Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 26
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Spalte 609-610 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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609 Uvtet die Entstehungszeit des Buches Henoch. 610 Ucbcr die Entstehnirgszeit des Buches Henoch. Von Dr. I. Chr. K. Hofmann. Um zu ermitteln, wann das Buch Henoch entstanden fctf wird man am besten tkun, von der immer doch fraglichen Scheidung. ursprünglicher und eiugeschobmer. Bestandteile desselben zunächst Umgang zu nehmen.. und vor allem diejenigen Abschnitte zu befragen, welche ihre Abfassungszeit am unzweideutigsten zu erkennen geben, so daß man dann erst zusieht, ob andere Theile aus einer fcühern Zeit stammen müssen. Wir richten also unser Augenmerk zuvörderst auf die Abschnitte, in welchen die angebliche Weissagung zur Darstellung des weltgeschichtlichen Verlaufs wird. Eine solche Darstellung ist zweimal gegeben, das eine Mal in der an Methuschelach gerichteten Rede 71 ff. als Erzählung eines Gesichts von dem Gange der Weltgeschichte, das andere Mal in der an die ganze Nachkommenschaft Henoch's gerichteten Rede c. 92 ss. als Weissagung von der Weltzeit. In jenem Gesichte bewegt sich der ganze Verlauf von da an, wo Israel von seinem Gotte und sein Gott deßhalb von ihm läßt, bis dahin, wo ihm Gott wieder aushilft und das Gericht an seinen Feinden vollführr, um die siebenzig Hirten, von denen es 88, 94 heißt, daß Gott sie bestellt habe, über sein Volk zu walten, und so Viele aus der Zahl desselben zu tLdten, als er ihnen zu tÖötcn befehlen werde: wobei aber Gott vorhersieht, daß sie ihrer eine größere Zahl nach Willkür tödken werden, daher er Buch und Rechnung darüber führen heißt, um seiner Zeit Rechenschaft von ihnen zu fordern. Schon die Aufgabe, welche diesen Hirten gegeben ist, läßt nicht daran denken, daß einheimische Fürsten des israelitischen Volkes unter ihnen begriffen sein sollten. Aber die einheimische Geschichte desselben ist ja auch bereits bis dahin verfolgt, wo Gott sein vcn den Propheten vergebens gewarntes Volk und das Haus seiner Wohnung aufgiebt und preisgiebt, ehe des Auftrags an jene Siebenzig gedacht wird. Es sind ihrer siebenzig nach der bekanntlich aus Gen. c. 10 entnommenen Zahl der siebenzig Völker, und mit jenem Aufträge beginnt die bis zum Gerichte währende Heidenzeit, von welcher es Sach. 1, 15 heißt: Hjnb ni}? N!2N) tSJjö 'lM? 'JK . Diese Heidenzeit zerfällt nun in drei Zeiträume, den der 3? oder 35, den der 23 und den der 12 Hirten. In den ersten gehört die später zu besprechende zwölfstündige Herrschaft einer ungenannten Zahl von Hirten, und nach derselben die Wiederherstellung des jüdischen Gemeinwesens und des Tempels zu Jerusalem untir steter Fortdauer des verderblichen Thuns der Hirten. Am Ende des zweiten Zeitraums ist die Schafheerde des jüdischen Volkes in einem Zustande, wie ihn Ezechiel beschreibt, wo er sein Gesicht von dem Feld voll Äodtengldeine erzählt: da ist nicht Fleisch, noch Haut, noch Sehne, sondern bloßes Gebein, welches am Boden liegt. Im dritten Zeitraum werden Lämmer geboren von den weißen Schafen, welche den Schafen gr'irlich zusprechen, aber taube Ohren finden, bis endlich an einem der Schafe ein Horn des Heils hervorkommt und den übrigen die Augen aufgehen. Die Rinder gesellen sich zu ihnen und zu dem Träger jenes Horns, das wilde Gethier aber streitet wider ihn und wider die ins Heiligthum geflüchteten Schafe, bis Gott der Herr mir dem Schrecken seiner Macht erscheint und seinen Schafen aushilft und ihnen die Gewalt giebt, das Gericht an ihren Feinden zu vollziehen. Da werden dann die siebenzig Hirten gerichtet und in den feurigen Abgrund geworfen. Nur von dem zweiten dieser drei Zeiträume wird die Dauer angegeben, indem es 89, 7 von den 23 Hinein heißt, daß sie 58 Zeiten füllen. Man könnte meinen, dieß seien die Zeiten der 35 und der 23 Hirten, aber nach dem Wortlaute der Stelle gehören sie nur den letzteren. Sollten sich nun vielleicht diese 58 Zeiten berechnen lassen? Sie endi.gen mit einem Zustande des jüdischen Volkes, welcher dem zur Zeit Ezechiel's gleicht, also nicht etwa mit der Drangsal, welche Antiochus Epiphanes über dasselbe verhängt har, sondern mit der zweiten Vernichtung des jüdischen Gemeinwesens. Vom Jahre 70 n. Ehr. rückwärts wollen die 58 Zeiten berechnet sein. Nun giebt es dreierlei Zeiteinheiren in der jüdischen Zeitrechnung: Jahre, Sabbathperioden, Iubclperioden... Jahre sind zu kurz, Jubelperioden zu lang. Rechnen wir Sabbathperioden, so führen uns deren 58 von 70 n, Chr. an rückwärts in das Jahr 336 v. Chr. also in den Regiecungsanfang des macedonischen Alexander. Es bedarf keiner Erinnerung, daß der Uebergang der Weltherrschaft vom Morgenland in das Abendland eine zureichende Veranlassung abgab, an dieser Stelle die erste Halste der Heidenzeit enden, die zweite anfangen zu lassen. Jeder von beiden Halsten, oder mit anderen Worten, den ersten zwei und den letzten zwei dariielischen Weltreichen, sind 35 Hirten zu ge wiesen. Denn das 8-9, 1 die Zahl 7 nicht richtig fein kann, wird doch wohl durch die blioen folgenden' Zahlen 23 und 12, welche die Zahl 70 voll machen sollen außer Zweifel gesetzt. Eine Zahlung geschichtlich nachweisbarer einzelner Machthaber liegt bei keiner dieser Zahlen zu Grunde, sondern die Zahl 70 ist zuerst in zwei Halsten geschieden, und dann die zweite Halste, damit die runde Zahl12 für die rückständige Zeit übrig bleibe, in zwei Dritttheile und ein Dcitttheil auseinandergelegt. Ist unsere Auffassung des Gesichts von dem Verlaufe der Weltgeschichte begründet, so hat dasselbe die Zerstörung des jüdischen Gemeinwesens durch die Römer, womit.der zweite Zeitraum der Heidenzeit zu Ende geht, zu feiner Voraussetzung. Das gleiche gilt für die Weissagung von der Weltzeit. Zehn Weltwochen zählt Henoch. Wie er die Weltwochen rechnet, erhellt unzweideutig daraus, daß er 92, 4 von der ersten sagt, er sei am siebenten Tage derselben geboren. Nun ist aber Henoch dem hebräischen Texte von Gen. c.. 5 zufolge im I. 622 d. W. geboren. Der Verfasser rechnet also eine 39