Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 27
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 679-680 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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MS 680 Treuenfels, über den Zustand der jüdischen Literatur. 'Erscheinen — auch das wird auf andern Gebieten ebenso gehalten. Dagegen haben wir mit den christlichen Gelehrten ein ganz gemeinsames Feld, auf dem alle unsre Arbeiten die volle Berücksichtigung Jener finden werden, sobald dieselben wirklich tüchtig sind. Es ist das Feld der bibl. Exegese und deren Hülfswissenschaften *. Es ist gewiß milde ausgedrückt, wenn wir dils Feld ein gemeinschaftliches nennen, es ist eigentlich das unsrige; es war es bis in das 16. Jahrh., die Arbeiten blieben dann bis zur Mendelssohn'schen Periode getrennt, aber der Fluch der zweiten nrDin &$* 42—43 ging hier in Erfüllung, die jüdischen Leistungen wurden immer werthloser/die christlichen nahmen an Bedeutung zu — von da ab sind wir' bann ganz zu Schülern worden und haben Ü^xb überlassen. Eine höchst ehrenvolle Ausnahme ureigener Arbeiten bilden die Heiden^ eim'schen, aber auch wohl die einzige. Was hier zu klagen und amzuktagen ist, das kann nicht schärfer ausgesprochen werden, als cs von dem Red. dieser Blätter in Nr. 1 d. I. (S. 8 ff.) geschehen ist. Wenn man ihn doch Lügen strafen könnte! Wir können aber leider nur einen Satz davon mildern: „wir haben seit einem halben Jahrhundert keine wissenschaftliche hebräische Grammatik, kein ordentliches Wörterbuch, keine Auslegung eines biblischen Buches erhalten, da die erschienenen sc tief stehen, daß sie außer dem Bereiche einer wissenschaftlichen Beurtheitung liegen." So Fürst. Da dürfen wir aber zuvörderst an dessen eigene grammatischen und lexicalischen Arbeiten erinnern, wir nehmen ferner Arnheims Hiob, Sachs' Psalmen, etwa auch Herzfel.d's Kohelet aus. Diese Werke haben die verdiente Beachtung bei christlichen Gelehrten gefunden; Herzfeld's Buch hatte jedoch das Mißgeschick gleichzeitig mit Knobel's Kohelet zu erscheinen und dennoch wird es auch noch von H i tz i g in seinem Kohelet beachtet; einzklue Ausnahmen können uns darin nicht irre machen, am wenigsten dann, wenn Ewald eine solche bildet; es ist bekannt, daß dieser ausgezeichnete Gelehrte höchst reizbar und zanksüchtig ist, auch nur seine eigenen Leistungen anerkennt; vernünftige Leute bedauern ihn wegen seines unglücklichen Temperaments. — Die Gesammtbearbeitungen der Bibel ron Herxheim er und P hklipp son machen zwar auf selbstständige wissenschastlicheBedeutung keinen Anspruch, aller Werth laßt sich denselben aber keines wegs absprechen; erste re ist auch bekanntlich von einem Consistorium offiziell der christl. Geistlichkeit empfohlen; was kann man in dieser Hinsicht mehr verlangen? Luzzatto's Arbeiten sind den meisten *) Wir hatten vor, hier die neueren exegetischen Arbeiten von Juden durchzugehen, worauf in dem früher Abgedruckten mehrfach verwiesen war und wollten uns namentlich über unser Verhaltniß zur biblischen Kritik eingehender ausfprcchen. Doch halten wir es jetzt nicht für zweckmäßig, diesen wichtigen noch nirgends ordentlich erörterten Gegenstand so beiläufig abzuhandeln, wir verspüren es auf eine andere Gelegenheit und begnügen uns hier, mit einigen abgerissenen Bemerkungen. christlichen Gelehrten unzugänglich, < seine Proleg. zur hebr. Grammatik auch dem Schreiber dieses), von Einigen aber doch gewürdigt worden. Ueber die einschlägigen Hülfs- und Nebenfächer haben wir auch einiges recht Werthvolle und wie'namentlich Zunz Beiträge zur bibl. Kritik hohe Anerkennung gefunden haben, ist schon oben erwähnt. Fürst's lexicalische Arbeit in der Concordanz ist in den exegetischen Schriften seit 1840 stark berücksichtigt worden. — Aber gewiß könnte hier wert mehr gethan und von Juden, die in so zu sagen praktischer Bibelkenntniß ausgewachsen und mit dem Geiste der hebr. Sprache so vertraut sind, wie es Christen bei allem Flciße höchst selten werden*, noch sehr Tüchtiges geleistet werden. Nur müßte freilich gerade hier die oben gerügte Scheu vor theologischen Fragen — vie gewiß nicht immer eine „heilige" ist — überwunden und in Hinsicht auf die biblische Kritik ein bestimmter Standpunkt ergriffen werden, sei es prosei es contra**. Wir wenden uns nunmehr zu den ausschließlicher für jüd. Gelehrte bestimmten Arbeiten und bemerken zuerst über die *) Solchen Fleiß kann man z. B. Thenins gewiß nicht' absprechen. Seine tollunhebräischen Correkturen in den BB.. Samuels hat Frankel gerügt. Neuerdings hat er die BB. d. Kön. herausgegen; er hat darin, laut Vorrede, seine Vorliebe für die J.XX etwas aufgegeben und die Conjekturen sind nicht so häufig wie in jenem. Doch geben wir zwei Proben: 1 Kön. i, 40 atnp^ '-wn ypnP)] ifür yjon - die ND1U ist für Dresden zu stark). Was heißt das? „die Erde wurde geschlagen von ihrer Stimme". Wieso, ihr Juden?' Nun : ypn Grundbedeutung „schlagen " nach Gesenius. Und diese Emendation findet ein christl. Rezensent „vollkommen gelungen". — 1 Kön. 22, 10 für — □vrp2 „in bunten Kleidern denn „seit wann sitzen Könige in einer Tenne?". — Was nach Gesenius für die cnrminu 8nn»ni-itnnn von einem Juden gethan werden könne, hat neuerdings Kirchheim gezeigt, und dabei war es für einen Talmudiften obendrein eine Kleinigkeit G?s Schnitzer zu finden. Warum hat nur unser Freund dieses Werk hebräisch geschrieben und so den Christen eine Gelegenheit entzogen ißl“! p8 'R pn HD DlNll)? Was er in der Vorrede darübnr sagt, ist — er nehme' es nicht übel — Kudge. ‘ Andere Rücksichten, die er gegen uns geltend gemacht, erkennen wir eher an, sie wiegen uns aber jene nicht auf. **) Wir erinnern uns in mehreren christlichen Rezensionen über exegetische Arbeiten von Juden gerade diesen Mangel eines jeden erkennbaren kritischen Standpu^' .s stack gerügt gesehen zu haben. Daran hat gewiß auch F'ürst gedacht, als er den angeführten Satz niederschrieb. Die sonst so scharfsinnigen — zuletzt freilich überfcharssinnigen — Abhandlungen von Ree über Psalmüberschristen u. cr. sind durch jenen Mangel nicht zu gebrauchen. Die Italiener sind hier entschiedener, namentlich der sonst so conservative Luzzatto. Wir erinnern an seine Zugabe Zu dem ebenerwähnten Buche von Kirchheim. Eben Luzzatto ist es auch (wenn wir nicht irren), der den beachtenswerthen Satz ausgesprochen: „es kommt nicht darauf an, ob Jesaias 40—66 von Jeschaja bcn Amoz geschrieben ist, sondern darauf ob die Worte das. 42, 9; 45- 21 u. ähnliche Stellen von dem Geiste der Wahrheit oder dem des Betrugs eingegeben sind." (Wir führen die Stelle nur nach dem Gedächtniß an.)