Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 26
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 633-634 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360688-2360699--7587-3536574- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Meisel's Prinz und Derwisch. 834 833 manches Unrichtige gefunden zu haben glaube» So lesen Wir bel Meisel, 5. Pforte p. 59, wo der König seinem Großvesir listiger Weise den Vorzug der Seele vor dein Körper auseinander setzt: Und dann: ich weiß Je mehr ich Schweiß auf sie verwende, Um desto trüber wird das Ende; Jedoch um sie die herben Leiden Wiegt man nur auf mit hohen Freuden, Und bin ich ihretwegen matt, So werde ich erst recht satr, Und stets für sie im Kriege Komm nimmer ich zum Siege. — Diese Übersetzung scheint wir nun in zwei Stellen fatsch; es wäre nämlich hier, wo das Lob der Seele und der Mühen um deren Heil verkündet werden soll, widersinnig zu sagen: je mebr ich Schweiß auf sie verwende d. h. je mehr ich mich für sie bemühe, um desto trüber wird das Ende, und stets für sie im Kriege, komm nimmer ich zum Siege. Der hebräische Text hat allerdings: mjn yjpb JrpDlN TONN und j/Bfitf tö »ity orfrN 1L7N > indessen scheint mir das nJNN ein Druckfehler für nUN , oder was mir noch wahrscheinlicher ist für eine damals vielleicht gebräuchliche Form nJDN - anmnN , das Buch in dem sogenannten ißn gedruckt ist, wo und leicht verwechselt werden konnten und da außerdem das darauf folgende ^rni nby n&£/N sich besser darauf reimen würde. Das rpby nach or^N aber darf hier durchaus nicht freundlich, sondern feindlich aufgefaßt werden, indem ja in beiden Bedeutungen in der Bibel gleichhäusig gefunden wird. Demnach müßte die Uebersetzung lauten: je mehr ich Schweiß u. s. w. um desto froher wird u. s. w. und: und wider sie im Kriege, komm' nimmer u. s. w.; auf diese Weise würden, wie dies hier sein muß, alle Verse denselben Gedanken und in den letzten Worten immer den gleichen Gegensatz ausdrücken. In der 8. Pforte S. 107 übersetzt Dr. Meisel die hebr. Verse: nte nmn ‘?n‘? -p1 ruo ntjjJi rj> nnN) mpn ab) Ist begründet Deine Sache Dann verzeihe gern und bald-. Greife nicht zur schnöden Rache, Im Besitze der Gewalt. Mit welchem Rechte Dr. M. die ersten Worte mit: Ist begründet Deine Sache, übersetze, was nichts anderes, als: Wenn Du Recht hast, heißen kann, weiß ich nicht, da ja T> $■>, wie Allen bekannt, Macht haben bedeutet, und hier auch augenscheinlich nur dasselbe, was fp nHN) ausdrücken soll. Die Uebersetzung muß daher meiner Meinung nach lauten: Wenn's in Deine Macht gegeben, Dann verzeihe gern und bald; Rache übe nie im Leben, Hast Du auch dazu Gewalt. 9. Pforte S. 110 lesen wir: Die Weisen sagen: Das Dulden scheint nur dem noch List, Der keiner List mehr fähig ist. Der hebr. Text lautet: \b jW 'ab r6onn nVonn und [otI/ wie dies aus dem vorhergehenden HD1? JI’S-I! ihnid , nra -PNI btt) , VW-bl}/ erfichtlich, äusdrücken, daß das Dulden blos dann gut ist, wenn man nichts anderes mehr thun kann. Ob dieses aber durch Meisel's Uebersetzung ausgesprochen wird, weiß ich nicht, da mir, ich muß es offen bekennen, der Sinn derselben dunkel ist. In jedem Falle glaube ich, muß rftonn hier nicht in seiner schlechten, sondern in seiner guten Bedeutung, also nicht als „List", sondern als „Rath." aufgefaßt werden. Meiner Ansicht nach dürste man hier am besten übersetzen: „Zu dulden" ist em guter Rath Für den, der keinen andern hat. 15. Pforte S. 145 übersetzt Dr. M.: Wer sich gelabt aus ihrer (der Weisheit) Flut, Der kennt nicht dort des Durstes Gluth. Der hedr. Text lautet: Kfttp N^ VDW nififN D^DD NM jnnx -\rb . Die Worte jnnN ynh nach ND5P sind allerdings schwierig, doch glaube ich nicht, daß darunter das Jenseits verstanden werden soll, wie dies Hr. Meisel durch das: dort, andeutet, da ja hier, wie in dem später folgenden Gedichtchen ausgedrückt werden soll, daß der an der Quelle der Weisheit sich labende Ecdensohn auch diesseits nicht Durst empfindet. Das nach ttüX scheint hier überhaupt der Gegenstand, nach welchem man durstet, anzugeben. Vielleicht soll >NNN ")N die diesseitige Zukunft andeütm, und hier gesagt werden, der weise Mensch dürstet nicht nach der Zukunft, sondern lebt in der Gegenwart. Doch ich sehe hier die Richtigkeit des Sprichwortes ein: Tadeln ist Leichter, als besser machen. . - - In derselben Pforte lesen wir auf derselben Seite: Was Weisheit an uns richtet Und klar gewährt, Wozu sie uns verpflichtet, Und was sie lehrt: Ist nimmer zu enthüllen, Wie Majestät, Die sich durch ihren Willen Rur erst verrathz u: s. w. Was Weisheit „klar gewährt" mit „Ist nimmer zu enthüllen" ist offenbar eine contradictio in adjecfco3 da doch Etwas, was klar gewährt wird, durchaus enthüllt sein muß, außerdem aber ist auch das falsch, daß dasjenige nicht zu enthüllen sei, was die Weisheit uns lehrt und wozu sie uns verpflichtet — woher kämen denn dann die vrelen Weisheitslehren und Lebmsregeln. Doch sehen wir uns nach dem Texte um, dieser lautet: rron 221 rnnirn rropm