Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1851-01-01 · Heft 27 · p. Spalte 715-716

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 27
Date
1851-01-01
Page
Spalte 715-716 (sequence 43)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360688-2360700--7629-3536617
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

715 Die Principien der alttestamemlichen' Moral und Politik. ' 716' dienstlich. Hingegen führt uns 'der Verstand in Hinsicht des ' Forschcns nach dem Absoluten an die Grenzen der menschlichen ' Erkenntniß und Wissens, wo die Negation für uns nur dasv Wesen, das Realabsolute istcs ist Anmaßung, solchen Spekulationen nachzuhängen, deren Hirngespinnst wir in Senta Vesta, Veda findend Daher habe, ich in einem Kupferstiche meines Werkes Icsod haddat (1822) bildlich diese verschiedene .Einbildung des Unendlichen im Endlichen /dargestellt. Die Gottheit mit ihren primitiven Eigenschaften ist gleich der Sonne am klaren Horizont, die durch ihr Ausstrahlen und Beleuchten die. Natur erweckt' und Lebem ihren Dingen einflößt. Hingegen ist die Gottheit in ihrem sekundären Eigenschaften durch die von der in der Zeit lebendig gewordenen ausübenden Gerechtigkeit ausgehenden Strafen, gleich der Sonne, die mit ihrem feuerrothen Antlitze durch die Donnerwolken blinket.- Von dieser Eigenschaft haben wir nur ein Gebet unter den.18." Dies ist daher der Unterschied zwischen den Göttern Griechenlands und dem Gotte Israels. Der Israelit erkennt, daß der Grundtypus seiner Natur reine Vernunft ist, wodurch er das göttliche Sein erforscht, um danach ein entsprechendes Leben zu führen. Hingegen waren die Götter Griechenlands Idole, wie Sokrates bei Platon sagt: '„Wie kann die Jugend Ehrfurcht gegen die Götter und vor Gesetzen haben, wie wird sie sich, scheuen, auch das Schändlichste zu thun, wenn sie von den größten Göttern solches vernommen hat." / Dahin gehören auch die Befehdungen und Kämpfe der Götter unter einander rc. Die ersten Eindrücke sowie die Meinungen, welche sich in diesem'Alter festsetzen, sind unvertilgbar. Dies zur Berichtigung fremder-Aufsätze dienend, um nicht den Lehrer in den Irrglauben zu versetzen, als hätte ich am Schluß bei der Erklärung des Verses Maleachi 3, 24 mich der Spitzfindigkeit unsrer .Mitbrüder DMttfTI m Polen bedient, dem Einfachen ausgewichen, um durch Außergewöhnliches im Scharfsinn den Leser in Erstaunen zu setzen. Mich leitete bei dieser Erklärung gleich wie. bei den andern das Bestreben nach Recht und Wahrheit. Um diesem zu genügen habe ich die Erklärung jenes Verses angeführt. Die Geschichte unserer Nation muß durchaus aus dem Gesichtspunkte des Monotheismus und der Ethik hergeleitet werden. Die Ursache des Verfalls des jüdischen Staates waren nach der Tradition folgende: : Die des ersten Verfalles war die Verläugnung des monotheistischen Prinzips und die daraus entspringenden Abweichungen vom Gesetz. . Die" des zweiten Verfalls oder des zweiten Exils war die Verläugnung des ethischen Prinzips. Die Nation beschäftigte sich zwar mit dem Studium des Gesetzes, übte die mosaischen Gesetze ziemlich aus, übte auch *) Ehagr'ga 2. Milde und Wohlchäligkeit, aber Unliebe herrschte, besonders das in der Tradition beschriebene verhaßte Laster des unverdienten Haffes ajn riN^ öec Mißgunst und des Stolzes,/ die Aufrichtigkeit und Redlichkeit haben'sich nicht vorgefunden, und wo die zu Grabe befördert werden, sind alle Leidenschaften entfesselt. Von diesen hängt in vielen Fallen im menschlichen Leben das Wohl und Wehe.mancher Familien ab, da die Hand der Gerechtigkeit oft nicht soweit'reicht, um Beihülfe dem Verfolgten zu gewähren./Dies allein war die Ursache des später beigefügten Gebetes uitö viele Kommentatoren waren im Irrthume, wenn sie andere Ursachen angegeben haben. Selbst bis in die spatesten Zeiten, 'wo Israel sowohl dieKommunalals die individuellen Tugenden der Milde, WohUhatigkeit und Unterstützung ausübten, waren noch Spuren der Laster des unverdienten Hasses, des Neides und'der Verfolgung, die. früher Ursachen des Verfalles des israelitischen Staates waren, noch vorherrschend. Wenn Gibbon sich befleißigtedie Ursachen des Verfalles, eines Staates, der bereits von der Erde verschwunden ist, anzugeben, wie sollten sich .nicht die Gelehrten unsrer Nation befleißigen , /auf gleiche Weise die Ursachen .des Verfalles eines Staates, einer Nation, die. die Vorsehung noch conscrvirt hat, anzugeben. Die nicht vollkommene Beobachtung des Prinzips der Liebe in der von der Traditinn/angegebenen Weise/ist noch heute sehr oft Schuld an der Nichtachtung ariderer Völker. Israels Fleiß, Thätigkeit, Wohlthätigkeit, Nüchternheit werden heute noch bewundert, allein'die durch oben angegebene Fehler herbeigesührte Zerrissenheit und Swiefpätigkeit, durch Neid, Haß, vermindern düse und setzen uns der Verachtung aus. Die heilige Tradition setzt hinzu: Die Wiederherstellung des.Tempels ist in kurzer Zeit geschehen, da sie durch Umgebung der Perser den früheren Götzendienst verachten lernten und daher die Ursache des Verfalles behoben wurde. Hingegen die oben angegebenen Ursachen des Verfalles des zweiten Tempels, die ein. im Finstern schleichendes Gift waren/ noch nicht ganz geschwunden sind und daher die Wiederherstellung des Tempels unabsehbar ist. Befleißigt euch daher ihr gelehrten Redner Israels, die wahre Bruderliebe wiederum in Israel in Aufnahme'zu bringen, verscheuchet die trüben Wolken' des Neides, der Mißgunst, der Räche, des Hasses, der Nachrede, und Israel wird wiederum in Verbindung mit seinen eigenthümlichen unvertilgbare» Tugenden den früheren Glanz erlangen. /Zugleich wollen wir zeigen, daß das ethische Prinzip im Iudenthum noch nachdrücklicher anempfohlen wird, als der Monotheismus. Die von mir bereits in den vorstehenden Aufsätzen angedeutete wichtige Stelle ist aus.dem Ialkuth 282 betreffend den Vers in Jeremias 16, U 5 So spricht (der Ewige) mich baden sie verlassen und meine Weisungen beobachtet. *} Daher heißt es: verflucht sei, wer feinen Nebenmenschen heimlich schlägt. Deutr. '27, 34. *) Siehe Maleachi 2, 6., welche Deutung die Propheten dem Worte geben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.