Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 24
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 533-534 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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533 Aus den Briefen eines Sabbatianers. 534 5) Behmenjär ben el-Marzuban, der persische Aristoteliker aus Avicena's Schute. Zwei metaphysische Abhandlungen von ihm, arabisch und deutsch mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Sal. Pop er. Leipzig, 1851, 8. Für den Literaturkreis dieser Blätter hat vorliegendes Schriftchen nur insoweit Interesse als daß theils der Herausgeber ein Rabbinatskandltat, der hier die Probe seiner Kennrniß des Arabischen ablegt und dadurch sich für seine spätere Thätigkeit auf jüdischein Felde eine mehr oder weniger gute Aussicht eröffnet, theils die zwei Abhandlungen selbst für die jüdische Philosophie des Mittelalters manchen Beitrag zu gewähren geeignet ist. Aber wie ersteres nur etwas Zufälliges und daher nur einen untergeordneten Moment siir die Anzeige hier abgeben kann, so ist in Bezug auf Letzteres sehr zu bedauern, daß Hr. P. alle Vergleichungspunkte mir den jüdischem Aristotelikern, wenn auch nur zur Ausheilung des jüdisch-philosophischen Idioms, vermieden habe. Schon das Lesen der erhaltenen zwei Abschnitte von el-Mukamnres oder des More Nebuchim hätte Hrn. P. unzählige Vergleichungspunkte dargeboten, wenn er für jüdisches Schriftthum auch nur ein geringes Interesse gehabt und selbst für das Arabische würde so Manches aus dieser Vergleichung ^gewonnen worden sein. Indeß da leider dies nicht geschehen, so mögen die werlhen Leser sich damit begnügen, hier ein Resume des Inhalts zu haben. Die erste Abhandlung „über das Objekt der Metaphysik^ behandelt ihren Stoff in 12 kleinen Kapiteln. Das Objekt der Metaphysik ist das Seiende und deren Adhärenzen und einige derselben verhalten sich wie Species zu gemus, andere wie Accidenzen. Die vier Principe (yXhS^tf der Spekulation, wie sie die jüdischen Philosophen in iDin rrbni ‘pjhd miSJ haben, sind die vier Ursachen; aber nur das verursachte Seyn hat ein Seynsprincip, keineswegs aber jenes Sein, aus welchem das verursachte erst emanirt. Die Metaphysik hat es mit diesem Seyn zu thun; in ihr forscht man über die erste Ursache oder es ist die Wissenschaft von den ersten Dingen. In diesem Sinne geht es durch alle Kapitel, indem Definition auf Definition folgt, gleichsam als logische Einleitung, um das Objekt der Metaphysik geistig zu fassen. Die zweite Abtheilung behandelt in fünf Kapiteln: L) die Abstufungen des seyenden materiellen Wesens, die ihnen allen gemeinschaftlichen Eigenschaften; 2) die Beweise zur Erhärtung der Wirklichkeit dieser materiellen Wesen; die Beweise zur Erhärtung der Wirklichkeit der wirkenden Intelligenzen; die Beweise für die Wirklichkeit der bewegenden Prinetpe der Himmelssphären so wie für deren Immaterialitar; 3) den Beweis zur Erhärtung der Wirklichkeit der menschlichen Seelen und deren Immaterialität; 4) Beweis daß ihnen nach der Trennung von der Materie eine Seligkeit zukomme u. s. w. Da die deutsche lieber! ctzung sich sehr gut liest- und vom philosophischen wie philologischen Standpunkte als höchst gelungen anzusehen ist, wie man es von der beihelfenden. Aufsicht.unseres verehrten Meisters der arabischen Sprachkunde, des Hrn. Prof. Fleischer, voraussetzen kann; da ferner die Anmerkungen, soweit die Kenntniß des Aristotelismus und der alten Philosophie überhaupt bedingen, ausgezeichnet sind.' fo kann ich diese Arbeit auch denen empfehlen, die des Arabischen unkundig sind und ich habe die lleberzeugung, daß für die jüdische Philosophie sehr Vieles daraus erlernt werden kann. Die Ausstattung ist sehr gut,' aber leider der Preis übermäßig hoch Aus den Briefen eines Sabbatianers. Mitgetheilt* von Prof. W. Wessely in Prag. Je mehr eine Erscheinung, die durch ihr öffentliches Hcrvorlretm eine Zeit lang die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, allmätig aus dem Leben zu verschwinunb der Geschichte anhcimznfallen droht, um so dringender wird die Aufforderung, jede Spur derselben zu verfolgen und Alles festznhalteri, was von ihrem dagewcseneir Leben Zeugniß geben kann: denn es ist das gewöhnliche Schicksal historischer Ereignisse, dast das Interesse für sic erst dann zu erwachen beginnt, wenn die Ueberlicferungen entweder schon untergegangcn oder mit völligem Untergänge bedroht sind. Das Gesagte gilt in seinem ganzen Umfange von einer jüdischen S e c t e, welche in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts entstand, und unter dem Namen der Sabbatianer oder Sabaatäer, d. i. Anhänger des Schabbatai Zevi, bekannt ist. Ueber ihre' Geschichte, religiöse Lehren und Ansichten herrscht noch tiefes Dunkel. Von den Anhängern derselben, mochten sie im Jndenthunr verblieben sein oder äußerlich einem andern Gtaubenöbekenntniß sich angeschlossen haben, ist darüber ein Schleier des Geheimnisses gezogen. Hub bis jetzt wurden sie zu keiner Manifestation ihres Glaubens veranlaßt*. Was aber von einzelnen Schriftstellern über sie berichtet wurde, betrifft meistens nur Aeußerliches, die Hülle, unter welcher diese Diese Mittheilung findet sich in der „Zeitschrift für die historische Theologie^ 1845'', und ist dem jüd. Publikum ganz unbekannt geblieben. Red 1) Das im vorigen Jahrhunderte von den FranListen abgelegte und in Lemberg gedruckte Glaubensbekenntniß rst so unbestimmt, daß man es demselben deutlich ansieht, diese Partei habe nur der an sie gestellten Forderung auf irgend eine Weise zu genügen gesucht, es sei ihr aber mit demselben kein Ernst gewesen. Einige derselben haben es geradezu in Abrede gestellt. 33*