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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 27 · p. Spalte 717-718

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 27
Date
1851-01-01
Page
Spalte 717-718 (sequence 45)
Language
German
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,717 Die Tradition fügt hinzu: / / Nachsichtig wäre ich einstweilen verfahren, wenn sie nur nsich verlassen, Hingegen meine Gebote beobachtet hätten. Der Prophet Micha stellt beide Prinzipien des M onotheismus und der Ethik gleich und giebt ihnen gleichen Werth. Ist dir schon kund, was dein Mitmensch von dir fordert und was Gott von dir verlangt, jener das' Recht zu üben und Tugendliebe, .dieser aber frommen Wandel , vor dem Ewigen. Micha 6, 8. Ich kann daher nicht unterdrücken eine Stelle aus dem- Jessod haddat (Uebersetzung Fürsscnthal) anzuführen. „Wenn wir dos Leben der Männer Gottes in" näherer Erwägung ziehen, so finden wir den einen mehr durch seinen religiösen Charakter hervorragend, - der eine ist ausgezeichnet, fromm, der andere ausgezeichnet redlich^ der eine sucht die Menschen von dem Dasein und der Einheit, Gottes zu überzeugen, der andere leuchtet ihnen durch seinen ausgezeichnet vortrefflichen sittlichen Wandel vor und giebt ihnen das Beispiel der erhabensten'sittlichen Größe. Zu der ersten Klaffe gehören: Abel, Henoch, Jakob und seine Söhne, David und Elias; zu der letzteren Klaffe: Noa, Isaak, Joseph», Aaron, Saul, nicht etwa weil jene Männer unsittlich waren, sondern weil sie mehr noch durch ihre außerordentliche Frömmigkeit, die letzcgedachten aber mehr durch musterhafte Sittlichkeil zu Mustern für ihre Zeitgenoffen und zu Vorbildern für die künftigen Geschlechter sich eigneten." Daher drückte der erste der Propheten sich hiernach aus. „Was verlangt der Ewige dein Gott Anderes von dir, als in seinen Wegen (die der Moral und Sitten) zu wandeln und ihn zu lieben" (Monotheismus) 'd. h. suche Gunst und Wohlgefallen zu finden in Gottes und der Menschen Augen und suche beide Richtungen in dir zu vereinigen, um deiner Bestimmung hinieden vollkommen zu genügen. Willigkeit, Verträglichkeit, Versöhnlichkeit,- Wahrhaftigkeit und Dankbarkeit gehören zu den Pflichten der Liebe, dadurch erkennen wir unsre moralische Natur. Daher frön ie der Ewige mit der Priesterkrone Aaron, er war. Diener am Altar des Hauses Gottes, des Friedenstempels, an dem Altar, bei dkffen Bau fein Eisen geschwungen wurde, er hat den Frieden geliebt und-ihn'aus allen Kräften zu fördern gesucht, er brachte die Nachkömmlinge Abrahams zur Eingkeit, zur Erhaltung des Verbandes und wenn es haderte, opferte er selbst einstweilen das Prinzip des Monotheismus auf, welches er beim Apisdienst der Israeliten gezeigt hat. Exod. 22, 2 u« 22. Daher sagt Rabbi Elieser: „Gegenseitige Einigkeit unter den Menschen bringt göttlichen Schutz, gegenseitige Verfolgung aber, die Auflösung des Ganzen zu Wege. Selbst der dualistische Götzendienst zieht den Israeliten noch keine Strafe der Zerstörung zu, wenn sie sich nur nicht gegenseitig verfolgen, so wie es heißt Hosea 4, 10: „Sie sind vereinigt Götzen anzubeten, laßt ab." Sobald aber Verfolgung unter ihnen begann,, sagte der Prophet: 748 „Ihre Herzen sind getbeilt„ Zerstörung sei nun ihr Loos." Daher sagten, dir Weisen, daß selbst eine Synagoge, worin Zwietracht herrscht, unvermeidlich untergeht. Rabbi Elieser begegnete-Jedem mit Freundlichkeit und Sanftmuth, daher dem Beleidiger verzeihen, die Handlungen eines jeden Menschen zum Guten deuten, den Fremden gut aufnehmen, Kranke besuchen, Trauernde trösten, rem Rath Suchenden rathen, ist das Prinzip der L/ebe unsrer Religion. Daher sagt auch die Tradition: „Sünden, welche der Mensch gegen Gott begangen hat, vergiebt der Versöhnungstag, Sünden aber gegen Nebenmenschen , vergiebt der Bersöhnungslag nicht früher, als bis man mit seinen Nebenmenschen sich , versöhnt und ihn befriedigt hat." Daher sind Gottinnigkeic und Sittlichkeit die Hauptprinzipien des Iudenthums, Angeln, um die sich der Kreis der Gesetze drehen. Im Betreff der Kommunaltugenden bemerkt die Tradition „Geselligkeit oder Tod". Wenn in der Gemeinde irgend ein Ungemach herrscht, denke der Einzelne nichts ich werde mich in meine Behausung begeben, essen, trinken und mich um nichts kümmern, sondern theile den Schmerz mit der Gemeinde. Sie fügt hinzu: „Wer seinen Nebenmenschen beschämt, ist als Mörder zu betrachten und wird seiner Seligkeit verlustig. Es ist vorzuziehcn, sich einem glühenden Kalßofen preis zu geben, als eine solche Handlung 'zu begehen". Daher sagt Salomo Sprüche 17, .5: „Wer des Armen spottet, lästert feinen Schöpfer". Sowie die dunkle Athmosphäre der Erde zur Schöpfungszeit von den beiden großen Lichtern und von der Helle der Sterne erleuchtet wurde, wodurch diese in ihrer Pracht dastand, sowie bemerkt ist: „Unter dem einstimmigen Jubel der Morgensterne und 'dem Jauchzen aller Söhne Gottes", so wird der Menschheit Finsterniß nach und nach schwinden und jene herrlichen Prinzipien des Monotheismus und der Moral werden gleich Sonnen die finstern Stege der.Menschheit erleuchten und Offenbarungsgesetze, wie Sterne am Himmel, blitzen, wie Iesaias sagt: .„Auf werde Licht, denn es kommt ein Licht und die Herrlichkeit des Ewigen bestrahlt dich. Denn siehe, Finsterniß bedeckt die Erde und Wolken umdüstern die Völker, aber über dir geht der Ewige auf und seine. Herrlichkeit wird über dir erscheinen rc." „Es wandeln Volker bei. deinem Lichte und Könige bei deinem Strahlenglanz" Iesaias 60, 1—3 und Cap. 2, L. 3: „Und viele Völker werden hingehen und sprechen rc.: Auf laßt uns hinaufziehcn rc., daß er uns weife feine Wege und wir gehen auf seinen Pfaden rc. Nicht wird Volk gegen Volk erheben ein Schwert, nicht werden sie ferner lernen den Krieg." Zephanja setzt hinzu: „ Und der Ewige wird König sein über die ganze Erde *) Die Tradition stellt das Prinzip der Moral dem des Monotheismus gleich. Beide heischen gleiche Opfer, sowie Abraham, Ehananjah, Mischael undAsarja für den Monotheismus auf gleiche Weise ihr Leben opfern wollten. Die PrmciPien der alttestammtlichen Moral und Politik.

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