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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 26 · p. Spalte 627-628

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 26
Date
1851-01-01
Page
Spalte 627-628 (sequence 19)
Language
German
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Ephraim Moses Kuh. 628 627 völlig siin Abgott - geworden war.' Allem Lessing, damals eben in anstrengende theologische Forschungen und Fehden vertieft,.hatte weder Lust noch Zeit, Hebammendienste zu leisten bei den Erstlingen eines unbekannten Dichters. Er wies ihn daher an Mendelssohn, der ihn zwar im Allgemeinen ermunterte, aber doch auch nichts weiter für ihn that: so daß er sich endlich wieder an Ramler wandte. Und in der That verleugncte dieser seine vielberühmte und doch auch viel cmgefochtene Theilnahme an den Poesteen Anderer auch diesmal nicht; mit Fleiß und Aufopferung ging er das Manuskript durch und brachte,, mit völliger Vollmacht von Seiten des Dichters versehen, zahlreiche Verbesserungen an. Wie viel Kuh dem sorgsamen Rathgeber verdankt, geht aus nachfolgendem Briefe hervor, der hier zum erster: Male gedruckt erscheint; derselbe ist schon deshalb interessant, weil ec recht deutlich zeigt, welche Genugthunng und Freude Ramler selbst daran fand, durch sein philologisches Geschick jungen, im Ausdruck noch unerfahrenen Anfängern zu helfen. ,,Daß Sie die kleine Pflege Ihrer galanten Gedichte (schreibt er ihm aus Berlin unterm 9. Mai 1784) so wohl anfgenommcn haben, dafür muß ich Ihnen noch mehr danken, als Sie mir zu danken Ursache haben. Durch das kostbare Geschenk der Ovidischen Verwandlungen haben Sie mir nicht allem eine große Freude gemacht, sondern mir auch Gelegenheit gegeben, die letzte Hand an ein Werk zu legen, das ich schon lange unter der Feder gehabt habe. Von Ihren neulich mir übersandten Gedichten habe ich sogleich ein Dutzend zu denen hinzugeschrieben, die ich bereits für unsers Geheimrath Dohm's Museum ausgezogen hatte. Ich werde so > lange mit dieser Arbeit fottfahrcn, bis ich Ihr Werk nach und nach zu Ende gebracht habe. Herr Dohm, diesem braven Bertheidiger Ihrer Glaubensgenossen, habe ich so lange einen Beitrag von Ihren Gedichten für sein Journal versprochen, als ich Vorrath finde. Aus seinem Journal können Sie nachmals Ihre Stücke wieder herausgeben, und selbst eine kleine Sammlung davon veranstalten, wie es auf nnserm Parnaß Gebrauch ist. Nach dem zu urtheilen, was ich bereits in Ihren beiden Quartanten gefunden habe, glaube ich, daß die künftige Sammlung nicht zu klein werden wird; aber ich muß mir die gehörige Zeit nehmen; Sie haben oft ein ganzes Stück nach meinem Sinn gemacht; allein die andere Hälfte dazu zu machen, wird mir nicht allemal leicht. Und mit dieser kleinen, doch auch nicht zu kleinen Sammlung könnten Sie nach meiner Ansicht diese Art von Arbeit rühmLkchst schließen. Von einer und derselben Art Speise, zumal von Confckt, darf man den Gästen nicht allzuviel vorsetzen. Am wenigsten möchte ich Ihnen rathen, In der drei - und vierzeiligen Versart fortzufahren, die nach dem Muster einiger Ausländer einige unserer guten Poeten versucht haben» So künstlich man es auch austellt, so schwächt man doch Gedanken und Ausdruck, und wem zu Liebe? Dem Reiml Mir klingen diese wiederholten Reime wie taufend Schellen. Leben Sie wohl und fahren Sie fort, mich zu lieben. K. W. Ramler." Allein während auf diese Weise die. Verbindung mit Ramler immer enger und fruchtbarer ward, nahm die Beziehung zu Mendelssohn ein um so trüberes Ende. Eine Ode Kuh's, ,, das Lob Gottes", war von Mendelssohn nicht nur mit großen Lobsprüchen ausgenommen, sondern sogar als seine eigene Arbeit ausgegeben - worden. So wenigstens behauptete der in seiner Eitelkeit tief verletzte Dichter, und brachte dadurch eine widerliche Klatschgeschichte zu Stande. Ganz aufgeklärt ist der Fall auch jetzt noch nicht. Doch geben selbst die späteren Werlheidiger des Dichters allerdings zu, daß mindestens eine einzelne Strophe in der That von Mendelssohn herrühre, so daß dieser also doch wahrscheinlich an der Eorrectur des Gedichts großen Theil hat. War auch Kuh's Wahnsinn geheilt, so waren doch, wie es danach scheint, der Argwohn und die Reizbarkeit des Gemüthskranken zurückgeblieben, so daß er gar schwarz sah und geringfügigen Dingen einen übertriebenen Werth beilegte. Zu dieser geistigen Ungesundheit kamen allmälig auch körperliche Gebrechen aller Art; aus einer bereits zur Gewohnheit gewordenen Unmäßigkeit in mancherlei Genüssen entstanden, führten dieselben im Jahre 1786 einen Schlagfluß herbei, der ihn aufs Neue in einen höchst traurigen Zustand versetzte. Halbgelähmt, doch mit philosophischem Gteichmuth und stiller Ergebung trug er seine große Leiden, denen der Tod am 1. April 1790 ein Ende machte. Jüdischer Fanatismus wollte ihm kein ehrenvolles Begräbniß gewähren, bis der Einfluß der reichen und angesehenen Verwandten die vom Rabbinat erhobene Schwierigkeiten überwand. Die Grabschrist hatte er sich selbst verfertigt; sie tautet: Hier ruht der Dichter Kuh, den bald das schnöde Glücke, bald auch der Schurken Tücke geneckt, hier hat er Ruh'. Die Herausgabe des poetischen Nachlasses wurde, wie schon bemerkt, nicht Ramler, der das größte Recht darauf gehabt hätte^ sondern dem in Breslau lebenden Schlesier, Kausch, übertragen, schwerlich zum Vortheil der Sache; namentlich würde Ramler wohl eine strengere Kritik bei der Auswahl geübt haben. Wie die Sammlung jetzt vorliegt, besteht sie aus fast 600 Sinngedichten; dann in freien Übertragungen vieler Epigramme des Marüal, einigen Liedern, Oden und Fabeln. Das merzeilige Sinngedicht gelang Kuh am besten; es sind sehr gute Einfälle darunter, die freilich in vielen Fällen

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