Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1851-01-01 · Heft 28 · p. Seite 773-774

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 28
Date
1851-01-01
Page
Seite 773-774 (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360688-2360703--7659-3536648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

773 774 Die Begründung der alexandrmischen Religionsphilosophie. den in derselben Form wie die weltlichen Mitglieder der Konsistorien gewählt. Die Gemeinde-Rabbiner und Gemeinde -Dimer werden von einer durch dasDeparlemental - Konsistorium bezeichneten Notabeln - Versammlung gewählt. Die Ernennung der Rabbiner jeglichen Grades sind der Genehmigung des-'Regierung.unterworfen. Uebrigens unterliegt der, israelitische Kultus denselben Be-, dingungen, und genießt dieselben Vorrechte, wie die anderen anerkannten Kulte. Die Begründung der alerandrinischen Religiorrsphilosophie. 1) Während sich das^ griechisch-römische Hekbenthum dem Judenthum unbewußt, aber doch frei, nämlich aus Anerkennt? niß des. den Menschen nicht wahrhaft befriedigenden GehalteS seiner bisherigen Philosophie und Religion, mehr und mehr anuähcrte: hatte umgekehrt auch das Judenthum, zwar zunächst nur durch seine politischen Verhältnisse gezwungen, nebstdem jedoch auch durch religiösen Eifer bewogen, schon Längst angefangen, sich thcils mit vollem Bewußtsein und rückhaltloser Offenheit demselben Heidenthum aufzuschließcn, therls ihm sogar i nn er lich, insbesondere durch eine eingehende Berücksichtigung der altern und neuern philosophischen Leistungen der Griechen, um ein bedeutendes näher zu treten. Einen Beweis von diesem Cetztern haben wir schon im Essenismus gesehen. Aber einesihkils ist die Wirksamkeit des Esscnismus, sofern sie sich wirklich auf das Heidenlhum erstreckt hat, immer doch blos eine geheime, nur. zu sehr hinter Heimischen Ausdrücken, Symbolen, Mythen u. s. w. sich verbergende geblieben; andcrntheils ist der Esscnismus selbst nicht etwa als ein Ganzes, das füc sich bestanden hätte, sondern nur als einzelneErschein ung eines noch viel ausgebreitetcrn Bestrebens rm damaligen Judenthum zu betrachten, welches als Endziel geradezu den Plan verfolgte, das Judenthum, unter formeller Umgestaltung desselben, in das Griechenthum und dagegen das Griechenthum, unter i d ee l l er- Umgestaltung desselben, Lu das Judenthum hinüber z u setzen uud e i n z u f ü Y r e u — was dann allmählig eiue auch noch a n d e r w e i l i g e. V e r sch m e l z u r g beider zur Folge hatte. Die Bnhätigung nun dieses Bestrebens mit Einschluß alles Einzelnen, was sie zu Stande brachte, nennen wir den jüdisch-hellenistischen Lehr begriff, und zählen insbesondere dahin erstlich die von den jüdischen Gelehrten Alexandrias vor der Zeit Philo ns in diesem Sinne unternommenen literarischen Arbeiten, und sodann auch die allgemeiner», d. h. über Alexandria hinaüsreichendcn und zugleich mehr äußerlich praktischen, Beckhätigungen desselben Bestrebens, wie sie sich namentlich, in'dem jüdischen Hellenismus und Pro selytismus äußerten. Erst wenn beides erörtert worden, laßt sich auch die Spitze'dieser, man möchte sagen, Un i o n s> B e st r e bu n g e n des Judenthums, worin zugleich die verwandten Bestrebungen des Heidenthums Aufnahme fanden, nämlich der philonische Lehrbegriff, in der Art darstellen, daß das Verhäitniß dieses Systems zu seiner Zeit überhaupt richtig erkannt wird. 2) Die alexandrinische Uebersetzung der heiligen Schriften (die LXX) ift, so viel wir wissen, das erste Werk, worin sich das erwähnte jüdisch - hellenistische Bestreben einen Ausdruck gegeben hat«. Nach den ältesten Angaben nämlich wurde dieselbe unter Ptolemäus II. Philadelphias (284 bis 247)nach Anderen schon unter Ptolemäus I. Lagt (374 bis 285) begonnen; später fortgesetzt, ist sie (mit allen ihren Zusätzen) ohne Zweifel bereits gegen 120 oder spätestens 100 v. Ehr. vollendet gewesen. Gewiß aber enthielt sie schon als Uebersehung an und für sich und dann auch noch durch die besondere Art, wie manches Einzelne darin wiedcrgegeben wurde, eine Annäherung jüdischer und hellenischer Denkweise. Wäre die Erzählung, wie insbesondere die Uebersehung des Pentateuch entstanden, vollständig glaubhaft, so wäre das Bedeutendste an der ganzen Thatsache das sich in ihr aussprechende gegenseitige Wohlwollen zwischen Griechen und Juden, welches die nächste Veranlassung zu dem Unternehmen gegeben hätte. Nehmen wir aber auch nur die Uebersetzung, wie sie vocliegt, so hat sie jedenfalls beim ganzen alten Testament und insbesondere beim Pentateuch Beides, das Festhalten am eigenen und daß. Berücksichtigen des Fremden, möglichst mit einander in Einklang zu bringen versucht.— Was zuvörderst nämlich den Pentateuch betrifft, so gibt die Uebersetzung der LXX den Sinn des Urtextes im Ganzen, wie allgemein anerkannt wird, sehr getreu und richtig wieder V Doch aber hat sie sich offenbar an-eine Lextesrecension angeschlossen, welche, dem samaritanischen Pentateuch verwandt, sich durch erleichternde Lesarten auszeichncte. Sodann hat sie alles scheinbar Anstößige, wie gar zu starke Anthropomorphismen, insbesondere aber jede scheinbar naturalistische Fassung Gotces, z. B. daß er einem Menscheu sichtbar geworden. fei, und ebenso alles scheinbar Polytheistische mit Sorgfalt vermieden oder möglichst gemildert. Ferner hat sie, .wie die Aenderung der Zahlen im Anfänge der Genesis darzuthun scheint, ans die ägyptische Chronologie und so wohl auch sonst auf die Wissenschaft ihrer Zeit Rücksicht genommen. Nicht minder hat sie sich hin und wieder, wenn nicht schon der griechischen, insbesondere der platonischen Ph.losophie a's solcher, so doch dem, was daraus bereits Gemeingut der Gebildeten geworden war, anbcquemt und so schon dasjenige anzubahnen' begonnen, was später seinen vollständigen Ausdruck l) So nach Aristobulus, (Pseudo-) Aristeas, Philon und Joseph us. 2i Iren. adv. haar. 3, 25. Giern. Alex. Strom. 1, .22. cf. Flut. Apophtegrn. reg. et. imp. VIII. p. 124 öd. Tut». Aelia«. V. II. 3, 17. Hng, de Pen tat. Yersiome Alex. IM barg 1848. 3) Hier, praef. in Gen. 49*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.