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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 27 · p. Spalte 683-684

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 27
Date
1851-01-01
Page
Spalte 683-684 (sequence 11)
Language
German
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688 Lreuenfels, über den Zustand der jüdischen Literatur. 684 für die „Didaskalka" zu schreiben lohnender sei, als sich mit jüdischer Literatur zu beschäftigen. Wer für seine Wissenschaft begeistert ist, den schrecken äußere Hindernisse nicht. Und wo ist solcher Muih und solche Beharrlichkeit mehr einheimisch und althergebracht als gerade unter Juden?' Müssen wir uns etwa die Beispiele aus dem griechischen Alterthum holen? Man beliebe doch einmal die Klagen über mangelnden Lohn und fehlende Unterstützung in unser gutes Hebräisch zu übersetzenwie lauten sie dann? „die jüdischen Gelehrten arbeiten CHE> bupb dV "• 2st das etwa von gestern und vorgestern? Wir übersetzen noch Eins weiter: bringt dem jüdischen Gelehrten sein Streben weder Ruhm noch Gold — so ist es nmp müy tob . Also zum letztenmale: hinweg mit jenen Klagen, sie stehen uns schlecht an! „Wir sind nicht besser als unsre Väter", als die noch lebenden Väter. Konnten doch bisher so viele tüchtigste Männer selbst mit eigenen Geldopfern nur ihre Werke ans Licht treten lassen. Ab esse ad posse valet consequentia. Wenn die Wissenschaft des Iudenthums bisher unter allem Druck der Umstände bestehen konnte, so wird es weiter gehen und an dem Mangel an ä u ß e - rer Unterstützung wird sie auch fernerhin nicht untergehen. Wenn wir aber die eigentliche Wurzel ihres Wohlstandes richtig aufgefunden haben, wenn sie darin liegt, daß wir uns in einer Uebergangsperiode befinden, in einer Zeit von der man in Beziehung auf unsre Literatur sagen kann: 0^3 ^3 13 mbb pN ra ""OM — dann ergiebt sich daraus, daß wir die Leiden dieser Zeit standhaft durchtragen müssen, aber dann stehen ja auch wohl bessere Zeiten zu hoffen. Und wenn ferner das richtig ist, was wir behauptet haben, daß unsrd Wissenschaft noch in den Kinderschuhen stecke, so geht sie doch wohl einem kräftigen Mannesalter entgegen und wird dann auch volle Anerkennung und Geltung nach Außen finden. Aber erkämpft muß diese Anerkennung werden! Es liegen wns da wieder die Analogien anderer Fächer sehr nahe. Unsre Wissenschaft ist nicht die einzige, die lange Zeit hindurch gegen Zurücksetzung, Schimpf und Unglimpf hat ringen müssen. Die Herren Professoren, die über die Aufnahme und Gleichberechtigung einer neuen Disciplin zu entscheiden haben, sind allesammt einmal Studenten gewesen und erinnern sich aus der „schönen Zeit", daß was sich neu „aufthun" will, sich „heransbeißen" muß. Wie ist es nun der jetzt so mächtigen Naturkunde gegangen, als sie vor 100 Jahren sich als Wissenschaft aufthun wollte? Die Philologen, die damals Schule und Bildung beherrschten, ließen sie nicht gelten, die Beschäftigung damit, war ihnen Kinderei und Spielwerk; Thiere ausbalgen, Zahne und Klauen besehen, Staubfäden zählen, das sollte eine Wissenschaft sein, Linne's systenia naturae wollte sich neben eine kritische Ausgabe von Phädrus' Fabeln stellen! — Und als wieder 50 Jahre später Andere ansingen, den Staub von alten Minneliedern wegzukehrcn und gar zerfetzte Volksbücher und Schalksgeschichten, die man für die Kinderstube zu schlecht hielt, aufzusuchen, wie sah man da auf die Väter der altdeutschen Literaturgeschichte herab? Mit souveräner Geringschätzung. Und in der Gegenwart — wie kämpft die s. g. Phrenologie um Anerkennung als eine Wissenschaft! Ob sie sie erlangen wird? wir wissen es am wenigsten, aber das wissen wir', daß sie ihren Platz erhalten wird, wenn sie ihn verdient. Die Beispiele ließen sich leicht mehren; das Resultat aber ist: — unsere Überempfindlichen mögen es wohl beherzigen — es ist noch lange nicht Alles Judenhaß, was der Geltung und Würdigung unserer Wissenschaft entgegentritt, es haben andere Studien, die mit Juden gar nichts zu schaffen hatten, ganz ähnliche Kämpfe zu bestehen gehabt. Und nun zum Schlüsse unsre beste yin jnnN * Wen Kleinmut!) ergreifen will, der schaue dreißig Jahre zurück, denn so lange ist es ja ungefähr hin, seit das Wort „Wissenschaft des Iudenthums" zuerst ausgesprochen wurde. Was ist seitdem für sie geleistet, welch' eine schöne Reihe trefflicher, fördernder, anregender Werke ist seitdem geschaffen worden! Wir brauchen nichts zu spezifiziren und nicht zu vergleichen, der Leser weiß das. Wir wollen sagen: 3'DI ru3.1D flHÖ rQ&m; trotz allem, was man tadeln, anders und besser wünschen mag, haben wir doch Ursache auf das seit einem Menschenalter Geleistete stolz zu sein; es ist das Mögliche geschehen! Und daß, meinen wir, zum Zagen und Verzweifeln ist kein Grund vorhanden; laßt uns nur den Muth nicht sinken und die eigne Sache nicht selbst aufgeben; vielmehr rüstig vorwärts gestrebt, unbekümmert um augenblickliche Gunst oder Ungunst; Wer einen Stein zum Aufbau unserer Wissenschaft herbeitragen, wer zur Belehrung des jüdischen Volkes ein Scherflein geben kann, der säume damit nicht! , wenn nur im Streben nach Wahrheit, im Geiste unbefangener Forschung gearbeitet wird. Mag es dann auch mit dem 333 noch lange beim Alten bleiben, so werden wir doch wenigstens wieder ein min “UID haben, und der jüdische Gelehrte wie die jüdische Literatur werden nach Innen und Außen volle gebührende Achtung genießen. Wir sind am Ende. Was wir für diese Betrachtungen in Anspruch nehmen, ist die Anerkennung, daß sie in bester Absicht, ohne irgend eine Nebenrücksicht, im Streben nach der reinen Wahrheit, niedergeschrieben seien, und wenn unter dem, was wir für wahr halten, manches Unangenehme und Herbe ist, so erinnern wir an Spr. Sat. 27, 6. Was wir wünschen, ist, daß einzelne Stellen zum Nachdenken und weiterer Besprechung oder Berichtigung Anlaß geben, auch Diesen oder Jenen zu neuer oder erneuter Thätigkeit anregen oder ihm die Zukunft unsrer Literatur in einem freundlicheren Lichte zeigen mögen. Der Dünkel, die sachkundigen Leser dieser Blätter belehren zu wollen, lag uns fern, noch weniger glauben wir etwas von dem für und in unsrer Literatur Gewünschten selbst, leisten zu können und' bitten um Entschuldigung, wenn bei dem üblichen schriftstellerischen Plural mitunter der Schein nicht zu vermeiden war, als ob wir uns zu den „jüdischen Gelehrten" zählten. Kaum wird auch unter unfern Bemerkungen eine neue sein, viele derselben sind schon öffentlich ausgesprochen worden; aber in einem größeren, einigermaßen ge-

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