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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 23 · p. Seite 437-438

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 23
Date
1851-01-01
Page
Seite 437-438 (sequence 21)
Language
German
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438 Sprüche des Talmud. Kulturgeschichtlicher Bericht über dieselbe^ 437 zeugt. Sie lautet daselbst (Midrasch Kohelet zu dem Vers bzsn rra robb mc) — "pn nbaT id’d nbn by pcwra nabi„ „Warum schlägt man auf das Herz?" anzudeuttn, „alles, (Sünde und Veranlassung dazu) ruhet dortDiese Stelle ist dem Sinne nach mit dem Ausspruche verwandt (Mat. 15, 19) „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken" u. s. f. (Vrgl. unsere Blumenlese S. 193, Nr. 430.) Manche dieser Parallelen, die sich auf Gegenstände des gewöhnlichen Lebens beziehen, sind nützlich, man erstehet daraus, wie man den Gegenstand betrachtet hat. Folgende Sprichwörter über das Verhältniß der Schwiegermutter zur Schwiegertochter, welches gewöhnlich nicht harmonisch ist, mögen als Beispiel dienen. Ein altes hebräisches Sprichwort sagt: nnion dj? nba *idj bs« ’U in1 dn (»rgl. unser Buch- „zur Kenntniß" u.s. f. S. 139 Nr. 14). Ein spanisches Sprichwort sagt: „A. quella es bien casada, que no tiene suegra ni cunada“, („Diese ist gut verheirathet, welche weder Schwiegermutter, noch Schwägrin hat"). Die deutschen Sprichwörter über diesen Gegenstand sind zum Theil sehr massiv, von acht germanischem Schrot und Korn. Es heißt daselbst unter andern: „Schwieger, Lieger". Ferner: „Schwiegermutter, Leufelsuntcrfutter". Endlich gar, was mit dem deutschen Gemüth, wie so manches andere, schwer zu vereinigen ist: „Die beste Schwiegermutter auf der Gänseweide" (oder: „die im grünen Kleide wohnt" d. h. die auf vem Friedhof liegt.) Haben wir die Ansichten verschiedener Völker in ihrer Uebereinstimmung über einen Gegenstand des gewöhnlichen Lebens vernommen, so führen wir hier einige Ansichten über einen speciellen Gegenstand vor. In den Sprichwörtern liegen auch mehre Urtheile über gewisse Stände und über gewisse Arten von Bcrufsgeschäften. Eine Vergleichung solcher Sprichwörter lasten einen Liefen Blick in die Zustände der Gesellschaft thun, und sind demnach für die Kulturgeschichte der Menschheit von Interesse. Wir heben hier 2 Aussprüche über Metzger und Müller heraus, sowie 2 andere über Aerzte und Juristen. Ueber Letztere hat die Satyre seit Jahrhunderten ihre Geißel geschwungen und es ist auch gut ein gewöhnliches Sprichwort darüber zu vernehmen. Hören wir die Aussprüche über Metzger, Schneider, Müller und Weber. Im Talmud lesen wir die für uns etwas seltsame Stelle, die das ächte Gepräge eines orientalischen Lakonismus an sich trägt, und welche lautet: phoy TDfW DTIDDDttf 31D . („Der beste der Metzger ist der Genosse von Amalek"). Wir erklären diesen harten Ausspruch dadurch, daß die Metzger sich damals durch allerlei Betrügereien ausgezeichnet haben müssen. In Deutschland waren ehemals die Müller, Weber und Schneider sprichwörtlich, vor uralter Zeit, berühmt durch ihre Neigung zum Uebervortheilen. Ein deutsches Sprichwort sagt von ihnen: „Müller, Schneider und Weber werden nicht gehenkt, das Handwerk ginge sonst aus" (Körte, deutsche Sprichwörter Nr. 4324). Bon den Juristen sagt das deutsche Sprichwort: „der beste Jurist, der schlimmste Christ". Im. Talmud heißt es: D'NDraiy DUO („den besten der Aerzte in die Hölle"). Dieser Ausspruch des Talmuds, der den Commentatoren so viele Mühe gekostet hat, scheint uns mehr den Sinn in sich zu schließen, als wenn wir sagen „etwas in die Hölle wünschen". Der Talmud meint, der beste Arzt kann zur Hölle fahren mit seiner lateinischen Küche, er kann doch nicht alle Krankheiten heilen u. s. f. Daß das Heilen an und für sich nicht verboten war, beweist doch außer der Geschichte, noch manche Stelle des Talmuds, z. B. die im ersten Augenblicke etwas seltsam klingende. N1LN HJrW. (Brgl. über diese Stelle unsere Einleitung zur Blumenlese S. 295. f.)~ Diese und ähnliche Parallelen sind die wahren geheimsten Atome, woraus die Kulturgeschichte bestehet, leider aberhaben die Kultur-Historiker bis jetzt sehr wenig Rücksicht auf ähnliche Dinge genommen. Manche dieser Parallelen sind geeignet, eine ganze Zeit oder ein ganzes Volk mit einem Blick übersehen und ihre geistige Eigemhümlichkeit in einem klaren Bilde auffassen zu 2) Außer der Stelle, die wir nachträglich im Literaturblatte des Orients 1847 (S. 473, Note 9) gaben, wollen wir die Leser noch erinnern, daß die Zeitungen vor einiger Zeit als daS Chloroform entdeckt wurde, von England aus die Nachricht brachten, daß die Theologen sich gegen die Anwendung ausgesprochen haben. Der Talmud konnte das Chloroform — welches den Menschen gegen körperlichen Schmerz unempfindlich macht, und also für Operationen sehr geignet ist — nicht verbieten; denn was ist denn der Unterschied,, ob man eine Krankheilt heilt, oder ob man durch die Anwendung eines Mittels den Schmerz vernichtet? Gott har — sagen die englischen Theologen — den Schmerz dem Menschen auferlegt, und es wäre ein Eingriff in die göttlichen Bestimmungen, denselben vernichten zu wollen. Es war dieses besonders zur Sprache gebracht, als man das Chloroform auch bei Geburten anwenden wollte. Ähnliches hat man auch vorgebracht, als die Aerzte Präservative gegen den Ansteckungsstoff der venerischen Krankheit entdeckt haben wollten. Wir lassen einen berühmten Arzt darüber sprechen: S’il existait nn speciftqne eertain contre la contagion, faudrait-il le faire connaitre? — Hui, bien certainement, quoi-qu’ un medecin estinie, dans un ouvrage tout recent, n'epargne pas le blame ä ceux qui seraint tentes de faire connaitre des specifique contre la contagiun (Parent-Duchallet, De la Prostitution 11. 516).de telles idees n’ont plus cours parmi les medecins; on ne peut guere Jes retrouver que dans le bref du pape (1826), qui frappe d’anatheme un inoyen preservativ bien eonnu, et qui donne, entre autres motifs, celui-ci: qu'un preservatif entrave les decretes de la providence, gui a vouiou purtir les creatures par ou eiles avaient peche — (Traite des Maladies veneiiennes —• par G. de St. Gervais, Paris 1841, 8. 574). 28*

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