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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 24 · p. Seite 497-498

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 24
Date
1851-01-01
Page
Seite 497-498 (sequence 17)
Language
German
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497 Assyrische Alterthümer. Diener und Dienerinnen zum Palastdienst, an. Dieses Alles nahm Sanherib an, sonderte darauf einen Lheil von Hiskias Dörfern ad, und nachdem er sie in Abhängigkeit von den .ihm treu gebliebenen Städten, als Hebron, Askalon und Kadyris gebracht hatte, kehrte er nach Assyrien zurück. Dies ist nun offenbar der Feldzug, auf welchen in der Schrift'(2 Kön. 18, 13-17) angespielt wird, und es ist vielleicht derselbe, welchen Herodot (2, 141) dunkel erwähnt und Josesus lib. 6. 1) näher beschreibt. Jedenfalls erstreckt sich die Uebere instim mung zwischen dem Bericht der heiligen Schrift und der gleichzeitigen Chronik Sanherib's, die ich hier copirt habe, selbst auf die Talente Silber und Gold, welche als Tribut gegeben wurden. Ich habe noch nicht mit der nöthigen Sorgfalt die Fortsetzung von Sanherib's Annalen untersucht, doch glaube ich, daß sich die meisten Ereignisse, welche von den Geschichtschreibern Polyhistor und AbydanuS jenem Monarchen beigelegt werden, in den Annalen' finden. Sein angeblicher Konflikt mit den Griechen an der Küste von Cilicren wird sich, meiner Vermuthung nach, in seine Unterwerfung der Stadt Javnai, bei Asdod, verwandeln —indem der Irrthum von der Ähnlichkeit des Namens Javncü mit dem von Javani oder Jonien, unter welchem die Griechen den östlichen Nationen allgemein bekannt waren, entstanden ist. Jedenfalls spielt Polyhistor, wenn er sagt, daß „Sanherib eine Statue von sich selbst als' ein Denkmal seines Sieges (über dir Griechen) errichtete und seine Heldenthat in chal-da'ischen Schnftzügen darauf zu schreiben befahl", auf die berühmte Tafel des Königs von Koyuujik an der Mündung des Nähr-al-Kolb an, welche den Annalen zufolge nach der Eroberung der Stadt Javnai ausgesührt zu fein schein!. Die einzige Kopie, welche von Sanherib's Annalen noch zu Koyunjik gefunden wurde, ist sehr unvollkommen und erstreckt sich nur bis zum siebenten Jahre. Die Reliquie, bekannt als Oberst Tayler's Cylinder, datirt von einem Jahre spater, aber ich habe nie eine Nachricht über die Ereignisse des letzten Theils seiner Regierung gesehen. Seine Negierung umfaßte aber, den Grieche^ zufolge, achtzehn Jahre, so daß sein zweiter Zug nach Palästina und die wunderbare Vernichtung seiner Armee 14 oder 15 Jahre später als der oben beschriebene Feldzug stattgefunden haben muß. So lange die Entdeckung einer vollständigen Reihe von Annalen nicht erfolgt ist, möchte ich natürlich nicht viel Gewicht auf die griechischen Daten legen, doch mag bemerkt werden, daß Hiskias zur Zeit der wunderbaren Vernichtung von Sanherib's Armee am Leben gewesen wäre, selbst wenn, wie ich conjekturirte, die zweite Invasion in Judäa 14 oder 15 Jahre später als.die erste geschehen wäre, denn der frühere Feldzug ist auf das vierzehnte Jahr seiner Negierung festgesetzt, und seine ganze Regierung umfaßte 29 Jahre. Ich will nur noch erwähnen, daß wir auf einem Cylinder im britischen Museum eine ziemlich vollständige Kopie der Annalen von Esarhaddon, dem Sohne Sanherib's, besitzen, 498 worin wir eine fernere Deportation von Israeliten aus Palästina und eine fernere Ansiedklung babylonischer Kolonisten' an ihrer Stelle erwähnt finden — wodurch uns eine Erklärung der Stelle im Buche Esrr (4, 2) gegeben wird, worin die Samaritaner von Esarhaddon, als dem Könige durch welchen sie verpflanzt worden waren, reden. Viele von den Zeichnungen und Inschriften, welche kürzlich von Herrn Layard aus Ninive gebracht worden sind,, beziehen sich auf den Sohn von Esarhaddon, welcher in Susiana, Babylonien und Armenien weitläufige Kriege führte, obwohl er, da seine Waffen niemals nach Westen vordrangen, in der Schrift nicht erwähnt worden ist, und unter dem Sohne dieses Königs, der von den Griechen Saracus oder Sardanapalus genannt wird , scheint Ninive zerstört worden zu sein. Iu dem Interessantesten bei dieser Entdeckung der Identität der assyrischen Könige gehört die Aussicht, die sich fast zur Gewißheit steigert, daß wir in dem Basreliefs von Kborsabad und Koyunjik Darstellungen von dem Meißel gleichzeitiger Künstler, nicht bloß von Samaria, sondern von jenen Jerufalem's haben, welches Salomo's Tempel, enthielt. Jch habe bereits die Samaritaner unter den auf den Marmordenkmalen von Khorsabad abgebildeten Gruppen von Gefangenen als solche festgestellt, und wenn ich genau die Lokalität der verschiedenen Basreliefs, welche von Koyunjik gebracht worden sind, werde kennen gelernt haben, so zweifle ich gar nicht, daß ich die Schaciren jüdischer Mädchen, welche dem Sanherib üb,erliefert wurden, werde feststellen und vielleicht das Bild des gedemüthigien Hiskias unterscheiden können. In einer Nachschrift fügt Oberst Rawlinson noch Folgendes hinzu: Man wird bemerken, daß ich in obiger Skizze die Frage von der oberen assyrischen Dynastie ganz unberührt gelassen habe. Die Könige, deren Identität ich erwiesen habe, und welche die sogenannte mitere Dynastie bilden, nehmen einen Zeitraum von etwa 74V —600 vor Christi ein. Vor Salmanaffar muß, wie ich glaube, ein Interregnum stattgefunden haben. 'Jedenfalls, wmn auch Salmanaffars Vater in einer Inschrift erwähnt zu fein scheint, giebt es noch keine Mittel, seine Linie mit der obern assyrischen Dynastie zu verbinden. Von jener Dynastie haben wir die Namen von etwa fünfzehn Königen; aber ich habe noch nie — und erwarte es auch in der That nicht — historische Synchronismen m ihren Annalen gesunden, welche zur Feststellung ihrer Chronologie dienen könnten. Bei meinem unbedingten Glauben an die Ehrlichkeit des Herodot und bei meiner Bewunderung seiner Genauigkeit im Allgemeinen möchte ich gen-eigt sein, seine Vegränzung der Dauer des Assyrischen Reiches auf den Zeitraum von 520 Jahren anzunehmen — bei welcher Berechnung die Gründung der Monarchie um etwa 1126 v. Chr. festgestellt und das Datum der frühesten jetzt im Museum befindlichen Marmordenkmale aus ungefähr ein Tausend vor Christo herabgesetzt würde. Aber zu gleicher Zeit möchte ich nicht ohne fernere Beweise irgend eine bestimmte Angabe über diesen Gegenstand wagen. 32

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