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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 26 · p. Spalte 667-668

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 26
Date
1851-01-01
Page
Spalte 667-668 (sequence 59)
Language
German
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667 Lreuenfels, über den Zustand der jüdischen Literatur, 668 Wir haben jene Klagen in dem Früheren erörtert, aber auch die inneren Schäden der heutigen jüdischen Literatur nach unserer geringen Einsicht aufzudecken versucht. Wir fürchten indessen nicht, daß man uns entgegne: „Tadeln ist leichter als Besiermachen ", denn wir glauben auch nicht entfernt den. Dünkel des Bessermachenkönnens zur Schau getragen zu haben; eher fürchten wir den Vorwurf, daß wir einseitig das jüdische und christliche Publikum auf Kosten unserer Gelehrten und Schriftsteller reinzuwaschen gesucht. Aber wir erinnern an das Motto, welches wir dem ersten Theile dieser Bemerkungen vorgesetzt haben, Spr. Sal. 28, 13. Wir stellen ja deinen Augenblick in Abrede, haben zugegeben und wicderholen's hier: daß die Juden von heute gegen ihre Vergangenheit und ihre literarische Gegenwart unendlich lau geworden seien; daß die Reichen unter uns, die doch so viel thun könnten, unverantwortlich wenig thun; daß die Wissenschaft des Judentums vom Staate ganz und gar ignorirt werde, nirgends officielle Pflege und Vertretung, nirgends eine sichere Zufluchtsstätte habe; sowie daß einem großen Theile der Professoren der Zopf des Judenhasses und der Verachtung alles Jüdischen noch immer — dicker oder dünner, offen oder unter dem SchLafrock — hinten hänge und für sein Wachsthum sicherlich jetzt wieder recht fruchtbare und gedeihliche Witterung habe. Aber an allen diesen Dingen, an allen diesen trüben äußeren Ver- Alte Mumienausgestopste Pharaonen von Egypten, Merovinger Schattenkön'ge, Ungepuderte Perücken, Auch die Zopfmonarchen Chinas, Porzelanpagoden - Kaiser, Alle lernen sie auswendig, Kluge Mädchen, aber Himmel — Fragt man sie nach großen Namen Aus dem großen Goldzeitalter Der arabisch-althispanisch Jüdischen Poetenschule, Fragt man nach dem Dreigestirn, Nach Jehuda ben Ha-Levi, Nach dem Salomo Gebirol, Nach dem Moses Jbn Esra, Fragt man nach dergleichen Namen, Dann mit großen Augen schauen Uns die Kleinen an — alsdann Stehn am Berge die Ochsinnen. In den folgenden Strophen spricht dann freilich wieder wie gewöhnlich der Mephisto-Heine, die Sache wird ourrirt, man weiß nicht, was Ernst und was Spott ist. Immer aber ist es einigermaßen bemerkenswerth, daß H. auf seinem Schmerzenslager, neben soviel andern Dingen auch Zeit gesunden haben muß, sich in der neuen (deutschen) jüdischen Literatur umzusehen. Das Buch von Sachs, aus dem auch die llebersetzung der Charisischen Stelle über Ieh. Halevi in einer Note mitgetheilt ist (aber ohne S. zu nennen) scheint er gelesen pder doch durchblä'ttert zu haben. haltnissen, unter welchen das jüdische Schriftthurn ein kränkelndes Dasein hinschleppt, können wir nichts andern; darüber immer neu zu klagen fährt also zu gar nichts; ja diese Anklagen, zumal wenn sie in gereizter und beleidigender Form auftreten, können nur erbittern, falls sie überhaupt gelesen und gehört werden. Was aber die eigene Schuld der jüdischen Literatur sein möchte, darüber zu denken und auch einmal zu reden —, und gerade in diesem Blatte, unsrer eigentlichen Zufluchtsstätte— verlohnt sich wohl der Mühe, damit es geändert und gebessert würde. Soviel über das Vorausgegangene. Diesem weiteren Abschnitte unserer.Diatrlbe haben wir nun ein anderes Motto vorgesetzt. Won den ist geredet, es wird zunächst schon ein „Trost" fein, wenn wir jetzt von dem pnn sprechen, d. h. von dem was nicht als eigene Schuld unserer Literatur betrachtet werden kann; obgleich sich zunächst zeigen wird, daß dieser p-,fi, dieses in den gegebenen Zeitoerhältnissen liegende Unheil wirklich sehr groß ist. Wir kommen dabei nicht etwa auf die eben wiederholten Litaneien zurück, sondern wollen'dem inneren Grunde derselben nachspüren. ' Wir haben gesagt: die heutige jüdische Literatur sei für das größere jüdische Publikum zu gelehrt, abstract und unverständlich, für die christlichen Gelehrten aber laborire sie an Unsertigkeit, Mangel an vollständig Ausgeführtem bei einem großen Reichthum an Studien und Skizzen, und daher erscheine es als ihre" eigene Schuld, wenn sie bei beiden genannten Theilen so wenig An- und Abnehmer finde» Ihre Schuld? — Nein, das wäre zu hart geurtheitt. Daß wir noch keine populären und noch keine umfassenden und abgerundeten Werke haben, das ist wieder die Schuld — oder um das Wort ganz aus dem Spiele zu taffen — es ist die natürliche Folge dev Uebergangsepoche in der das Judenthum sich befindet; es kommt ganz einfach daher, weil die neuere jüdische Wiffenschaft noch in dem ersten Entwickelungsstadium begriffen ist. — Man wird der Gewohnheit des Predigens ein Gleichniß zu gute halten. — Wie das Metall zuerst durch mühseliges unterirdisches Wühlen und Schaffen ans Licht gefördert, gepocht, gereinigt *) „Der jüdischen Literatur"; wir legen auf das Abstraetum eine bestimmte Betonung. ' Die von uns verehrten Männer, denen wir das bis jetzt Vorhandene verdanken, haben wir mit dem Gerügten nicht tadeln wollen. Sie haben wahrlich unter ungünstigsten äußeren Verhältnissen genug geleistet; es wäre in der That Unsinn zu fordern, daß sie große Werke sollten drucken lassen, da sich zu den kleinen nur mit Mühe eia Verleger findet; abgesehen von den Betrachtungen, durch welche wir im gleich Folgenden auch dem Abstrakten der^Literatur die Schuld abnehmen werden. — Dies zur Verständigung mit lbeils befreundeten, theils sehr geehrten Männern, die mündlich und brieflich eine Erörterung, gemjßbilligt haben, die wir um so mehr für harmlos hielten, als wir (mit zwei Ausnahmen) nirgends Personen getadelt oder über ihre Leistungen wegwerfend geurtheilt hatten.

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