Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 25
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 589-590 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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589 Kurze Anzeigen. — Reggio' ex am eh traditionis. 580 Grad von Inhatt gesehen wird, entstehen bei beiden Verwirrung und Indignation, weil in der That beim Judenthum, Inhatt und Form zugleich berücksichtigt werden müssen, da aber die gerechte Wage den Wählern oft nicht zu Gebote stehet, und auf die Regel „ non omnia possumus omnes“ kein Regard genommen wird, so fordert man vom Rabbiner, daß er im vollkommensten Sinne Alles sei, welches der Grund aller Be- und Verurtheilurig ist. Denn so oft bei der einen Partei das jüdische, und bei der andern das scientisische Element überflüssig und moleftirend scheint, oder so oft jede Partei von dem Manne, der Alles sein soll, nicht das Ihrige im vollkommenen Maße zu finden vermeint, bricht der Zorn aus und endet in Verfolgung. Die pädagogische Regcl aber sagt, daß die Virtuosität die Einseitigkeit voraussetzt, wenn also der Rabbiner ein exalter Rabbinist, kasuistischer Lalmudist und virtuoser Pietist sein soll, so wird er auch nicht eo ipso ein exaltirter Rhetoriker und -vice versa sein können, darum müßte nur einer Centralbehörde das wahrhaft erforderliche Maß von Inhalt und Form zu ermitteln Vorbehalten bleiben. Auch die projektirte Colomsation und Feldbeschästigung zur Verminderung und Hinterhaltung des Betrelstandes ist namentlich in Galizien noch ein Umstand, der allgemein die religiöse Conceffion oder die Hebung des schlichten Sinnes voraussetzt. Schreiber Dieses hat in seinem Wirkungskreise, wo der integrirende Lheil von Agricultur sich ernährt, sich überzeugt, daß die ärmere Klasse, trotz vieler Aufmunterung nur aus religiöser Scheu nicht nach dem Spaten greift, worüber man sich wundern sollte, da doch nach Midrasch Raba Bereschit 36, Ackerbau das erste Bedingmß des Bürgerthums ist, und von unzähligen Talmudstellen bevorzugt wird. Allein die Sache ist vielleicht diese. Nach Sanhedrin 5H, besitzt nur der Gewaltige Grundstücke, aus Ohnmacht ist dieser Nahrungszweig im Mittelalter den Israeliten abhanden gekommen und da wir gewohnt sind, allen Zukömmlichkeiten ein religiöses Motiv zuzuschreiben, so dürfte sich die Meinung des I. Abarbanel Absch. Bereschit bewährt haben, welche es dem Kajin zur Sünde anrechnet, daß er seine Kräfte dem Pfluge gewidmet und sich nicht mit den einfachen unerkünstelten Naturprodukten begnügt habe. Dazu kommt, daß der Chassidismus dem Systeme des Rabbi Simon bar Jochai zugethan ist, und dieser behauptet ja Berachot 36, 6: wenn der Mensch eggen, säen und furchen möchte, so möchte die Gelehrsamkeit verwahrlost werden, die Frommen sollen daher vertrauen, daß ihre Arbeit durch Andere verrichtet werde, aber Rabbi Jsmael widerlegt diese Meinung daselbst, und der Talmud entscheidet, die Gesammtheit habe nur ihren Lebenszweck erreicht, wenn sie dem R. Jsmael gefolgt wäre. Darum sollen auch 'jetzt Autoritären creirt werden, die der Wahrheit ihre geziemende .Achtung im Leben wiedergeben, und die Religion mit den Zeitbedürfniffen in harmonischen Einklang bringen können. Männer müssen wir haben, die die Vor- und.Nachtheilr des polnischen Quhctismus wohl verstehen und dieselben nach dem Geschmacke der Zeit und i'm. Sinne der wärmsten Religiosität zu moderiren wissen, Männer, die den Zündstoff der Aufklärung in talmudischer echt jüdischer Weise in die Feuer fangende Herzen legen können, ohne sich eine Blöße zu geben; solche Männer 'müssen aber von der Regierung autorisirt und mit jüdischer Gelehrsamkttt und ungeheuchelter Gottesfurcht wahrhaft ausgerüstet sein, dann wird auch der böse Engel gezwungen sein, in das Amen auf die gute That mit einzustimmen. Ein Kreisrabbiner I. L... Kurze Anzeige«. 7) nbspn rwra . Die Prüfung der Überlieferung, enthält das^ bo ^p ->dd und nntt n.iw *">dd, von Jehuda Arj e da Modena, nebst Widerlegungen, Anmerkungen und Forschungen darüber von Prof, und Nab. Js. Sam. Reggio. Görz, 1851, 8. S. 268. (Mit einem hebr. u. lat. Titel.) Das in -diesen Blättern bereits erwähnte Werk R.'s ist nun zur Freude jüdischer Gelehrten endlich in der neu eingerichteten Druckerei des Hrn. I. B. Seitz in Görz in sehr schöner Ausstattung erschienen, und wenn auch zahlreiche, vorzüglich durch Verwechselung gewisser Buchstaben veranlaßte Druckfehler zu bedauern sind, so müssen wir es doch als eine freudige Erscheinung begrüßen, daß unseren hochgelehrten -jüdischen Italienern eine so schöne hebräische Typographie zu Gebote gestellt ist. In Bezug auf Umfang und Anlage des Werkes erlaube ich mir, den Lesern folgende Beschreibung davon zu geben. Nach einer ausführlichen Einleitung (npq) vom Editor (ttl—XVlll), worin eine ausgezeichnete Biographie da Modena's nach seiner handschriftlichen Selbstbiographie in dessen rni*T wo eine Zusammenstellung seiner Werke auf eine äußere Geschichte dieser hier gedruckten Werke folgen, läßt Hr. R. das blp 'o, angeblich von Amittai b. Jedaja Jbn Ras (S. 1—-65), dann dessen Widerlegung in rrHN nJNP (S. 67—70), das nur 2 Kapitel hat, abdrucken, und dies als erster Lheil seines rfopn DITO . Der zweite Theil dieses Werkes, aus hundert Kritiken und Anmerkungen gegen d a Moden a's Werk bestehend, ist ganz von Hrn. R. und bildet den größten Lheil des Buches, so daß Hr. R. mit Recht dem Ganzen den Namen geben konnte. Da die angebliche Widerlegung da Modena's in seinem SchaagatArje schon seines geringen Umfanges wegen kaum der Beachtung werth sein mag, so bleibt uns natürlich nur das und- Hrn. R.'s Anmerkungen dazu zur näheren Anzeige übrig und diese verdienen, wenn auch gerade nicht vom philosophischen doch vom religiös-dogmatischen Standpunkte unsere höchste Aufmerksamkeit, da hier die bedeutsamsten Themata der jüdischen Religionsgeschichte zur Sprache kommen. Der erste Abschnitt des Kol Sachal giebt folgende Kapitel! 1) über das Dasein Gottes (Nmn DIN^D); 2) das Geschaffensein der Welt $nn); 3) der Zweck der