Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 26
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 611-612 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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611 Ueber die Entstehungszeit des Buches Henoch. 612 Wettwoche zu sieben Lagen von je hundert Jahren. Lind dazu stimmt auch alles Folgende. Nach dem Ende der zweiten Woche, also' nach 1400, wird die Welt .für das Gericht der großen Fluth reif, und wird dieses Gericht über sie verhängt. Gegen das Ende der dritten, nämlich 2083, geschieht Abram's Berufung, gegen das Ende der vierten, nämlich 2729, die sinaitische Gesetzgebung, gegen das Ende der fünften, nämlich -3206, der salomonische Tempelbau. Von der sechsten Woche heißt es, daß die in ihr Lebenden der Finsterniß und dem Vergessen der Weisheit anheimfallen werden, aber auch, daß Er, der rechte Mann, in ihr erstehen wird. Daß unter diesem Manne nicht etwa Elia, sondern Jesus zu verstehen ist, erhellt ans dem, was.auf das Ende dieser Woche geweissagt ist, daß dann der Tempel verbrannt und das Volk Gottes zerstreut wird. Die Zerstörung des Tempels durch Nebukadnezar siele ja in den Anfang der sechsten Woche, die durch Titus fällt dicht hinter das Ende derselben, in das Jahr 4273. Endlich die siebente Woche bringt.das verkehrte Geschlecht, welches zum Gerichte reist, und das Gericht selbst. Auch hier ist also zu sehen, daß der Verfasser nach der römischen Zerstörung Jerusalems geschrieben hat. Die Richtigkeit unserer Berechnung der Weltwochen erhält übrigens eine Bestätigung durch die Uebereinstimmung der Stund.enrechnung des Verfassers mit derselben. Wir haben oben der Hirten gedacht, welche vor der Wiederherstellung des jüdischen Gemeinwesens durch Serubbabel zwölf Stunden gewaltet haben. Ohne Willkür zu üben, kann man diese Stunden nur inv Einklänge mit den Tagen der Wellwochenrechrmng verstehen. Ein solcher Tag ist ein Jahrhundert. Stunden aber hat der Tag zufolge c. 71, 18—42, also zufolge eines Bestandtheils desselben Abschnittes, achtzehn an der Zahl, so daß zwölf Stunden zwei Dritttheile eines Tages ausmachen. Rechnet man nun ben. Tag der Weltzeit zu hundert Jahren, so sind zwölf Stunden desselben gleich 66§ Jahren, also gleich der Zeit, welche die dort gemeinte Chaldäerherrschast gedauert hat. Dieselbe ist gemäß Jer. c. 25 von 604 an gerechnet, und hat mit 538 ihre Endschaft erreicht. Ich habe schon gezeigt, daß die Weissagung von derWeltzeit Jesu gedenkt. Ebenso ist auch in dem Gesichte von dem Verlaufe der Weltgeschichte, was von den Lämmern im Unterschiede von den Schafen gesagt ist, nur unter der Voraussetzung des schon vorhandenen Christenthums zu verstehen. Die von den weißen Schafen stammenden Lämmer sind die jüdischen Christen, welche vergebens das jüdische Volk anflehen, daß es sich von seiner Blindheit bekehre. Die Rinder aber, welche sich ihnen anschließen, sind die heidnischen Christen. Wie in der johanneischen Apokalypse die Gläubigen aus der Heidenwelt und die aus dem schließlich doch noch bekehrten Zwolfstämmevolke unterschieden werden, und der Kampf des Drachen und des aus dem Abgrunde gekommenen Thieres zunächst gegen die Letzteren geht, ebenso in dem Buche Henoch; und was in den letztern von den Schafen gesagt ist, welche vor den Schrecknissen der letzten Zeit geflüchtet und in dem Heiligthume auf ihr Angesicht in'edergefallen sind, erinnert so stark an Apokal. 11, 1, daß man sich schwer des Gedankens erwehren wird, der Verfasser habe diese neulestamentliche Stelle dabei im Sinne gehabt. Aber auch schon die Bezeichnung des Messias als des Menschensohnes ist ein zureichender Beweis daß der Verfasser des Buches Christ gewesen. Denn daß dies eine geläufige jüdische Bezeichnung desselben gewesen, läßt sich nicht beweisen. Aus dem ^3 Darr. 9, 13, wo nur eine menschliche Gestalt den vorher erschienenen Thiergestalten entgegengesetzt wird, kann sie nicht herrühren, und mutestameutliche Stellen, wie Matth. 16, .13—16 oder Joh. 12, 34, widerstreiten jener Behauptung. Es frage sich nun nur noch, ob anderwärts in dem Buche Spuren zu finden sind, welche auf eine frühere Abfassung, sei es des Ganzen oder einzelner Theile, Hinweisen. Eine solche Spur hat man in e. 54, 9 ff. irrthümlich zu finden gemeint, indem man die Weissagung von einem Kriegszuge der Parthier und Meder in das heilige ^Land für eine Beziehung auf jenen parthischen Kriegszug nahm, durch welchen der Sohn des Aristobulus zur Herrschaft gebracht werden sollte. Aber jene Weissagung geht ja auf das letzte Ende der Völkergeschichte, und erklärt sich, zwar nicht aus Ezechiel's Weissagung von Gog und Magog, wohl aber aus denen des Jesaja wider Babel in c. 13 und 21, und aus der wider Jerusalem in e. 22. Denn dort sind es die Meder oder Meder und Elamiter, welche das weltbeherrschende Babel überwältigen, und Elamiter sind es, welche Jerusalem berennen. Von dort stammt die Anschauung, daß die jensiir des Tigris wohnenden Völker den Sieg gewinnen werden über die weltbeherrschenden Könige, um dann auch das heilige Land zu bestürmen, hier aber vor dem schützenden Rächerarme Gottes zu fallen. Daß auf jene Weissagungen Bezug genommen ist, wird noch gewisser, wenn man fleht, wie sich in e. 55,. was im nächsten Zusammenhänge mit jener Stelle von der Menge der Wagen und den auf denselben mit Sturmeseile von Morgen, Abend und Mittag Kommenden gesagt ist, auf die zweite Hälfte jenes jesajanischen Spruches wider Babel e. 21,6—10 bezieht, indem hier wie dort nicht die Wagen eines feindlichen Kriegsheeres gemeint sind, sondern die Wagen, auf welchen die Zerstreuten Israels heimgebracht werden. Man hat sich auf die Testamente der zwölf Patriarchen berufen, daß in ihnen das Buch Henoch, wenn auch ein vielfach anders gestaltetes, vorausgesetzt werde. Aber wenn man überschaut, wie dort den Patriarchen für alles, was sie von der Zukunft ihres Volkes, von seiner Versündigung und Bestrafung, von der Erwählung Jerusalem's, vom Messias und seinem Geschicke oder von dem Endgerichte Vorhersagen, Henoch als Zeuge und Bürge angeführt wird, in dessen Buche sie es gelesen halben; so wird man sich überzeugen, daß dort alle Weissagung der späteren Propheten, damit sie den Patriarchen, in den Mund gelegt werden kann, schon den vorsündfluthlichen Propheten zugeschrieben wird, ohne daß der Verfasser ein wirklich vorhandenes Buch meint. In den Testamenten der