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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 26 · p. Spalte 661-662

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 26
Date
1851-01-01
Page
Spalte 661-662 (sequence 53)
Language
German
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661 662 Kurze Anzeigen. gerade diese philologische und vergleichende Seite nicht angehauet wurde. Es ist hiev nicht der Ort, auf Einzelheiten dieses ersten Heftes genau einzugehen, und zwar um so weniger, als der Leserkreis dieser Blätter an philologischen Specialitäten wohl schwerlich Gefallen finden möchte;, wohl aber würde eine skizzirte Angabe des Inhalts, da der Hr. Verfasser eine strenge logische Eintheilung und Rubcicirung seines Stoffes verschmäht hatte, unsern Lesern willkommen sein, um wenigstens daraus im Voraus zu bemessen, was man wohl vorzüglich in diesem Werke zu suchen har, und ich glaube am besten dadurch den Ankauf desselben recht dringlich zu empfehlen. Nach einer allgemeinen Betrachtung über den Werth des jüdischen Schriftenthums für Sprach- und Atterthumsforschung, über eine Menge Einzelheiten, die sich in jenen für das Verständniß. in Cultur und Leben, Sitten und Gebräuchen finden, soll der Plan des Buches nur sein, Einzelheiten aus diesem Stoffe mitzutheilen, um so zu weiteren Forschungen anzuregen. Das Sprachliche ist aber hier schon darum-' zur Hauptsache gemacht, weil bis jetzt gerade dieses sehr vernachlässigt wurde. Der wissenschaftliche Gewinn aus solchen Forschungen ist ein doppelter, einmal wird das talmudische — man kann mit diesem allgemeinen Aus drucke das gesummte Sprachgut der lalmudischen Exegese, wie es in Targum, Midrasch, Talmud xu s. w. niedergelegt ist, der Kürze wegen so benennen — Sprachgut durch diese Zuziehung der spätesten Gräertät und Latinität in seinem innersten Wesen besser erklärt und verstanden werden, dann bietet er umgekehrt für das Erkennen der sinkenden Sprachen eine lehrreiche beachtenswerte Quelle, von der unsere besten Philologen kaum eine Ahnung haben. Sehr klar werden die Nachtheile nach beiden Seiten hin im Allgemeinen geschildert, die aus Vernachlässigung dieser Forschung entstanden, und dieser Betrachtung reiht Hr. S. eine Skizze von seinen Vorgängern an (Bnxtorf, Levita, Musaffa, Lonsa.no, di Lara, Bondi, Landau) und störend ist nur, daß er Natan ben Iechiel, den Verfasser des Aruch, „den großen Gründer einer Lexieographle" nennt, was jeder Unbefangene ebenso als unwahr bezeichnen muß, wie er die inhaltsvollen Aufschlüsse in Rap.'s Erech Millim unbeschadet ihrer antiquarischen Bedeutung für das philologische Verständniß nicht ergiebig finden wird. — Die Abhandlung selbst (S. 4) beginnt mit der Motivirung, warum das griechische in das talmudische Sprachgut eingedrungen und Personennamen, Institutionen, Handelsgegenstände, naturhistorische Bezeichnungen, Urkunden u. s. w. sich änderten, so daß selbst die nationalsten Benennungen dem herrschenden Zuge der Kultur folgen mußten. Zuerst wird die Meinung urgirt, daß zwar zunächst die Namen der Dinge d. h. die zur Klasse der Nennwörter gikhörigen, eingedrungen sind, wie man gewöhnlich angenommen, doch fehlt es auch nicht an ausgenommenen Zeitwörtern, wozu der Verf. T]p, rjHpp (die nur als Piel-Formm existirten) als Beispiele anführl; allein bei genauer Vergleichung weisen sich diese als semitisch ans, die andern, wie OpD, OZDtp , (Dppl^) , Sachs' Beiträge. f ]p® gibt er selbst als Denominative an, so daß man wohl den alten Satz, daß nur fremdländische Nomina in die Sprache gedrungen, stehen bleiben muß. Die Betrachtung über die Sprachmengerei (S, 7), daß in späteren Midraschim diese immer weiter um sich griff, ist richtig, obgleich acht aramäisch, bei »UW2. ßfjpu hatte bemerkt werden sollen, daß das griechische Wort im Griechischen selbst aus dem Semitismus ausgenommen wurde und die Ableitung von aus ßctXXscovts ist sehr problematisch und eine näherliegend historische nnd semitische stand bereits vor Jahren im Orient. Sehr schön ist durch Beispiele erläutert, wie durch Beachtung des Sprachgebrauches die Kritik für Bestimmung der Zeit und des Ortes der Abfassung gewisser Bücher eine Handhabe findet, was eigentlich aus dem Vorhergehenden bei gründlicher Erforschung sich von selbst ergiebt. In dem folgenden zweiten Abschnitte werden Beispiele vorgeführt und gedeutet, wo Hebräisches aus dem Griechischen und Lateinischen erklärt und abgeleitet wird und zwar durch das Anklingen an diese Sprachen, wie es bereits von Dukes, Geiger u. A. nachgewiesen und hier nur weiter ausgeführt ist. Allein Hr. S. scheint im Unrecht zu sein, wenn er glaubt, daß die Talmudisten wirklich Hebräisches aus dem Griechischen gedeutet haben, wie etwa wir die eine Sprache aus der andern erklären, vielmehr war dieses Ausbeuten des Anklingens griechischer und lateinischer Wörter nur Vehikel zu ethisch-homiletischen Hagada's, wie überhaupt vielerlei zu Hagadazwecken benutzt wurde. Aus rpJP pia6 , wie zuweilen Wörter bei Deutungen genannt sind, läßt sich blos der kulturgeschichtliche Schluß ziehen, daß griechische Sitte und Sprache, wenn auch oft erst durch Aramäisches vermittelt, geläufig und verbreitet gewesen sein mußte. Daß p'MN von deinem Brusder, Lamm, )H siehe, DSN er h.'at verlassen, ’ifrs nicht rein, Eingang u. s. w. den Midrafchisten und Agadisten in ihrer wahren Bedeutung bekannt waren, kann man wohl schwerlich bezweifeln, und es bleibt nichts übrig, als für Verwendung des Griechischen für dieselben einen andern Erklärungegrund zu suchen. Das sodann über die Umdeutung hebr. Worte durch veränderte Lokalisation (npn btt) ist zwar von Hirschfeld bereits ausführlich besprochen worden, hier ist aber dies dahin weitergeführt, daß die Ausdehnung auf andere Sprachen hier klar und gründlich nachgewiesen ist. In dem dritten Abschnitt wird über die Deutung der Eigennamen, über ihre Verwendung für die Agada u. s. w> abgehandelt, was ich ausführlich in einer Abhandlung in der Probenummer des neuen Zijjorr von Prof. Goldenthal behandelt und woraus auch die hier gegebener! Beispiele genommen sind. — Lehrreich ist der vierte- Abschnitt über die Berührungen der jüdischen Vorstellungen und Ueberlieferungen mit griechischen Eigentümlichkeiten der Völker, Gegensatz heidnischer und jüdischer Anschauung u. s. w. namentlich in Bezug auf einzelne Gruppen und Gebiete, als Naturhistorisches und Medicimsches, Kunst und Kunstwerke, Sagenhaftes u. s. w« spiegelt sich in der erwähnten jüdischen Literatur allenthalben 42*

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