Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 28
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 757-758 (sequence 21)
- Language
- German
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.757 ' Einflüsse des Parsismus auf das Judenthum. 758 Namens Sofiah, der als Ileberwindcr und Vernichter der Deus auftrcten wird , ist in den Zcndbüchem die, Rede. Am Ende der Tage, wann Bosheit und Ungerechtigkeit unter dm Menschen werden überhand' genommen haben, und das böse Prinzip die Herrschaft erlangt haben wird. 'Lvird er plötzlich erscheinen, und alle Todten werden auferweckt werden, entweder durch ihn oder durch Ormnzd. Daun wird eine Scheidung sein zwischen Gerechten und Sündern; die Gerechten werden in den Himmel eingeheu, die Sünder aber in den Duzakh (die Hölle) gestürzt werden. Dann wird der Vater von der Tochter, die Schwester vom Bruder, der Freund vorn Freunde geschieden sein. Unbefleckte werden weinen über Sünder, und Sünder über sich selbst.. Von zwei Schwestern wird eine, rein sein, die andere-Sünderin. Ihr Lohn wird in ihren Thaten liegen *. Die Bildersprache der Evangelien von den Ereignissen beim' Weltende und Weltgericht, namentlich das Herunterfallen der Sterne und die über die Erde sich verbreitende Bangigkeit, findet in den entsprechenden Stellen der Zmdbncher ihren Verklang. Wenn der Komet Gurzscher, der bis dahin unter der Wache des Mondes gestanden, auf die Erde herabstürzt, dann wird die Erde krank sein, gleich dem Schafe, das mit Zittern und Zagen vor dem Wolfe miederfällt^. Wie es zugegangen, daß diese dem Hebräismus der patriarchalischen und der mosaischen Zeit fremden Vorstellungen in der Zeit des Exils und während der perfischen Herrschaft im Judenthume so schnellen Eingang gefunden haben, wird sich schwerlich zu allseitiger Befriedigung jemals erklären lassen. Diejenigen, die den Glauben an Engel und Teufel für einen Rückschritt des menschlichen Geistes in die Religionen des Wahnes hätten, mögen sich verstellen, daß derselbe von den Jehovahpriestern und Propheten absichtlich und eifrig gefördert worden ist, um den alten Hang des' Volkes zur Abgötterei dadurch zu tilgen, daß dasselbe gewöhnt wurde, in den alten Landesgöttern böse Geister zu erblicken, wofür die Uebertragung des Namens Beelzebub auf den Ahriman zeugt. Wird aber jenem Glauben Wahrheit znerkannt, so uöthigt die Thatsache, daß diese Wahrheit in den persischen Religionsbüchern früher und" bestimmter, als in den hebräischen ausgesprochen worden ist, zu der Annahme, daß die wahre Gotteslehre den Nachkommen AbrahamS nicht nur nicht ausschließlich, sondern segar in einem geringeren Maße, als den Bekenmrn des Ormnzd geoffenbaret worden ist, da ein so bedeutendes Moment derselben in den Schriften Zoroasters deutlich vor Augen liegt, wahrend dasselbe im hebräischen Retigionsglaubcn nach der leisen, in der Schöpfungsgeschichte gegebenen Andeutung, daß die Verführung des ersten Elternpaars durch einen Dämon in 1) Rhode S. 467. 2} Rhode u. a. O. S. 467. Schlaugengestalt bewirkt worden/ auf Jahrtausende in gänzliche Verdunkelung getreten und dem.Volke Jehovah's erst bei seiner Bekanntschaft mit den Persern ins Gedächtniß zurückgerufen worden ist. Die Lehre der Zendbücher vom Ursprünge, Fortgänge und dereinstigen Ende des Kampfes der beiden Prmzipe ist jedoch weder vom Judenthum, noch vom Christenthum vollständig ausgenommen worden. Auch im später ausgebildetm Dualismus der Kirchenlehre ist der Abfall des Teufels von Gott als geschichtliches Faktum nicht erzählt, sondern nur vorausgesetzt, das Verhält'niß seiner Wirksamkeit zur göttlichen Weltordnung aber ganz unerörtert geblieben, weil dasselbe mit dem Begriffe der Allmacht Gottes nicht y? vereinbart werden kann, wie es im Parsismus zulässig ist, wo Ormnzd und Ahriman mit gleichen Kräften einander bekämpfen. Den Bekennern derjenigen Aeberzeugnng, welche die Rechtgläubigkeit von dem Zeugnisse Heiliger, von Gott emgegebener Bücher abhängig machen, muß der ormuzdglänbige Cyrus für einen Rechtgläubigen gelten: denn der ungenannte Prophet, dessen Reden und Weissagungen unter dem Namen des Jesatas gehen, weil sie mit denen des letztem, um zwei Jahrhunderte älteren, zufällig verbunden und allmälig als zu denselben gehörig angesehen worden sind, redet also von Cyrus: Wer erweckte ihn,, vom Aufgange der, Dem Heil begegnet auf jedem Schrie:? Der die Völker vor sich hertreibt, Und der die Könige niederwirft, Der zum Staube ihr Schwert, Zur zerstiebenden Spreu ihren Bogen macht, Der ihnen nachzieht,^ ungefährdet, Auf Pfaden, die sein Fuß nie betrat? Wer that dies und vollbrachte es? Ich, der die Geschlechter von Anfänge rief, ■ Ich, Jehovah, der Erste ' Und der Letzte in späten Tagen! Ich erweckte ihn von Mitternacht her und er kam; Von der Sonne Aufgang her ruft er meinen Namen. Er tritt auf die Gewaltigen, wie aus Lehm, Wie der Töpfer den Thon zertritt., Zuerst sagte ich zu Zion: Sehet, da ist er! Und an Jerusalem sandte ich Friedensboten^, Ich, der zur Tiefe spricht: Versiege! Deine Ströme will ich vertrocknen, ~ Der zu Eyrus sagt: Mein Hirt, All meinen Willen soll er vollbringen, Zu Jerusalem sprechen: Werde erbaut! Zum Tempel: Werde gegründet!^ . Jehovah spricht zu Koresch, seinem Gesalbten: Du, den ich halte bei seiner Rechten, Und vor dir stürze die Völker, Die Hüften der Könige ent gürte, Und offne die Pforten, 1) Jefaias 41, 2—4 u. 25—27. 2) Ebendaselbst 44, 27 u. 28. 48