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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 27 · p. Spalte 677-678

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 27
Date
1851-01-01
Page
Spalte 677-678 (sequence 5)
Language
German
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677 oder Formstecher greifen?! Aber sogar für die Kenntniß der nothwendigen wÜN, insofern sie nicht jeder Jude seinen Ettern absieht, ist nicht gesorgt. Die Zahl der Lehrer, die ohne Anstoß und Miß verstand niß den gebrauchen kann, wird immer geringer; wie nahe läge es nun diesen yyj (pta , Einiges aus dem i1fi und ein paar Eap. aus dem yrf'N) mit Weglassung des Entbehrlichen, Seltenen, Controversen rc. in leichtem Hebräisch und mit Hinzufügung einiger Einleitungen und Uebcrsichten, welche letztere auch deutsch sein könnten, so umzuschmclzen, daß das neue Buch etwa ein Drittel vom Umfange des n'^N hätte. Salto errore et omissione wären das die am meisten fühlbaren Lücken. — Wie die Sachen jetzt stehen, sind die Lehrer, in deren Händen die Zukunft Israels ruht, für die unsre Vorfahren, gesegneten Andenkens, so manch goldnes Wort gesprochen und so Vieles gcthan und gestiftet haben — rpfin p:nD öu sein, war ihnen ja das Höchste — auf Autodidaktik angewiesen und wo sie etwa auch ein Seminar besucht, haben sie nichts sich sortzubilden. Die nahen und entfernten Folgen kann man mit Händen greifen. Helfe also hier, wer irgend helfen kann! Oder besser: mögen fi-ch etliche sachkundige Männer vereinigen, um nach einem genreinfamen Plane die nothwendigsten Bücher ab zu fassen. Nur muß dies speziell für den Lehrerstand geschehen und nicht ohne genaue Bekanntschaft mit diesem Staude, und die Bücher selbst möglich wohlfeil. Wer da aber glaubt, es sei keine Kunst solche zu verfassen und es sei nicht zunftmäßig, der — bleibt freilich am besten davon, der versteht von der Sache nichts. Neben diesen hochwünschenswerthen, mehr oder weniger umfangreichen selbstständigen Büchern 'wird auch die längsterpcobte Form der populären Zeitschrift beizubehalten, auszufrischen, sein. Wir sagen längsterprobt und denken allerdings an unsre Journale. Zwar hat ein bezügliches Redaktlonswort ein grausames Dementi erfahren. Es begann den Jahrgang 1848 mit den Worten „die jüdische Journalistik ist erstarkt" — gleich darauf starb sie größtemheils hin, am marasmus semilis oder am Zahnen— gleichviel. Dennoch harte sich die Form einst wohl bewährt; wir hatten, wie schon einmal erwähnt, einst ein Zeitschriften auf einmal und sie konnten sämmtlich wenigstens versuchen zu eftstircn. Nun dann muß jetzt wenigstens eine neue auskommen und sich halten können. Das vormärzliche Genre ist, wie wir oben auSgeführt haben, antignirt*; es käme also eben daraus an die Sache auf eine neue Art und richtig anzugreifen **. Vor Allem aber ein *) Die gegenwärtige Haltung der A. Z. d. I. ist uns-nicht bekannt, da wir das Blatt lange nicht gesehen haben. ") Wir waren gesonnen, an dieser Stelle unsre Ansichten über ein neu zu begründendes populär-jüdisches Blatt auszusprechen, wenn auch durchaus nicht mit der Prätension als Redakteur an dessen Spitze zu treten. Jedenfalls wäre aber vorherige Eorrefpondenz mit Befreundeten nöthig gewesen; da Hindernisse emgctreten, so bleibe es bei diesem Winke. Vielleicht m bestimmtes: Entweder — ober; entweder gelehrte Zeitschrift oder populäre, kein Mischmasch; also, da wir jetzt von einem 'populären Blatte reden, kein Text mit gelehrten Noten. Und wenn die Verfasser letztere nicht unterdrücken und nicht an sich halten können, so muß der Redakteur Einsicht haben und unerbittlich sein. Ohne je redigirt zu haben, wissen wir, daß das eine schwere Forderung ist; ein Angriff z. B. führt zu einer Replik, der Redakteur mag das Wort nicht abschneiden und die Gelehrsamkeit schlüpft zur geöffneten Hinterthür herein. Aber wir glauben auf jener Forderung absolut bestehen zu müssen. Es fehlt ja wahriich wieder nicht an Vorbildern, an Zeitschriften aller Art für ein gemischtes Publikum. Ueberall wird jede Controvecse, die in Doctrin und Langweil ausarter, an andere Orte verwiesen. „Lesbar" das ist hier das erste Erfordernis;! Wir gehen jetzt zu unfern Wünschen und Dcsiderien für unsere streng wissenschaftliche Literatur über, wobei wir, da es sich meist nur um ein Rcsume handelt r uns kürzer fassen können. Was hier zuerst die Werke anbetrifft, für die aus eine Thellnahme christlicher Gelehrten gerechnet werden kann und soll, so haben wir schon oben ausgesprochen, daß es offenbar unsre Pflicht ist, jenen Gelehrten zunächst über die, Juden und Judenthum betreffenden, Gegenstände Ausschlnß zu geben, über die sie von uns die beste Belehrung zu erwarten berechtigt sind, deren llnkunde ihnen so oft zum Vorwurf gemacht wird, über die sie gleichwohl immer noch auf die Schartecken des 17, u. 18. Jh. angewiesen sind. Wir brauchen diese Gegenstände nicht namhaft zu machen, es ist auch früher schon Manches angeführt. Dabei wird -es nun keineswegs nöthig sein, die betreffenden Bücher speziell und ausschließlich für christliche Gelehrte zu schreiben, aber die Rücksicht auf sie müßte genommen werden, daß derlei Werke nicht zuviel Material aus den Vorstudien mit sich führten, nicht zuviel Dctail-Unrersuchungen enthalten, die Jenen fern liegen und die llebersichtlichkeit des Ganzen beeinträchtigen. Die ausführliche Besprechung solcher Einzelheiten wird gewiß crm zweckmäßigsten aus solchen Werken weg in unsre wissenschaftlichen Zeitschriften verwiesen, die zu deren Erörterung ganz geeignet nimmt ein Besserer die Sache aus. Bis die Vorbereitungen zu Ende sind, wird die rechte Zeit wieder da sein! Einen glücklichen Griff hat auch ohne Zweifel Stein mit seinem „Volkslehrer" gethan, denn das Blatt findet ziemlich starken Absatz und das ist ja hier die beste Probe. Da das Bcdürfniß, den Gottesdienst durch Predigt u. drgl. belebt zu setzen, nachgerade auch in den kleinsten Gemeinden empfunden wird, so ist es natürlich, daß die Religionslehrer nach jedem dargereichten Hülfsmittel greifen. Die Form der Monatsschrift ist zweckmäßiger, als Predigtbände und Sammlungen. Das Blatt geht nun über das bloß erbauliche Genre hinaus, daß es aber die von uns gewünschte Zeitschrift weder ist noch sein will, versteht sich von selbst. . . 43* Treuen fels, über den Zustand der jüdischen Literatur.

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