diese Bücher wohl nur kraft G u t h e i ß n n g jener obersten Behörde ausgenommen werden, und höchst wahrscheinlich dürfte dieses schon um 100 v. Ehr.,geschehen sein-, wenngleich 1) Da'hne führt als Beispiele solcher Aenderungen, worin er freilich nicht ganz mit Unrecht eine Vorandeutung des spätern'philonischen Systnnes erblickt, folgende Stellen an: Jos. 4, 21. 1 Kön. (Sam.) 1, 14. '3 (1) Jtön. 8, 53 cf. 2 Ehren. 6 1. 2. Jes. 6, 1 Lg. 38, 11. 40, 26. 42, 13. 45, 18. 52) 13. Jer. 14, 13. 39 (32),. 17. Pf. 16 (17), 15. 39 (40), 7. 50 (51) 14. 62 (63), 3. 95 (96) ,'5? Job. 7, 15. 19, 27 (26). 2) Bgl. Sprchw. 8, 22 ff. Sir. 24, 1 ff. Weish. 7, 1 ff. 3) Wenn D.ähne in den von ibm bemerklich gemachten Blenderungen der LXX absichtliche Fälschiungcn sieht und glaubt, daß auch in ihnen sich die Ansicht des Alexandrinismus von der Zulässigkeit des frommen Betruges kund gebe (s. Alex. Rel. Phil. II. S. 93): so dürfte diese Meinung wohl schwerlich die Billigung der Einsichtigern finden. Oder wie soll man' es sich denken, daß die Uebersetzer des Pentateuch schon das ganze philonische System sollten vor Augen gehabt haben? Bon den Uebersetzern der übrigen heiligen Bücher aber gesteht Dähne selbst, daß sie in ih':en dogmatischen Rücksichten nicht so strenge oder, wenn man wolle, strenger gegen ihre Pflichten als Uebersetzcr gewesen sein! (ebdas. S. 37). Im letzterer Falle hätte man also die nicht - pemateuchischen Bücher für noch heiliger, als den Pentateuch selber geholten, was gegen alle Analogie ist; im erstern Falle aoer wäre die philomsch - alexandrinische Philosophie in der frühern Zeit bereits ausgebildcter und anerkannter gewesen, wie später, was wiederum gegen alle Analogie ist- Die Begründung der alexändrinischen Religionsphilosophie