Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 24
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 537-538 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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537 Aus den Briefen eines Sabbatianers. 538 Ä i nicht, den ihn Gott geführt. Wie einst die Israeliten in der Wüste. (Exod. 19, 4.), so hat auch uns Gott cmf-Adlerflügeln getragen. — Um uns das Bildliche des Ausdrucks begreiflich zu machen, wollen wir uns verstellen, wir hätten einen weiten, steinigen, gefahrvollen Weg zn machen. Der Fußgänger empfindet das Beschwerliche der Reise am meisten; weniger, wer im bequemen Wagen sitzt; am allerwenigsten aber ein Solcher, der gleich dem Vogel durch die Lüfte, der auf Adlersflügeln (DntfcU ’DJD) getragen wird. Er kennt nicht die Länge, nicht die Schwierigkeit, und nicht das Gefahrvolle des Weges, den er zurückgelegt. In der lebhaften Vorstellung von der Güte Gottes, auch nur von dein tausendsten Theile dieser unendlichen Güte, liegt für den Empfindenden die größte Warnung, aber auch die größte Aufforderung zur Buße (->Ow). Wir fühlen uns beschämt durch die außerordentliche Güte; und das ist die Scham des Tugendhaften, der da spricht: Bei Dir ist Verdienst, uns aber ziemet Schau: ^Dan. 9, 7.). Ttfjy5. -,Uns steht es zu, den Herrn zu lobend; so können wir wahrhaft ansrufen. Uns steht es zu, den Herrn zu loben, daß er unfern Antheil nicht dem Ihrigen gleich, und unser Loos nicht dem des Haufen gleich gemacht, indem er uus den wahren heiligen Glauben kund gethan. Schon die übrige Gesammtheit Israels, wie ist sie in ihrem Glauben von dem der übrigeeu Welt verschieden; doch wir nur fommi wahrhaft ausrufen: o König! (“j'PDrs). ,,Jhr habt mir einen Vorzug eingeräumt, so will ich auch Euch einen Vorzug vor aller Welt einrämnen"— Wir können ni Wahrheit gedenken der Thaten der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, und der Säulen der Welt ND^jn). Wir harren tu der That auf das 7ip, aus Jakobs^ Stimme, vernehmbar uttd hörbar in dem dreigestattigm Posaunenschall am Neujahrs tag (njppra nynn □^"Oi#)8. — Heil dem Volke, das kundig ist des Posaunenschalls; die wandeln im Lichte Deines Antlitzes8. . Uns steht es zu, mehr als allen Js raeliten, den Herrn zu loben. — Was ist in der Geschichte von Israels Vorzeit und in dem Leben unscrs Lehrers Moses das Ruhmwürdige und Große, um dessen willen das Fest des Pesach gefeiert wird? Daß uns Gott aus Aegypten geführt, die eine Nation unter den Nationen (w mpD auserkoren. — Aber noch ist ja der stärkste Spreu (ronyn) zurückgeblieben, ein Spreu, der wie der Sauerstoff im Teige"' (nD'yDü "YlNttf) gährt. Von ihnen heißt es noch immer (Ps. 106-35.): und sie mischen sich unter die Völker und lernen ihr Thun. Noch ist das übrige Israel aus dem wahren Aegyptenu, aus der Urfinsterniß 7]&'n) nich erlöset, noch von dem ägyptischen Troß (Dl m$l) nicht getrennt. Aber wie sehr haben wir Gott zu danken, daß er uns Wenige erlöset hat aus dem Troß und aus der Urfinsterniß, welche die Vermischung mit den Unreinen^ verursacht; daß er die Trennung in der Art veranlaßt, daß sic selbst uns von sich ausstießen und in einen engen Kreis bannten, zu unserm eignen ewigen Heil, ttb Und dieses Alles ohne Zeichen und Wunder aus so natürlichem Wege; gerade hierin liegt das Wunderbare, daß. Gott uns von dem Troß, nicht aber den Troß von uus gesondert hat, -wie schon der Midrasch bei ähnlicher Gelegenheit bemerkt lV . nDa6 . Uns steht es zu, den Herrn zu loben, uns, nicht dem übrigen Israel, für die heilige Gotteölehre (min). Vor: Allem, was Israel einst Göttliches und Heiliges hatte, von allen heiligen Alterthnmern, von allen Liebeszeichen, von allem Großen, das Gott für sie gethan, blieb den Inden Nichts übrig. Nicht das Land der Verheißung, nicht Priesterthnm, nicht Königthum, nicht das Heiligthum des Herrn, nicht Urim und Thummim, nicht die Prophetengabe: kurz, Nichts als die Lehre (mnn), von der der heilige Sänger sagt: Ware Deine Lehre nicht mein Trost, ich wäre längst vergangen in meinem Elend,3. ' Was hat aber das b) Die Anfangswone des Schlußgebets am Morgen. 6) Eine Stelle im Trattac Berachot f. 62 a: crite ans nrrün gdox nti/y&t nbyz ans m^n crwy t'biyD „ Israel Hai die Einheit in Gott zuerst: anerkannt, darum hat Gott auch Israel als einziges Volk anerkannt"; wie es heißt: pksQ ihn N.1 bfrOK/O lOyD .,Und wer ist wie dein Volk, wie Israel, ein einziges Volk auf Erden?" (2. Sam. 7, 23.). 7) Eine Anspielung auf den in der später« Geschichte dieser Sette durch die Rolle, die er spielte, bedeutend gewordenen Jakob Frank. Vrgt. Jost Gesch. d. israel. Volks, 11. Thl.S.471. — P. B ee r's Setten derZuden. U. Thl. S.309. 8) Zur Zeit des Messias wird auf der großen Posaune geblasen werden. 9) Das kann weiter ausgeführt und entwickelt werden z es wird aber dem Leser überlassen. Anmerk. des Epistolographen, 10) Dieses Gleichniß wird von dem dem Menschen inwohnenden bösen Trieb pn gebraucht. 11) Aegypten galt den Kabbalisten als Symbol des Götzendienstes und Irrglaubens. 12) niDiN^ ~ipn rpn ddo □’cyn ^h:ni “idnj V?n -hd1? -»irr xb xbn b)Nn “jina rfriDsn Tratä' idd n^pn D’Djjn ]d D3nN bnn.v; ienj nnj> in rbiDsn , iroia^ia -inmon n-nn; nbiDsn i>nn 8djn iiaD nih .mpn hV'n1? w p) oidj® nt«-mn pi msiDn p ihni 13) Ps. 119, 92. v Folgendes Gleichniß diene zur Erläuterung. Eine Geliebte wird von ihrem Liebenden, nachdem sie von ihm unendlich viele und kostbare Geschenke als Zeichen inniger Liebe erhalten, plötzlich verlassen. Jabre gehen dahin, der Liebende kehrt nicht wieder, sondern weilt in werter Ferne. Da sprechen zu ihr die schadenfrohen Gespielinnen, die ihr Liebesglück ihr beneiden: Er kehrt wohl nicht mehr wieder, eine Andere hat sein Herz gewonnen. Die verzweifelnde Ge-