Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 28
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 751-752 (sequence 15)
- Language
- German
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751'. Einflüsse des Parsismus auf das Judentum. 782 Zerwane Akerene, durch das schaffende Wort Honover ms Dasein gerufen worden sind, oder ob Ormuzd selbst der höchste Gott und Ahriman ein von demselben abgefallener Geist ist, ist unter den neuern Erforscher der persischey Religionsurkunden streitig geworden, dieser Streit aber hier , wo nur das Verhättniß des Parsismus zur Jehovareligion in Betracht kommt, nicht näher zu erörtern, da in dieser Beziehung das Ergebniß beider Annahmen gleich ist, daß die im hebräischen Jehova vereinigte Macht der erhaltenden und der zerstörenden Kräfte in der Religion Zoroasters als getrennte, in einem steten Kampfe begriffene Wesen einander entgegenstehen., 'beide von Heeren gleichgesinnter, hier guter, dort böser Geister umgeben. Ormuzd hat den Urstier, -den Träger alles organischen Lebens, geschaffen, Ahriman aber ihn getodtet; als Ormuzd aus dem Blute des Urstiers den Urmenschen Kajomorts, zugleich männlich und weiblich, bildete, tödtete Ahriman auch diesen, woraus Ormuzd aus der Schulder. desselben einen Baum erwachsen ließ, welcher, zehn Menschenpaare trug. Eines derselben, Meschia und Meschiane, von welchem das heutige Menschengeschlecht abstammt, war zu immerwährender Glückseligkeit bestimmt, wenn es Herzensdemuth, Gehorsam gegen den Willen seines Schöpfers, Reinheit in Gedanken, Worten und Werken bewahrt hätte; es wurde aber von Ahriman in Schlangengestalt zürn Genuß schädlicher, von ihm herrührender Früchte verführt und hierdurch der Glückseligkeiten, die es bis dahin genossen hatte, verlustig. DieVerwandtschafe-,4iescr^ Vorstellungen mit den beiden in dem ersten dev mosaischen Bücher enthaltenen Schöpfungsgeschichten fällt in die Augen. In dem Hebräischen Worte arum3 listig, womit die Schlange bezeichnet wird, scheint sogar eine Anspielung auf den Namen Ahriman zu liegen; und -wie im ersten der mosaischen Berichte Elohim ein Menschenpaar, männlich und weiblich, erschafft, das nachher nicht rvieder vorkommt, da im zweiten'der Berichte eine andere vom Jehovah vorgenommene Menschenschöpfung erzählt wird, so trägt in dem Zendbuche der aus der Schulter des Urmenschen erwachsene Baum neben Meschia und Meschiane noch andere Mcnschenpaare, dereu nachher keine weitere Erwähnung geschieht, was die Deutung gestattet, daß außer dem Hauptstamme noch andere, ältere oder jüngere, edlere oder ^unedlere Zweige Früchte getragen haben. In der mosaischen Erzählung knüpft sich aber die Vorstellung eines besseren, durch Erkenntniß und Verehrung des wahren Gottes bevorzugten Geschlechts an das von Adam durch Seth, Noah,,.Sem und Abraham abstammende Volk der Er- - wählnng; bei .den der Religion Zoroasters angehörmden arischen oder iranischen Völkern erscheinen Priesterstämme als. Träger der mit dem Religionsglanben verschmolzenen Cultur, die sich vor den andern Volksgliedern im Alleinbesitz religiöser Weihen und höherer wissenschaftlicher Kenntnisse befinden. Das in den Zendbücheru dargestellie Staatswesen, aus vier geschlossenen Ständen oder Kasten, den Priestern, den Kriegern, den Ackerbauern und den Gcwerbsleuten, mit einem Könige an der Spitze bestehend, ist ans dem geoffenbarten Willen des Ormuzd entsprungen und wird durch religiöse Vorschriften und Ucbungen in fortdauernder Verbindung mit demselben gehalten. Von den in drei Ordnungen getheiltm Priestern, den Magern, verlangt Zoroaster Gesundheit und Reinigkeit des Leibes und der Seele, hohe Denkungsart, edle Thaten, Wissenschaft uud^ beständiges Forschen im Gesetz; sie sollen in allen Verrichtungen Nachbilder des Ormuzd und des Zoroaster sein; denn sie sind die Bewahrer, Ausleger und Vollzieher des lebendigen Wortes > an ihrem Oberpriestcr müssen alle diese Tugenden am hellsten leuchten. Das Oberhaupt, des ganzen Volks, der König, ist jedoch nicht' aus der Priesterschast hervorgegangen, sondern der Stifter des Königsgeschlechtes, Dsjcmschid, der Vater der Völker, der mit Hülfe göttlicher Menschen die Arier zuerst zu einem Volke vereinigt, sic Ackerbau und Viehzucht gelehrt, und ihnen Gesetze gegeben hat, ist zu dieser Würde von Ormuzd selbst erhoben worden, und hat, wie Moses das hebräische Priesterthum, mit den andern drei Ständen auch den Stand der Mager nach Auftrag des Ormuzd gestiftet. Alle Jranier müssen für ihn beten, wenn er nach dem Gesetze des Ormuzd regiert, dasselbe zur Richtschnur seines Wittens macht, sich rein an Leib und Seele erhält, die Bösen bewältigt, den Guten .aufhilst, die Armen ernährt, der Elenden und Betrübten als Vater sich annimmt, gegen-die Gottlosen , Grausamen und Gewaltigen unerbittliche Strenge übt. Thut er dieß nicht, so bezeugt er sich als Ahriman's Diener, und das Volk soll beten, daß Ormuzd ihn hinwegnehme; aber es steht Niemand, als dem Ormuzd selbst frei, ihn für den Mißbrauch seiner Gewalt zu strafen. Nach den Zendbüchern sind die Arier unter dem Könige Dsjcmschid aus dem Urlaube Eri-eene-Veedjo in Hoch-Asien in Folge einer mit dem Einbrüche plötzlicher Kälte entstandenen Veränderung des Klimas ausgewandert und haben sich in verschiedenen Richtungen über Mittel-, Süd- und Oberasien verbreitet. In welchem Perhältniß diese Wanderung zu der im ersten der mosaischen Bücher angegebenen Ausbreitung der Nachkommen Noah's steht,* und ob die Aehnlichkeit der Schöpfungsgeschichten in beiden Religionsbüchern berechtigt, auch die Namen Sem, Arfachsad und Aram zu den Namen Dsjcmschid und Arier in Beziehung zu setzen, kann der Vermnthung frei gelassen werden; jedenfalls aber gehört das Reich der Jranier in eine Zeit, wo die Reiche Assyrien, Babylonien und Medien noch nicht waren , da in den Zendschriften derselben und ihrer Hauptstädte Ninive, Babylon *) U Mose 8.