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Der Orient · 1851-01-01 · Heft 22 · p. Seite 363-364

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 22
Date
1851-01-01
Page
Seite 363-364 (sequence 27)
Language
German
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383 364 Nachträge von Lreuerifels. sten Wendepunkte der jüdischkn Geschichte,, und die Ansichten jenes Mannes über den Kanon, die gewiß nicht blos seine individuellen waren, zu erforschen, suchte und nebenher über einige kanonische und apokcyphische Bücher Untersuchungen anstellte.- so giebt es sicher wichtigere Gegenstände für das menschliche, auch speciell für das theologische Nachdenken, aber für ganz nutzlos wird es kein Kundiger halten.. — Ich rede hier natürlich nur von dem Gegenstände, den ich zur Besprechung gewählt, nicht von dem was ich dabei geleistet habe, worüber mir.kein Urtheit zusteht. Daß aber in einer solchen Monographie Details, ja Minutissima, nicht zu vermeiden sind, wird Jeder wissen; ja nur solche und das Streben, den Gegenstand möglichst erschöpfend zu behandeln, können ihr einen Werrh verleihen. Es kommt bei einer solchen wohl weniger auf die unmittelbaren Resultate an, als auf diejenigen, welche die Bearbeitung größerer Gebiete aus ihr ziehen kann. So hält es der-Freund unter andern für überflüssig, daß ich alle Stellen ausgezeichnet in denen Josefus die Chronik benutzt; es ist wahr, daß 3 — 4 schlagende Stellen das Nöthige bewiesen hätten, aber vielleicht kann später Jemand diese Zusammenstellung selbst gebrauchen. Aehnlich verhält es sich mit den oft gehäuften Belegstellen und Erraten; es wird nicht verlangt, daß der Leser sic sammt und sonders einsehe, aber wer gerade einen Punkt genauer betrachten will, der ist der Mühe des Zusammensuchens überhoben. Freilich ist dann das ganze „Kärrnerarbeit^, aber cs fragt sich, ob die ,, Könige " der Wissenschaft ohne jene etwas fertig bringen können. Es kann Jemand durch feinen Takt geleitet auch ohne Eingehen auf Speeialitäten das Richtige ahnen, errathen; aber es fehlt die Kraft des Beweises , und ein einzelnes übersehenes Faktum, eine unbeachtete Notiz, ein Wort reicht oft hm das ganze Gebäude Zu stürzen. Es ist in allen Zweigen der Erkenntniß so. Ein Milligramm, von einem Stoffe, bei einer Analyse übersehen,/von einem Andern nachgewiesen, wirft die glänzendste Hypothese um. Selbst die negativen Resultate genauer Betrachtung des Einzelnen haben mehr Werth als prunkende, positiv-auftretende Gesammtanschauungen. Nicht so leicht ist es mich gegen, den Vorwurf der Weitschweifigkeit zu vertheidigen, darüber, daß ich nicht blos Resultate gegeben, sondern auch den Weg, auf dem ich zu denselben gelangt bin, vorgelegt habe. Die Absicht und Ansicht, die mich dabei leitete, war diese. Es wird mitunter nöthig, gewisse seit längerer Zeit vernachlässigte Partien in der Literatur von neuem und von Grund aus zu durchforschen. Man bemerkt bei solchen leicht, daß das Neueste was darüber gesagt wird, auf uralten'Vorarbeiten ruht; die Standpunkte der letzteren sind dann längst verlassen, das Ganze als irrtümlich verworfen, das Einzelne aber pflanzt sich noch fort, weil sich Niemand die Mühe nehmen mag es von neuem zw betrachten; so wandern Jrrthümer aus einem Lehr- und Handbuche in das andere und eine neue Sichtung wird erforderlich. Eine solche wird in der Regel auch nicht ganzerfolglos. sein.. Die Wissenschaft gleicht hierin nicht dem Schachte, der einmal abgebaut kein neues Ausarbeitm lohnt, \ sondern dem Saatfelde das nach langer Brache reicheren Lohn verspricht. Was insbesondere die biblische Kritik betrifft, so weiß der Kenner wie schwankend hier noch immer die Grundlagen find und zwar rührt dies, neben, denr Mangel an.hinreichend festen Ausgangspunkten und den divergirenden theologischen Parteistandpunkten, vielfach davon her, daß Neuere Dinge als von den Vorgängern erwiesen hinstellen, die bei f t Diesen, nichts weniger als erwiesen sind. Et läßt sich ein Satz oft durch verschiedene Generationen verfolgen; bei A ist ' cr Vermuthung, bei B Wahrscheinlichkeit, bei C Gewißheit, ohne daß B und C irgend neue Argumente vorgebracht hätten. So schwebt am Ende die ganze Partie in der Lust, „ein Berg an einem Haar". Die Gegenstände meiner Abhandlung sind nun in dem abgelaufenen halben Jahrhundert [ . nicht neu behandelt worden, es müßte mir denn Wichtiges selbst dem Titel nach unbekannt geblieben sein. Oie Neuesten verweisen immer noch über den Kanon des Josefus aus die Abhandlung von Schmidt, über den apokryphischen Esra j auf die von Trendele nburg, erstere aus dem Jahre 1777, |; diese aus dem I. 1787; Eichhorn setzt zu diesen gar nichts, | Berthold wenig hinzu, Neuere haben beide Gegenstände f nur nebenher berührt und mit einigen Bemerkungen und Ver- { Weisungen auf jene Schriften abgemacht. Daß dadurch alte Jrrthümer fortgepflanzt^ wurden, habe ich an verschiedenen - Punkten nachgewiesen; die Behauptung, daß Josefus den Bibelkanon unzweifelhaft ganz in seiner heutigen Gestalt gehabe, steht unter diesen nachgefprochmen Dingen oben an. Ich wollte daher in der That ab ovo anfangen, die Grundlagen nach Möglichkeit feststellen, nichts auf Treu und Glauben annehmen, aber auch nicht abgeben. Ich wollte den sachkundigen Leser die Untersuchung, rnitmachen lassen, daher nicht nur meine Ansicht beweisen, sondern auch mögliche entgegenstehende zurückweisen. In Handbüchern und größere Komplexe behandelnden Werken geht das nicht, wohl aber, in speciellen Abhandlungen. Einiges Neue, vielleicht auch Wahre, hat sich dabei gefunden; wo das nicht der Fall, da ist wenigstens das Frühere neu und stets, denke ich, von dem heutigen Standpunkte der Wissenschaft aus, bestätigt. Daß ich darum doch nicht alle Notizblätter und Papierschnitzel dem Aussatze einverleibt, wird man wohl bemerken. Vielfach würde ich mich. indessen kürzer gefaßt haben, wäre nicht die Arbeit nach und nach, wie sie erschien auch niedergeschrieben, mithin oft unterbrochen worden und wenn mir die literarischen Hilfsmittel gleich anfangs besser zu Gebote gestanden hätten. Durch Beides war ich oft genöthigt, auf Erledigtes zurückzukommen. Uebrigens habe ich schon int Eingänge der Abhandlung über den Kanon des Jos. darauf I hingewiesen, daß der erste Artikel nur das Material sammeln und sichten solle; der zweite wird dasselbe benutzen und verarbeiten. Einzelheiten und Kleinigkeiten werden sich dabei nicht sosehr in den Vordergrund drängen und ich hoffe dabei

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