Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 26
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 629-630 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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629 Kurze Anzeigen. Meisels Prinz und Derwisch. 63V ausländischen Schriftstellern entlehnt sind. Hier nur wenige Proben: Ein Schönheitswasser, Isabelle, weiß ich, das seine Kraft behält, wenn schon der Jugendreiz verfällt: man schöpft es aus der Musenquelle. Sonst macht die Ferne Alles klein, nur fernes.Glück scheint groß zu sein. Für Deine Lügen mich zu rächen, werd' ich von Dir die Wahrheit sprechen. Ich schlichte lieber Zwistigkeiten, wenn Feinde als wenn Freunde streiten bei Feinden krieg' ich einen Freund/ bei Freunden aber einen Feind. Ich dichte für den Nachruhm nicht: im Grabe macht er keine Freude, Ich mach' ein Lied, wie Seidenwürmer Seide: Es quälet mich, es muß ans Licht. Die Fabeln sind meist sehr schwach gerathen und können sich nicht einmal mit Gleim oder Lichtwer messen. Unter den Liedern ist keinö, das jetzt nicht veraltet erschiene, besonders unter den Liebesliedern. Die Sprache der Leidenschaft war Kuh versagt; was ihm am besten gelingt, ist ein gewisser halb nüchterner, halb spöttelnder didaktischer Ton. Das Ganze macht den Eindruck von Geisteöfrüchtcn, welche nicht das Leben gereist hat, sondern die Bucherwelt. Wirklich hatte er, trotz all seiner Abenteuer und Mißgeschicke, im Grunde Doch nur wenig erlebt, da es ihm an Lebens frische und Unbefangenheit gebrach; zwischen Judenthum und Christenthum hinuuD hergeschteudert, von beiden verfolgt, geneckt, zurückgestoßen, gebildet genug, um das Bedürsniß nach Freiheit zu haben und doch zu wenig selbständig, sich dieselbe uothigenfalls zu erkämpfen — wie hätte er sich jene Wärme des Herzens, jene liebevolle Offenheit der Sinne erhalten können, ohne die sich doch in der That kein Dichter denken läßt? Sein poetisches Talent reichte nur, soweit sein Unmuth und seine Verstimmung reichte; darum sind auch die kleinen sachlichen Sinngedichte, in denen er seinem verbitterten Geiste Luft machte, das Beste, ja das einzige Poetische unter Allem, was er geschrieben. (D. M.) Kurze Anzeige». 12) Prinz und Derwisch TOT p oder die Ma- . kamen Jbn Chasdais. Von Dr. W. A. Meisel, Rabbiner. Stettin 184?. Angezeigt von Dr. Landsberger, Rabbiner in Vrieg. Die in den letzten Jahren startgehabten politischen'Bewegungen nahmen so sehr des Publikum in Anspruch, daß es wohl weder Lust verspürte, noch Muse fand, sein Augenmerk auf nichtpolitische literarische Erscheinungen zu lenken. In der Gegenwart verhält es sich jedoch anders. Denn obwohl die Politik noch immer nicht ausgegohren und der neuerliche Staatsstreich Louis Napoleons wie eia elektrischer Funke die Welt durchzuckte, so fühlen sich doch die Geister und Herzen von den immerwährenden Spannungen in Denen sie so lange lebten, zu sehr ermüdet, um nicht wieder mit Liebe zur Literatur zu eilen, und aus ihrer Quelle Erholung und Labung zu schöpfen. Ein Beweis hierfür ist die Sensation, die Heine's „Romanzero" trotz der darin herrschenden Gemeinheit erregte. Ich sage trotz, weil ich nicht glaube, daß gerade diese Gemeinheit, sondern vielmehr Heine's, wenn auch matter gewordener, so doch noch immer leuchtender Genius mit seiner größtentheils schalkhaften Satyre die Ursache davon ist. Einen noch bessern Beweis aber für das Wiedererwachen des Interesses an literarischen Erzeugnissen dürste die Anerkennung und Würdigung geben, die Dr.^Geiger's trefflicher „Divan" des in Heine's Romanzero, mitunter auf ziemlich langweilige Weise besungenen „Abu'l Haffan Jehuda Halevi" gefunden, in welchem ausgezeichneten Merkchen der gelehrte Verfasser vor den Augen des lesenden Publikums auch die bisher unbekannt gewesene poetische Seite seines so viel umfassenden Talentes enthüllte. Jenes wieder auflebende Interesse nun veranlaßt^ mich, jetzt m diesen Blättern, Dr. Meisel's „Prinz und Derwisch" ausführlich zu besprechen, obwohl bereits mehre Jahre verflossen, seitdem das Buch die Presse verlassen hat. "TOT p// oder „Prinz und Derwisch" wurde von Abraham den Salomo Jbn Chasdai aus Barcelona um 1235 von arabischem auf hebräischen Boden verpflanzt. Der arabische Text ist indessen ebenfalls nur eine Uebersetzung, und zwar aus dem Griechischen, wie dies aus dem Vorworte des arabischen llebersetzers hervorgeht, das in TOT "]bon p mit: „anj? pttfc bx jr> pTijinn -hon" „es spricht der Uebersetzec aus dem Griechischen in's Arabische" beginnt. Von Steinschneider erfahren wir in seinem Artikel über jüdische Literatur (S. 434) daß der bisher unbekannte arabische Text eine Bearbeitung des griechischen Romans Barlaam und Josaphat ist, und der Verfasser dieses griechischen Werkes (nicht der Uebersetzer aus dem Griechischen in's Arabische) soll nach^ dessen im 5. Bande S. 90 der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft, ausgesprochenen Vermuthung „der als Sammler und Uebersetzer griechischer Werke bekannte um 857 gest. Jahja Jbn Maseweih sein, dessen medicinische Schriften Janus Damascenus an der Stirne tragen. Vielleicht ist aber auch das griechische Werk, aus dem die arabische Bearbeitung geflossen, erst einem, in einer andern Sprache, vielleicht der indischen, verfaßten Wecke nachgebildet. Dies dürfte man um so mehr vermuthen, als ja auch ähnliche arabische und griechische Schriften der Belehrung aus indischer Quelle geschöpft sind. So Kalila und Dimna aus derPantscha- Tantra, welches Buch von einem Brahmanen, Namens Wischnu- Sarma verfaßt worden, um die drei Söhne eines indischen Königs, mit Namen Amara-Sacti, in kurzer Zeit mit dem 40*