Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 27
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 713-714 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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713 Die Prinzipien der alttestamentlichen Moral und Politik, von M.B. Friedenthal. 714 Orient über Bienen. Zn der Sakuntala des berühmten indischen Dichters Kalidasa — der etwa 50 Jahr vor Christi Geburt lebte. ~ deutsch ist daS Gedicht veri Förster und von Bernhard Hi^zel übersetzt, fliegt eine Biene auf Sakuntala zu und läßt sich nicht verscheuchen; Sakuntala flieht endlich-vor ihr und ruft um Hilfe, da tritt der König auf. — Stellen aus Sakuntala: Holde Biene, auf frischenflHonig erpicht, pflegtest du den weichen Rand der ungeöffneten Ambrablume zu küssen; wie genügt dir zuletzt die Wasserlilie, wie vergissest du der ersten Liebe! - Aus Mrichchakat, das Kinderwägelchen, indisches Drama von Sudraka: Gleich undankbaren Bienen, die mulhwillig des Elephanten breite Stirne fliehen, wenn eingetrocknet darauf der Thau erstarrte; so kommen sie nicht mehr, nicht mehr zu mir". — Schon Strabo erzählt, daß die SchSäfe des Elephanten zuweilen einen dicken Lhau auödünsten; auch Cuvier hat dieses wieder bemerkt. Endlich ist noch im Koran eine Sure, die 16. , die Biene betitelt; folgender Stelle wegen: „ Und der Herr Lehrte die Biene, sagend: baue dir Häuser in den Bergen und in dm Bäumen, mit solchen Stoffen, womit Menschen zu bauen pflegen. Esse dann von allen Früchten und gehe auf den Wegen, welche der Herr dir angewiesen. Aus ihren Leibern kommt nun eine Flüssigkeit, die verschieden von Farbe ist und Arznei für die Menschen enthält. Wahrlich, auch hierin ist ein Zeichen für nachdenkende Menschen." — ■ Isaac Eduard Epstein. Nachtrag zu meiner Recensivu die Prinzipien der altteftameuLlichen Moral und Politik betreffend. Von Mi B. Friedenthal. (Fortsetzung; s. S. H58 u. LB. d. Or. 1850 Nr. 24 flg.) Wenn wir in den früheren Aufsätzen gezeigt haben, daß der Verstand das Absolute (ppp jw) wahrnimmt und hierdurch zwar die Nöthigung zur Bejahung dessen Existenz entsteht, wir aber dennoch durch diese Wahrnehmung zu keiner Erkenntniß gelangen: Wenn wir daher nur ihm allein, als Realadsolutes, die Allgegenwart und Allmacht zuschreiben und alles, was in den Sphären des Seins bemerkbar ist, und zwar durch seine Begrenztheit und Zeitlichkeit, als entstanden von dem Unbegrenzten betrachten und in Abhängigkeit von ihm setzen, da diese'in Raum und Zeit beschränkten Dinge doch von der umgebenden beharrlichen, nämlich der Unendlichkeit-und Zcitlosigkeit nur ihr Dasein zu verdanken haben kann: wenn wir Ln jenen bekränzten Sphären der Endlichkeit die ReaZitättn des Verstandes und der Vernunft beim Menschen Durch die Innerlichkeit seines Wesens ' wahrnehmen , so muffen wir zugcben, daß diese unmittelbaren Ausflüsse des sic umgebenden Allverstandes und der AUvernunft Eigenschaften des Absoluten sind, und daß jenes Beharrliche im All stets mit den vorerwähnten Realitäten unzertrennbar nur zu denken ist. Ihre Wahrnehmung im begrenzten Wesen im Menschen führt uns zur Erkenntniß, daß dieses relativ Reale , nämlich der Verstand und die Vernunft, seinen'Ausgang von dem absolut Realen genommen hat, und dies ist der Gott Israels \ Hierauf bezieht sich die Erklärung des Psalmisten Cap. 103, Vers 2.- Preise meine Seele den Ewigen und vergiß nicht alle seine Wohltharen. 3 — 5. Der verzeiht alle deine MisseLhaten, der heilt'alle deine Krankheiten der Seele und des Körpers, der aus dem Verderben erlöst dein Leben , der dich krönt ' mit L i e b e und Barmherzigkeit, der mir Glück dein Alter sättiget, sich erneuert, gleich dem Adler, deine Jugend. 6. Es übt Gerech tigkei t der Ewige und Gericht für alle Gedrückte. 7. Kund macht er seine Wege dem Moses, den Kindern, Israels seine Werke. 6. Barmherzig und gnädig ist der Ewige, langmüthig und reich an Huld. . ‘ \ ■ 9. Nicht auf immer hadert er, nicht auf ewig , tragt er nach Nicht nach unfern Sünden lhat er -uns, und nicht nach unfern Miffetharen vergalt er uns re. 17. Aber die Huld des Ewigen ist von Ewigkeit zu Ewigkeit denen so ihn fürchten und seine Gnade den Kindcökindern. Diese primitive Eigenschaft der Vernunft, der Liebe, verbindet zugleich die Eigenschaft des gesetzgebenden Verstandes, die speciell ausgesprochen, sind in den 13 sekundären Eigenschaften, die zu unserer eigenen Vollkommenheit im Gebete stets als Vorbilder zur Nachahmung angeführt sind. In diesen Sachen ist die Überschreitung der Grenzen, um weiter zu dringen, wegen dessen Ermöglichung erlaubt und sogar ver- 7) Wir bemerken auch, daß alle/Veränderunzen, welche mit den Dingen vergehen, lediglich ihre Formen treffen, während ihr eigentliches Wesen unverändert, bleibt, so daß ihre wirkliche Vernichtung nicht ftaltflridet,- weshalb wir mit Recht daraus schließen, daß es etwas Absolutes/ Beharrliches geben müsft, das unwandelbar und unveränderlich ist. Habakuk. 4 Die ausübende Gerechtigceit ist nur eine Eigenschaft, die erst durch besondere Umstände entsteht, wogegen die gesetzgebende Gewalt immer und ewig ist. Denn erst nach Entstehung des'Bösen entspringt die ausübende Gerechtigkeit aus dem Allverstande, wogegen die Liebe und. die gesetzgebende Gerechtigkeit primitive Eigenschaften des Allgeistes sind. Dies sind die wahren Einbildungen des Unendlichen im Endlichen , wodurch wir nicht allein mit dem Namen Gottes vertraut werden, sondern innere Wahrnehmungen und Anschauungen erlangen wir zu dessen Erkenntniß. Hier ist ein-Wissen und Begreifen möglich, wovon die Offenbarung der höheru Wahrheit im Gedanken entsteht. Dies ist das Wissen, von dem die heiligen Bücher in fast unzähligen Stellen sprechen.