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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 24 · p. Seite 535-536

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 24
Date
1851-01-01
Page
Seite 535-536 (sequence 55)
Language
German
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535 Aus den Briefen eines Sabb'atianers. Sorte sich barg, und verdient auch so nicht unbedingten Glauben. Sie sind von Worurtheil befangen, nicht ohne Parteilichkeit, und ihre lieblosen Aenßernngen über die Seete, ihre harten und schonungslosen Urtheitc über 'deren sittliches Leben, verdächtigen ihre Aussagen in hohem Grade. — Was P. Beer über die Sabbatkaner mittheilt, ist von Interesse, aber nicht neu. Er folgt größtentheils den übertreibenden Angaben zweier gegeil Dieselben fanatisch ergrimmten Rabbiner: deS unter den: Namen '{"2))' bekannten Verfolgers der Seete, Jakob Emde n; und des ebenso befangenen E l e a se c F l e ke l < s in seinem Buche nun** . Nur die auszugsweise mitgetheilten Br lese eines Hierophanten d er S ec t e an einen Aspiranten derselben verdienen Beachtung; weil wir hier ein Mitglied der Seete selbst sprechen hören, und sie als Dokumente considentiellcr Mittheilnng vollen Allspruch auf Glaubwürdigkeit machen können. Seitdem wurde uns über sie nichts weiter berichtet, obwohl sie noch immer nicht erloschen ist. Doch gibt sie nur noch schwache. Lebenszeichen von sich: ihre Mitglieder stehen jetzt weniger als früher in einen: ausgesprochenen Gegensätze gegen das Judenthum; zufrieden, wie es scheint, mit einem KryptosabbatäisinuS, und schwelgend irr den Rückerinnerungeil all ihre ehemaligen zur Vollbringung der heiligen Mission gesandten Apostel, verharren sie in einer gewissen Passivität. Um so eher dürften nachstehende Mittheilungen aus den B ri efen ei n eS S a b b a t i a n e rs nicht ullbedeutend erscheinen. Und wir würden Diese nach N'.ld nach sammtlich bekanntgeben, wenn das Interesse, das Referent daran gesunden hat, auch von andern Geschichtfreunden und Sachverständigen getheilt werden sollte. Die Briese wurden au: Anfänge gegenwärtigen Jahrhunderts von einem der geachtetsten und geistreichsten Mitglieder dieser Seete in P. an einm Novizen in Mähren geschrieben, unb haben sich abschriftlich in dem Nachlasse des Letztem vorgefunden. Referentell wurden sie von dem gesetzlichen Erbeil mitgetheilt. Ihrem Inhalte nach enthalten sie größtentheils Homilien, religiöse Betrachtungen/ Erklärungen biblischer Stellen, Reflexionen über die heilige Geschichte der Vorzeit urld Nachweisungtll über den Znsammenbang der weltlichen Ereignisse der Gegenwart mit der Urgeschichte Israels. Abgesaßt sind sie größtentheils in dem (bei den theologisch gebildeten Juden übtichell) sogenannten hebraisirend-dentschen Styl; mit zahlreichen Giraten aus der taltnudischen Agava, dem Sohar und den Midrasch i m. Jll mystisch - religiöser Anschauungsweise besangen, gehen sie im Allgemeinen von der Grnnda n sicht ans: daß die heilige Schrift nicht nach den: äußern Wortstnne, fcnbcvn nach ihrem iunecu doetrinalen Verständnisse gedeutet und erklärt werden muffe. Sie 536 erblicken in ihr den Typus aller künftigen Ereignisse, den Mikrokosmos für die Welt im Großen. Sie ist ihnen Substanz und Substrat eines Innern, eines Ideellen. Also, nicht was darin für den gewöhnlichen Leser liegt, gibt der biblischen Geschichte den Charakter der Heiligkeit; fonbern ihr innerer verborgener Sinn, der aber nur Wenigen klar wird. Die Grundbedingllng dazu ist der Glaube; aber nicht der Glaube gewöhnlicher Art, sondern ein ganz eigenthümlicher Glaube, den nur sie Haber: und den sie dem Einzuweihenden mittheiten; weswegen sie sich vorzugsweise ü'mxD „Gläubige" nennen. — Daß sie an Christus und an eine Mutter Gottes glauben, geht auö vielen Stellen dieser Briefe hervor. Dennoch genügt ihnen Vas in die Erscheinung getretene Christenthum mit seinen Bekelluern nicht; und noch viel weniger die ans demselben herallsgebildete hierarchische Macht. Aber sie erkennen im Christenthum, so lvie in jeder der beiden andern positiven Glaubensformen, eine innere Wahrheit an. Nachstehende Homilie erscheint als Auszugaus einem vor einer Versammlung am Festtage gehaltenen Vorträge, in welchem manche Anspielung und absichtliche Abbreviatur dem Uneingeweihten unerklärt und räthselhaft bleibt. Wir iheilen sie möglichst wortgetreu mit: Auch davon war die Rede, daß wir uns vor aller Welt besonders auszeichnen müssen. Alle Andern sind bei ihrer Bcrechunng mit sich selbst zufrieden; aber mit der Wett und ihren Vergnügungen unzufrieden. Anders ist es bei uns. Irr dem Abschnitte deS Gesetzes, der von den Erstlingen (ovp2 Deut. 26, II.) spricht, wird es dem Landmann, der die Erstlinge von der Frucht des Bodens nach Jerllsatem bringt, zur Pflicht gemacht, sich zu freuen mit all' dem Guten, das Gott der Herr ihm und seinem Hause gegeben Es sollte Der, welcher die Erstlingsspende vor den Priester brächte, sich lebhaft vorstellen, wie viel Gutes Gott ihm erwiesen, welche Mühe es gekostet habe, bis man in dieses Land der Verheißung gekommen, es in Besitz erhalten und jenen Ackcrthcil errungen, von dessen Früchten er nun die Erstlingsspende bringt; welche Mühsal Israel erlitten seit der Wanderung des Erzvaters Jakob2 3 4: damit er ein sehe, daß man nicht so leicht zur Ruhe gelangt sei. Wie sehr haben mt erst Ursache, uns zu freuen! Wir wollen nicht die gegenwärtigen Verhältnisse berühren^. So Mancher von uns kennt selbst den Weg 2) -prfo i'r&v 'n1 i? -\m 2m nriDBO. 3) I. c. vs. 5: V2N . 4) Die Abfassung 'dieser Briefe fällt gerade in jene Zeit, wo die Seete an vielen Orcen, und besonders in Prag, vielen Verfolgungen und gehässigen Insinuationen ausgesetzt war.

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