Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 26
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 659-660 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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659 Kurze Anzeigen. Sachs' Beiträge. 660 Uebelstände sich nicht herausgestellt haben. Leider haben uns traurige Erfahrungen der Neuzeit gezeigt, welche Nachtheile die Civilisation durch die Vernachlässigung der früheren Offenbarungen erlitten hat. Nur die Rückkehr zu ihr wird uns wiederum auf ebene Wege führen, damit wir mir dem Verfasser der Proverbien sagen können: Sie ist ein Baum des Lebens denen welche sich fest an sie halten; wohl denen, die sich auf sie stützen. Anmuthig ist es in ihren Gangen zu wandeln. Vorausgeschickt, daß einige Verächter des alren Testaments Gründe aus der Geologie, Astronomie :c., um die Wahrheit der Uroffenbarung zu erschüttern, herbeigezogen haben, so können wir, wenn auch die Bibel auf keine Weise ein Lehrbuch der Astronomie zu bilden bezweckt, und sich daher in dieser Hinsicht der Ausdrücke der Umgangssprache bedient, aus ihr noch keineswegs eine Meinung in Hinsicht jener Wissenschaften entnehmen. Sie giebt blos Auskunft über Gott, Seele, Liebe, Recht und Gerechtigkeit, andre Wissenschaften werden dem Forschen des Menschen^überlassen, da nichts Menschliches ihr fremd ist. Üebrigens hängen noch einige Lehren in der Schwebe, so z. B. hat die Einheit des Menschengeschlechts und das Abstammen von einem Menschenpaare ebensoviel für als gegen sich, und die Lehre dient als wahrer Grund der wirklichen Menschenliebe. Maleachi spricht sich im Kap. 2, V. 10 aus: Haben wir nicht Alle einen Vater, hat uns nicht ein Gott geschaffen? Warum sollen wir treulos sein Einer gegen den Andern.'? Der Koryphäe der Gelehrsamkeit mit dem Nimbus seiner vielfachen und nützlichen Forschungen umgeben, ist nicht im Stande die Lehren der Offenbarung im Geringsten zu erschüttern. Wenn wir in unfern bisherigen Aufsätzen gezeigt'haben, daß das wahre Judmlhum seine Basis auf den Monotheismus auf das geistige Princip der Moral und Legalität gegründet ist, so kann es bei staatlichen Einrichtungen nicht auf das Princip des Christenthums, sondern auf das Princip der Uroffenbarung ankommen, da Letzteres das Erstere einschließt, welches aber nicht umgekehrt der Fall ist. Das Judenthum war eine vorbildliche partikuläre Anstalt aus dem das Christentum als eine universelle Anstalt hervorgegangen ist; aber die Tochter kann doch nicht allein die Mutter verleugnen, sondern ist verpflichtet ihre weisen Lehren zu conserviren und zu verbreiten. So haben die katholischen Theologen, so die protestantischen (bis 1750) gehandelt; die Mißgeburten des Communismus und Socialismus tauchten nicht auf, da diese nur der Herabwürdigung des alten Testaments und derVerachtung der Quellen ihr Dasein zu verdanken haben. Die friedliche Wiederherstellung der Eintracht zwischen Tochter und Mutter kann nur den legalen moralischen Zustand in den Staaten begründen. Die partikulären Gesetze, welche die Priefterlichkeit der Nation und zur Conservation der Anstalt dienen, haben bis zur Promulgation des neuen Zustandes der Menschheit ihre Gültigkeit, aber diese keine universelle Tendenz. Wir bekümmern uns nicht um Ornat und sonstige Formen des Maurerthums, wir erhalten auch über deren betreffenden Gründe keinen Ausschluß, doch die ihr zu Grunde liegende moralische Tendenz verschafft ihm die Achtung und Würdigung und in dieser Hinsicht wünschen wir ihm Fortdauer, die vorbildlich universell wirkt, die Moralität fördert. So auch das wahre Judenthum! In den früheren Katechismen wurden die 10 Gebote gelehrt. Gelehrt wurde: 1) der außerweltliche Gott der Liebe und Gerechtigkeit, der die Schicksale der Menschheit lenkt und daher belohnt und bestraft, weshalb weder Pantheismus noch Atheismus aufkommen konnten. 2) der siebente Tag und keine Decade. 3) nicht ehebrechen, aber nicht die Lehre, daß die Frau ihre Freiheit durch die Ehe erlangt. 4) Eigenthum, aber nicht zu stehlen. 5) die Heiligkeit der Eide. Kurze Anzeige«. 13) Beiträge zur Sprach- und Allcrthumsforschung. Aus jüdischen Quellen von Dr. Mich. Sachs. Erstes Heft. Leipzig 1852, 8. I—VIII u. 188 S. Diese neue Ans soeben entgegentretende literarische Erscheinung des Hrn. S. verdient im höchsten Grade die Beachtung gelehrter Kreise, und zwar schon deßhalb weil der Stoff der behandelten antiquarischen Gegenstände in jeder Beziehung fruchtbringend und lehrreich ist. Die jüdischen Quellen Targumim, Midraschim und Talmude sind hier zum ersten Male mit überlegener Kenntniß der klastischen Literatur und mit wissenschaftlichem Bewußtsein zu vielfachen Belehrungen für die griechische und römische Alterthumskunde, namentlich in ihren letzten Ausläufen, benutzt und gewendet, und der christliche klassische Forscher wird hier zahlreiche Anregungen finden. Der Orientalist, namentlich wenn er den Semitismus zum Gegenstände seiner Studien hat, wird hier in den ermittelten Eindringlingen aus der spätern Gräcität und Latinität zur tiefem Erfassung des Echtsemitischen in Bezug auf Sprache gedrängt werden, vorzüglich in Hinsicht der aramäischen Dialekte. Die reichste Ausbeute aber findet der Forscher der jüdischen Literatur in der richtigen vollgiltigen Anschauung über die Sprache der Mischna, Targumim, Midraschim und Talmude, im Verständniß des starken Einflusses der vulgären spätern Latinität und Gräcität auf dieselbe, im Einfluß des römischen und griechischen Lebens aus die ganze Literaturgestaltung von Abschluß der Schrift an bis auf Abschluß des Talmuds und in dem damit zusammenhängenden Verständniß einzelner Erscheinungen in dieser Literatur. Und noch vieles andere zum genauen Einblick in die jüdische Literatur Nöthige^ wird in solcher Specialforschung sehr reiche Gesichtspunkte barbieren, was für den jüdischen Literaturforschec um so schätzbarer ist, als in den jüdischen Forschungen bisher