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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 26 · p. Spalte 663-664

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 26
Date
1851-01-01
Page
Spalte 663-664 (sequence 55)
Language
German
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663 Kurze Anzeigen. Sachs' Beitrage. 664 die fremdländische Anschauung ab. Diese, Parthle, da sie in vielfacher Beziehung neu, ist mit bewußter Kenntniß des klassischen Alterthums ausgearbeitet und daher am besten , wiewohl an Einzelheiten Vieles auszusetzen ist. Daran schließt sich Darstellung des Einflusses des Midrasch auf die Kirchenliteratur, was aber sehr unbedeutend ist, wie überhaupt was hier von der Salomo- und Alexander-Sage, Targum Schenk u.s. w. gesagt ist, entweder schon längst bekannt ist oder überhaupt gar nicht vom richtigen Gesichtspunkte aus gefaßt scheint. Eine sehr schöne Einlage bildet die Skizze: „Die muthmaßliche Entstehung eines religiösen Gedichts. Bildersturm", und La diese für die Leser dieses LB. von Interesse sein dürfte, so erlaube ich mir sie herzusetzen! „Die vielfachen Nachweise von der Einwirkung gerade des byzantinischen Wesens auf die jüdischem Verhältnisse dürften zur Erläuterung und Feststellung der Abfassungszeit eines poetischen Stückes, das im jüdischen Gebelrituale für Neujahr und Versöhnungstag sich eingebürgert, nicht unfruchtbar sich erweisen. Das mit den Worten. anhebende Stück zeigt in seiner alphabetischen reimlosen Anlage, in den meist gleichen Ausgängen ausSuffixa, in der einfachen kernigen Kraft ungesuchten Ausdruckes, der die Poesie eines ernsten, tief begeisterten Glaubens, aber ohne Zierlichkeit und Glanz an sich trägt, auf eine.frühere Epoche der jüdischen Literatur Zurück. Weder die schwere eherne Kette der deutschen und französischen Richtung in der Synagogai-Poesie hemmen den Gang des Dichters, noch sind die gewählten säubern Formen der spanischen Schule sein Schmuck. Er gibt eben nur, was ihn tief bewegt, um Formenanmuth und Kunst unbekümmert. Der Hoheit des Gedankens überlaßt er zu wirken und zu ergreifen. Nur die Zeiten der Gaonen scheinen. den poetischen Erguß in dieser Gestalt möglich gemacht zu habend Daß ein Ereigniß, wie der Bi l der ft urm in Constantinopel, den jüdischen Sinn sollte unberührt gelassen haben, ist nicht anzunehmen. Ein Zug der Erfüllung jener von der prophetischen Begeisterung so erhaben geschilderten Zeiten, da der Mensch seiner Hände Werke ans Gold und Silber wegwirft, sie zertrümmert vor der Macht des einigen, in seiner Herrlichkeit erkannten ewigen Gottes, mußte in jenem Kampfe der Ikonokasten dem regen Interesse der jüdischen Anschauung sich offenbaren. Wie tief auch die zuversichtliche Hoffnung auf eine Zeit der allgemeinen Erkenritniß Gottes wurzelte, da Alles ihm mit einer Schalter dienen werde, so tritt diese hier so eigenthümlich gewendet und so individuell gefärbt auf, namentlich an die Zertrümmerung und Verwerfung der Bilder und Götzen geknüpft, daß ohne die Einwirkung eines bestimmten historischen Faktums kaum diese Fassung möglich erscheint. So wenig auf die bei einigen Byzantinern.** sich findende *) Vgl. mein Buch: Die religiöse Poesie der Juden in Spanien, S. .174 ff. ") Manass. compend. chron. v. 4207. ßphraemius v. 1665. sqq. Notiz irgend ein Werth zu legen ist, daß der Jsaurier Leo durch jüdische Veranlassung seinen Kampf gegen die Bilder begonnen, wie denn auch Neander* die Sage als unbegründet verwirft, so mag doch vielleicht das Interesse, welches diese an jenem Ereignisse genommen, zurückgetragen, und ihnen als Urhebern zugeschrieben worden sein, was sie zur Zeit lebhaft bewegte. Wem ,es bedenklich scheinen könnte, daß in Byzanz eine Stimme der so schwer Unterdrückten sich sollte laut zu erheben gewagt haben, der sei an die Eroberung Creta's*" durch die Araber, unter der Regierung des Michael Psellus, gerade in der Zeit, da jene Fehde zwischen Fürst und Volk auf's Neue heftig brannte, erinnert. Wie mußte jener Kampf gegen die Bilder und dieser Sieg des bildseindlichm Islam als zusammentreffend und bedeutsam erscheinen. Die Andrücke: „und sie melden in Eilanden Dein Heil" — würden dann nicht blos als allgemeine und der Bibel entlehnte, sondern mit speciellstem Bezüge auf das eben Erlebte zu verstehen sein. Um dem Leser die Möglichkeit eines Urtheils über die — nur mit aller Schüchternheit — geäußerte Vermuthung zu verschaffen, geben wir das Stück in treuer Uebersetzung: Und Alle nahen Dir zu dienen, und preisen Deinen herrlichen Namen! Und sie verkünden in Eilanden Dein Heil, Völker suchen Dich auf, die nie Dich gekannt, Und alle Enden der Erde preisen Dich und sprechen: Stets groß ist der Herr! Und sie opfern Dir ihre Opfer, und verschmähen ihre Götzm- und erröthen sammt ihren Bildern. Sie neigen die Schulter Dir zu dienen, und fürchten Dich, so weit die Sonne reicht, Dein Antlitz suchend» Und sie erkennen die Macht Deiner Herrschaft, und Irrende lernen Einsicht. Deine Stärke verkünden sie, und erheben Dich, der erhaben über Alles als Haupt« In glühender Inbrunst flehen sie zu Dir, und krönen Dich mit dem Prachtdiademe. Und Berge brechen in Jauchzen aus, und Eilande jubeln wenn Du regierst, Sie nehmen auf sich das Joch Deiner Herrschaft, und erheben Dich in Volkesschaaren, Es hören's die Fernen und kommen herbei, und reichen Dir die Königskrone. Wo Ähnliches sonst erscheint, da tritt es, durch irgend eine Bezeichnung als Hoffnung, welche erst dereinst erfüllt werden soll, eingeführt auf; so in dem schönen Alenu- Gebete durch die Worte p ^, oder, wie in den Propheten durch vsnnn D1'3 . Ein so sicheres frisches Ergreifen des *) Kicchengeschichte 111, S. 283. **) Schlosser Weltgeschichte in zusammenhängender Erzählung, Bd. U, S. 5! 3.

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