Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 23
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 439-440 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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MO 489 Sprüche des Talmud. Kulturgeschichtlicher Bericht über dieselben. lassen.. Als Anax.agoras — so erzählt Ae Li an (vermischte Nachrichten UI, 2) die Nachricht erhielt, daß seine 2 Söhne gestorben seien, sagte er, ohne außer Fassung zu kommen: „Ich wußte, daß es Sterbliche seien, die ich ge-- zeu Qt. habe." Als Hiob das Unglück seiner Familie erfuhr, hat ihm der Dichter die Worte in den Mund gegeben: „Gott hat es gegeben, Gott hat es genommen / Gottes Name sei gelobt". (Job 1, 21.) In diesen 2 einfachen Aussprüchen liegt die ganze, verschiedene Weltanschauung der Griechen und Juden. Der Unterschied zwischen der Unterwerfung unter der blinden Natur und einer alles anordnenden Allweisheit ist am klarsten in diesen Aussprüchen niedergelegt. Diesen flüchtigen Bemerkungen, mag sich noch ferner folgende aufchließen, über die Priorität der Gedanken und über den Werth derselben. Das Recht der Erstgeburt (rnirDn ist in der Geschichte der menschlichen Erkenncniß nicht so leicht zu verbannen, wie aus den adeligen Häusern. Wie jeder Eesinder über die Anerkennung der Priorität der Erfindung streng wacht, und es als einen Theil seines geistigen Ichs hält, so hat jeder, der einen guten Gedanken zuerst ausspricht, das Recht zu verlangen, daß andere, wenn sie diesen Gedanken benutzen, seiner erwähnen und sich nicht mit fremden Federn schmücken. ■ Der literaturkundige Leser kann bei spätern, im Verhältniß zur srühern Zeit, sehr leicht die Priorität ausfindig machen, weil man ohngefähr den Gang kennt, den die Ideen genommen haben; ber der altern Zeit kann man nicht immer zur Erkenntniß der Priorität gelangen, so Z. B. mit Stellen der H i t o p ad e sa und der Bibel, die zuweilen ähnlich sind/ man kann nicht behaupten, daß der Verfasser der Hitopadesa aus.fywü copirt hat, eben so wenig kann man das. Umgekehrte behaupten, wie dies Hitzig bei einer Gelegenheit that, in seiner Abhandlung: über das Königreich Mafia, (in Zellers Zeitschrift für Theologie). Die Weisen, die Verfasser beider Bücher, stehen jeder selbstständig da, und es ist um so interessanter zu sehen, w'i e und w o sie Zusammentreffen. Es ist dies der Fall auch bei den alten gr iechischeu Weisen,die ebenfalls ihre Anschauungen ursprünglich hatten, bei den Spätern von den Rö m ern angefangen, kann man größtentheils die Filiation mit altern Nachweisen. Alle Sprichwörter^ der ^modernen Völker sind ihrem größten Theil nach aus der alten cl ass i sch e n und.h e bräi sche n Welt entstanden, manche sind ganz wörtlich übergegangen, bei manchen hat sich die Form der Anschauung modifttirt. Und so kommt es, daß man dieselben Sprichwörter in den meisten Sammlungen findet. In-Bezug auf das n eue .Testam ent selbst, so ist der Zusammenhang mit dem altenin Bildern und Gleichnissen höchst übereinstimmend, und die Zahl der Parallelstellen' sind größer, als man gewöhnlich in den gedruckten Ausgaben desselben angezeigt,ftnbet>. So z. B. Matthäus 8, 10: „Die Füchse.haben ihre Gruben" u. s. ft, womit-3'3 3^2Q 3W2 DJ (Psalm 84, 4) zu vergleichen ist. - / Ebends. 10, 20: „der Geist — ist es./ der durch mich redet" u. s. f. wobei der . Leser gewiß an 13 333 7-| rrn (2. Samuel 23, 2) denken wird. Ebends. 10, 36: „Die eignen Hausgenossen sind Feinde" u. s. ft ist doch nichts anderes als irP3 .’BON 'ZPifr (Micha 7, 6). Ebends. 12, 34: „denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund". Hierzu liefert Hiob 32, 7 das D^D O die beste Parallele. Ebends. 13, 12: „Wer hat, dem rbird gegeben." Hiermit ist das pb'Drfc KTiDDin 3.3' (Daniel 2, 21) zu vergleichen. (Vrgl. unsere Btumenlese, S. 268, Nr. 15). Ebends. 19, .17: „Einer ist der Gute", das 3^^ 3D 'l (Psalm 25, 8) liefert das beste Seitenstück dazu. Ebends. 24, 28: „wo das Aas ist sammeln sich die Raben". Hierfür wird der Leser das ^1,3 D'^n (Hiob 39, 30) wohl als Seitenstück anerkennen. Oie Zahl derselben könnte sehr bedeutend vermehrt werden. Manche moderne Sprichwörter entspringen aus neutestamentli chen Anschauungen, die bei den Juden ebenfalls vorhanden waren und einheimisch blieben. So z. B. das bekannte deutsche Sprichwort: -„Ehen werden im Himmel geschlossen", scheint uns aus der neutestamentlichen Stelle (Math. 19, 6) entsprungen zu sein: „was Gott vereint hat, soll der Mensch nicht trennen". Kennt man diese Stelle, so erscheint uns der talmudische Ausspruch (wa-Iikra rabba 12 'd Cap. 8): d\3tpi JiiTD m"pn „Gott paart die Paare" nicht mehr lächerlich. Es findet sich das deutsche Sprichwort auch im Italienischen und lautet.: „ moglio e Magistrato e dal cielo ^destinato “ („Frau und Magistrat sind vom Himmel bestimmt"). In Bezug, auf die Bestimmung der Obrigkeit findet sich eine ähnliche talmudische Stelle (Jalkut 3py § 860) 'jj d^id 'i.n p-dd rra'pn. rwbw („Drei Dinge ruft Gott, selbst aus sd. h. bestimmt siej u. s. f. Vorsteher der Gemeinde") n. s. s. Zn Bezug auf das Vechältniß der modernen Sprichwörter zur Bibel überhaupt, bemerken , wir hier.blos, daß sich viele Bibelsprüche theils wörtlich, theils mit verschiedenen Modisicationen finden. Es ist nothwendig, die Urquelle zu kennen, um nicht voreilige. Urtheile zu.fällen über-den Cha-. rakter mancher Völker. Wenn z. B. Körte in seinen Sprichwörtern (Nr. 486) folgendes deutsche Sprichwort anführt: „Bekannt (Eingestcmden) ist halb gebüßt", nach folgender Parallele der Italiener sagt: „ pecato celato mozzo perdonato“ („die verheimlichte Sünde ist halb gebüßt nach diesen. beiden ausruft: „Wie viel frommer, ehrlicher, schuldloser ist das deutsche Sprichwort". Das deutsche Sprichwort— dies hatte K orte dazu bemerken sollen — ist nur ein modificirtervBibelvers..^^ 3U))1 331DI .