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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 23 · p. Seite 433-434

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 23
Date
1851-01-01
Page
Seite 433-434 (sequence 17)
Language
German
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433 schwachen Begriff geben, von dem was sie waren. Also Dftn HND1 ntoo -tüSre'-gü übersetzen „der Traum ist die verwelkte Prophezeiung" u.s. f. Wir sagen: „ein schwacher Abdruck" oder ähnliches. Im Talmudischen wird dafür' gewöhnlich das Wort ^z-Q„nach Art" gebraucht, z. B. pyn ,, eine Art des ewigen Lebens" ein Vorgeschmack desselben. ' Ebenso wird das biblische nmp (Kahlheit) in der Phrase nmp n&W „etwas kahl machen" d. h. eine Lücke hineinbrmgen, (Jalkut Esther § 1055) ax nmp IDNn ' NötP ssNOpQD nwiy „du wirst vielleicht sagen, ich werde Kahlheit in deinem-Reiche verursachen". Wie man im Deutschen .auch vulgär hier und da figürlich sagt: „die Sache hat ein Loch bekommen" (Auch diese Phrase fehlt bei Buxtors). Diese und ähnliche Ausdrücke sind in einem Lexicon besonders zu beachten. Es hat jede Sprache solche Wörter und Phrasen, die bezeichnend sind, und die eine sehr klare Anschauung von einer Sache geben. Wir wollen aus der deu tschen Sprache nur ein solches Wort anführen, welches wir für ein neues provincielles gehalten haben, welches aber alt und wie es scheint hochdeutsch iß. ES ist dies das Wort „ S iema ndel", welches -in Wien von einem Manne gebraucht wird, dessen Frau das Regiment führt. Man sagt von demselben „er ist ein Sie mandel". Wir haben dieses Wort schon bei dem alten Weidner (der Teurschen Apophtegmatum rc. re. Amsterdam 3655, Th. 4, S. 166) gefunden , „so daß er keiner Frauen Sie mann sei". Wir wissen nicht, ob dieses Wort von Adelung und Campe in ihren Wörterbüchern ausgenommen worden ist, jedenfalls verdient es ausgenommen zu werden. L Einige Sprichwörtliche Redensarten und Sprichwörter des Talmud's. L) iran ]rm jnriN . „Das Letzte ist das Vorzüglichste" (wörtlich: das Letzte ist geliebt). Aehnlich das deutsche' Sprichwort: „das Beste spart man auf -die Letzte". Das Französische: „au dernier Sts bons (sc. fiuits)“. (Dem Letzten die besten (Früchts") drückt dasselbe aus. 2) -pro iino ->A iwn jw . „Das Licht (der Werth desselben) wird nur durch die Fmsrerniß erkannt". Das italienische Sprichwort: „il bene non ben si conosce se non quondo si perde“* („Das Gute erkennt ,.n\cm erst dann vollkommen, wenn man es verloren hat") kann als Seitenstück zu unserm talmudischen Spruche dienen. 3) pyaw p ppp ntoD om Npi ndp wn nM>n . (n'V n'o D’nDD) Npitra wn „Ware dieser Tag nicht, so geb« cs gar viele Joseph den Simon". Der Sinn dieses Ausspruchs wird klar, wenn man weiß, bei welcher Gelegenheit er gesagt wurde. Derselbe wird dem 434 N. Joseph zugeschrieben, welcher ihn bei Beendigung des Traktats gesagt hat. Derselbe wollte damit sagen, der Unterschied zwischen ihm und vielen andern, die 'ebenfalls Joseph heißen, ist bloß der, daß er was gelernt tyaty und die andern nicht. Das Allgemeine dieses Ausspruchs, weshalb wir demselben ein Plätzchen hier gegönnt haben, ist der, daß nicht der Titel eines Menschen, sondern der Grad seiner wirklichen Kenntnisse ihm den Werth giebt. Nicht alle Doctoren haben etwas gelernt, es sind mehrere darunter, die bloß das sind, was ein it alienisch er Ausdruck bezeichnet: „Dottor della Necessita“ (Ein Doctor der Nothwendigkeit d. h. Ignorant) und in diesem Sinne sagt auch ein sra nzö sisches Sprüchwort^ „fl raut mieux etre docte que Docteur" (es ist besser, gelehrt zu sein, als ein Doctor" d. h. den Titel Doctor zu führen). Diesen talmudischen Spruch kann man auf diejenigen sprichwörtlich anwenden, welche auf den Lorbeeren ruhen, die sie pflücken werden. Rivarol sagt sehr geistreich von dieser Art Leute — deren Zahl übrigens nicht klein war und jetzt auch noch nicht klein ist — „i esfc un terrible arantage que de ’n avoir rien fait, mais il ne faut pas en abuser“ („Es ist ein schrecklicher Vortheil nichts gethan zu haben, aber man muß dieses nicht mißbrauchen"). 4) no!? rpns D'DDn ncbn ber pt>in nrro P’dn . (d'y v"' t'ty) „Auch die gewöhnlichen Gespräche der Gelehrten, sollen auch beachtet werden" (wörtlich: müssen auch gelernt sein). Unter rTn nrro verstehet der Talmudist die gewöhnlichen Gespräche (Bonmots, Anekdoten), die nicht auf das Gesetz Bezug haben. Man könnte dieses ohngefähr wie die Ana (Menagian'a, Huetiana, Scalegrana 20. rc.) betrachten. Diejenigen Leser, welche die genannten Werke kennen, und Eckermanns Gespräche mit Göthe könnte man ebenfalls zu dieser Ctasse zählen, wissen, daß dieselben Marsches enthalten, welches ohne Belang ist, der Leser liest's aber dennoch mit Vergnügen, weil man Vorthekle über Männer, Bücher und Sachen in der ungeschmücktesten und einfachsten Art erfahrt. Der Reiz, den die Memoiren haben, beruhet ebenfalls nur darauf. 5) rjyita nby ruip-te») du» hddd nabiy mp »' . (n'V i"1 fj>) nriN „Mancher erkauft sich seine Welt (das ewige Leben) in vielen Jahren, und mancher in einem Tag". 6) norn rfe nora Nim p . Midrasch Kohelet S. 88 b zu dem Vers mil ytyin . Es scheint dieses eine sprichwörtliche Redensart gewesen zu sein und heißt wörtlich: „weil dieses in der Sonne (geschmolzen ist), so gehet alles in der Sonne auf". Es wird nämlich an die Stelle (Kohelet 7, 17) folgende interessante Reflexion angeknüpft: (f, r\ nSlp) ' n:nn ytsnn Nim id iD'n n^i n^? '!» iraai toid 'i p« ' riDriD ,i!?d nonq 28 Sprüche des Talmud. Kulturgeschichtlicher Bericht über dieselben

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