Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 26
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 665-666 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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665 Treuen fels, über den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur. 666 Zukünftigen, wie in der angeführten Schilderung, scheint nur durch eine in der Gegenwart mit lebendiger Gewalt wirkende Begebenheit hervorgebracht werden zu können. Uebrigens ist Ton und Ausdruck so frei von jedem feindseligen Zuge, so rein und hingebend blos der Triumph der religiösen Wahrheit geschildert, daß darin die Erklärung für das unangetastete Fortbestehen . dieses Stückes trotz Inquisition und Censur liegt. Der im Prophetenthume waltende Geist hat hier einen edlen und würdigen Nachklang geweckt, und die so viel von dem Partikularismus der jüdischen Weltanschauung und der Verknöcherung des Judenthums zu erzählen wissen, mögen aus den Jahrhunderten nach dem Untergange Westrom's, aus welchem immer in dem f. g. Mittelalter, Stimmen von reinerem und edlerem Klange vernehmen lassen, oder Beispiele eines weiter und freier in die Weltgeschichte schauenden Blickes aufweism." Der fünfte Abschnitt geht näher auf die Sprache ein, indem Hr. S. nachzuweisen sucht, wie das Spätgriechische und Lateinische auf das Neuhebrä'ische der Talmud-Literarur eingewirkt, oder wie umgekehrt der Semitismus in jene Sprachen eingedrungen u. s. w. Allein hier ließ sich der Vers, von der Vorliebe für das Griechenthum zur Mißkennung des Semitismus verleiten, und er sieht nur zu häufig auch da einen fremden Einfluß, wo auch im Entferntesten daran nicht gedacht werden kann. So z. B. ist gleich das erste Beispiel für Abend, was..so nderbar aus griechischem Einflüsse erklärt wird, während er aus meinem WB. 1. Heft (s. v* ••) -sin) das Nichtige erfahren hätte; dasselbe ist auch bei den meisten andern Beispielen der Fall, da der Vers. Belehrungen aus Büchern ihm nicht befreundeter Personen, wie seine übrigen jüdischen Genossen bei Christen ist diese Unsitte nicht—) verschmäht, und umgekehrt die befreundeter ohne alle kritische Prüfung hinnimmt und belobt. Was der Vers, sonst noch über Beschaffenheit der Texte im Midrasch, über Interpolationen, lingna Grammatica, Emendatt'onm u. s. w. was er über Erläuterung syr. Wörter beibringt, ist für Semitologen sehr beachten, obgleich auch hier sehr oft das Semitische verkannt wurde. Zum Schluffe kann ich es hier nicht unterlassen, eine Unsitte zu rügen, die leider auch bei andern großen jüdischen Gelehrten stark eingerissen: es ist dies die falsche und ungenaue Schreibung gewisser Termen und Namen, und da unser Vers, sich als Philologe und genauer Beachter des Worts zeigen will, so verdient er sie mehr als jeder andere. So z. B. schreibt er immer „Boraita". Hat sich Hr^ S. nie gefragt, wie lautet das Wort im Original? warum soll es nicht „Barajta" (frsTP^p part. f.) geschrieben sein? Hr. Zunz hat in früher Zeit es einmal so geschrieben, muß es Hr. S. aber so nachschreiben? Und so ist es mit hundert Dingen der Fall. Wenn er die correcte Schreibung solcher Wörter wie ich oder andere unliebsamen Personen es längst eingefübrt verschmähet, so sollte er doch wenigstens dieselben genauer und wissenschaftlicher ansehen! Neben diesem der wahren Wissenschaft unwerthen Dilettantismus verdient noch eine vorzüglich modern-jüdische Unart hier gerügt zu werden. Hr. S, eitirt keine Schrift einer ihm unliebsamen Person, selbst wenn sie ihm?ur Quelle seiner Forschungen gedient. Um von S. citirt zu werden muß man entweder zur engsten Clique gehören, oder ein Glogauer oder endlich ein todter christlicher Gelehrter sein; wer auf diese drei Ordensgrade keinen Anspruch machen kann, der darf wobl benutzt und ausgebeutet werden, aber sich ja nicht schmeicheln, namentlich 'erwähnt zu werden. Diese moderne Praxis, ich sage es offen und frei, ist nicht von Hrn. S. erfunden; sie ist das Eigenthum der fromm sich dünkenden, kaum zur Hälfte entrvilderten jüdischen Gelehrten, und die Träger dieser Praxis wollen noch klagen über Zurücksetzung von Seiten der Christen! Ueber den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur in Deutschland. Von A. Treuenfels. III.* . NnonJ »wo) tfmn imn Seit dem Abdruck der ersten Stücke vorliegender Betrachtungen ist eine geraume Zeit verflossen. Geändert hat sich seitdem in den jüdischen Literaturverhältnissen fast nichts; es ist eine Zeitschrift von den Todten erstanden, von der wir hoffen wollen, daß sie kein bloßer Revenant sei, dagegen waren. diese Blätter bedenklich erkrankt, und wenn sie auch die Crisis glücklich überstanden haben, so ist doch die Genesung keine vollkommene; sie sind in etwas eine nEHfl rp*“D geworden, aber ihr früher regelmäßiger, wöchentlicher Pulsschlag ist noch sehr mtermittirend. Wir müssen also sagen: „der Sommer ist vorüber und die Erndte vergangen und uns ist nicht geholfenr/. Doch haben inzwischen diejenigen, welche über die Vernachlässigung der jüd. Literatur klagen, einen seltsamen Bundesgenossen erhalten und werden selber staunen, wie ein solcher Saul unter die Propheten kommt; es ist H. Heine in seinem eben erschienen Rom anzero". *) Geschrieben Ende November 1851. ••) Da das bereits in Deutschland verbotene Buch wobl nicht in aller Leser Händen sein wird, so mag der betreffende Passus (S. 247) hier eine Stelle finden: Liebstes Kind gab ich zur Antwort, Solche holde Ignoranz, Sie bekundet die Lakunen Der französlschen Erziehung, Der Pariser Pensionate, Wo die Mädchen, diese künftigen Mütter eines freien Volkes, Ihren Unterricht genießen.