Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 26
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 623-624 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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623 Ephraim Moses Kuh. 624 More mit einer französischen Vebersetzmig; 2) von Prof. S. D. Luzzatto, Dialoges sur la Kabbale et le Zohar et sur l’antiquite de la Ponctiiatton et de l’Accentuation dans la langue hebrai'que. Out rage dedie a Mr» G. J. Ascoli de Gorice. Das Werk selbst ist hebräisch und bereits vor 25 Jahren geschrieben. 3) Der jugendliche und gelehrte Filosseno Luzzatto laßt erscheinen: Notice sur Abou- Joussouf tfasdai Ibn-Schaprout, medecin juif du X siecle. 4) Ca rm oly in Brüssel ist mit der Veröffentlichung eines Catalogs seiner Handschriften beschäftigt. — Die Leistungen der jüdischen Literatur waren aber noch größer und zahlreicher, wenn nicht der größte Theil der jüd. Gelehrten von einem einseitigen Egoismus befangen wäre. Auf keinem andern Felde der Literatur herrscht eine solche Willkür, eine solche Mißachtung dessen, was man literarische Sitten und Gesetze nennt, wie auf dem jüdischen. Ein jüdischer Gelehrter bildet sich in seinen vier Pfählen eine Kategorie von Personen und Schriften, die er berücksichtigen will, während es doch Pflicht eines jeden Gelehrten ist sobald er dem gebildeten literarischen Ton nicht fremd ist — die Materien und nicht die Personen vor Augen zu haben. Exempla sunt odiosa5 allein wir könnten Beispiele anführen, wo in jüd. Werken, die dem Autor beliebigen Namen mit gesperrten Lettern gedruckt sind, während es bei andern, die beim Vers, nicht in hoher Gunst stehen, nicht der Fall ist. Bevor die jüdischen Gelehrten darüber klagen, daß sie in der christlichen Gelehrtenwelt geringe Anerkennung finden, mögen sie doch selbst das gute Beispiel geben, sich gegenseitig anzuerkennen und nicht heimlich sowohl als öffentlich gegen einander losziehen. — Ephraim Moses Kuh. Ein Lebensbild aus dem achtzehnten Jahrhundert von Augpst Mahlert. Lcbenöschicksale mehr, als literarische Bedeutung, haben d-en schon vor längerer Zeit von Berthold Auerbach, dem gefeierten Verfasser der Dorfgeschichten, in einem Romane: „Dichter mrd Kaufmann" idealisirten Dichter E. M. Kuh merkwürdig gemacht. Der Druck des Judeuthums, der auf ihm wie auf vielen andern begabten Menschen jener Zeit lastete, nahm mit Recht das Mitgefühl und die Theilnahme eines aufgeklärteren Zeitalters in Anspruch: wennschon das Mitgefühl mit dem Märtyrer des Glaubens uns nicht zur Überschätzung des Schriftstellers verleiten darf. Die in zwei Bändchen von Kausch (Zürich 1792) herausgegebenen, mit einer Lebensbeschreibung des Dichters von Hirschel vermehrten Kuh'scheu Gedichte sind Alles, was uns jetzt noch von dem Schriftsteller übrig ist. . Doch sind sic auch., in Verbindung mit einigen in älteren Zeitschriften enthaltenen Notizen in der That Hiillättglich, um ein deutliches Bild zu geben von dem ruhe- und friedcnlosen, zuletzt traurig verkümmernden Manne, der allerdings wohl eine günstigere Umgebung verdient und dann gewiß auch noch weit Bedeutenderes geleistet hätte. Unter der österreichischen Regierung lebten die Juden Breslaus noch weit mehr, als es spater unter Preußen der Fall war, isolirt von den Christen, die selbst unter einander nach ihren verschiedenen Confesflonm scharf getrennt blieben. Als daher dem reichen jüdischen Kaufmann Moses Daniel Kuh 1731 ein Sohn geboren ward und derselbe in zartem Alter schon einen aufgeweckten, wißbegierigen Geist zeigte, so war cö natürlich, daß die wissenschaftliche Erziehung, welche man dem Knaben zu geben beschloß, kein anderes Ziel kannte, als die künftige Rabbiwürde. Allein die leeren Spitzflndig- Pcttcn des Talmuds widerten den aufgeweckten Knaben an; weit erquicklicher und weit anziehender als jene altersgraue und im letzten Grunde doch so thörichte Weisheit seiner Zeit, erschien ihm das Studium der Philosophie, die Kenntm'ß fremder Sprachen und Literaturen, vor Allem das Studium der Klassiker. Aber was damit anfangen in jener Zeit als Jude, dem jede Laufbahn im christlichen Staate verschlossen war? Ihm selbst zwar lagen derartige Erwägungen dazumal wohl noch ziemlich fern, desto näher jedoch lagen sie seinem Vater, der, bei der Abneigung des Sohnes gegen daö Rabbinat und bei der Unmöglichkeit einer anderweitigen gelehrten Laufbahn, cs als einen sehr glücklichen Ausweg betrachtete, ihn zur Erlernung der Handclswissenschaften anznhalten. Da er zu diesem Zweck Englisch, Französisch und Italienisch treiben durste, so war diese Bestimmung dem Sohne schon ganz genehm. Nicht lange darauf starb der Vater und hinterlicß ihm ein Erbtheil von 6000 Thalern. Der Comptoirdienst in der Kaufhandlung deö Bruders wurde nun zwar beibehalten, daneben jedoch das Studium der besten Schriftsteller auf häufigen einsamen Spaziergängen um so eifriger betrieben, auch auf die Gefahr hin, von den Berufsgenossen, deren übliche Vergnügungen nichts Lokkendes für ihn hatten, deshalb als Sonderling verspottet zu werden. — Um diese Zeit führte der Ausbruch des siebenjährigen Krieges seinen Oheim, den Münzlieferanten Beitel Ephraim, von Berlin nach Breslau; derselbe besaß in der preußischen Hauptstadt eine bedeutende Gold- und Silbermanufaktur, zu deren Kaffenführnng er den Neffen mit ansehnlichem Gehalte berief. Kuh fühlte sich hochbeglückt durch den neuen Wirkungskreis, oder richtiger durch die neue Heimath, die ihm dadurch zu Theil ward und in der er Männer, wie Mendelssohn, Nicolai und viele