Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 22
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 345-346 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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3m* Kultur- und Literaturgeschichte der Z.uden in Wem 346 345 Me giltst Esther genannr^la. Er hat nur die Esthergeschichte zum Gegenständed. h. er ist ein Midrasch über das Buch Esther, in dler Weise der Pesikta und desLanchuma, aber mehr ausschmückeilde Sagen als midraschische Erläuterungen enthaltend. - Der . s bereits erwähnte Jalkut theilt daraus zum Buche Esther acht Fragmente mit, und viele Stücke mögen noch daraus-gezogen sein, ohne daß die Quelle angemerkt ist. Auch die Citate daselbst zu andern Büchern2^ wovon wir zwei, haben, (also. zusammen 10 Fragmente) standen bei ihm zum Buche Esther. Wie Midrasch Abchir so hat auch diesen- Ajarja de Rosst handschriftlich gesehen2^ und auf zwei Bibliotheken hat er-sich noch handschriftlich erhalten^", sechs Blatt Folio umfassend. — 2) Midrasch Milch amot Bene Jakobs, d' ein Midrasch über die Kriege, welche die Söhne Jakob's geführt haben sollen gegen die 'Edomitrr und Kanaanaer, auch Midrasch wa-Jissu, wegen des Anfanges zu Gn. 35, 5, benannt216, welches bedeutende Stück des Anfanges schon der Jalkut^ mitgetheilt. Wie der vorige, ebenfalls noch erhaltene Midrasch, die Esthersage, und was mit ihr zusammenhängt, im phantastischen Gewände der erfinderischen Volkspoeste ausschmückt, ebenso verfährt unser Midrasch mit der Kriegführung und mit den Heldenthaten der Söhne Jakob's» über welchen Gegenstand in der Schrift nur ein einziger Vers (Gn. 35, .5) eine kaum dunkle Andeutung giebt; aber er unterscheidet sich in der Form bedeutend von jenen, indem er seine Sagen in fließender, schöner Sprache und zusammenhängend, fast im Rednerstyle oorträgt, während jener mehr nach der Midraschweise seinen Gegenstand fragmentarisch behandelt. Der hier besprochene Midrasch liefert den Beweis, daß man schon im siebenten Jahrhundert die Sagen in gefällige unterhaltende Formen zu gießen begann, was in der folgenden Periode noch in höherem Maaße angestrebt wurde. Was nun die Erwähnung oder Benutzung dieses Midrasch anlangt, so hat ihn schon das zwischen 760—960 entstandene Sefer Ha-Jaschar 211 a) Ms. Oppenh. Fol. N. 905. Unter dem Namen Midrasch Esther gedenkt desselben der Verf. des Schilte ha- Gibborim, Vorr. 212) Jalkut ll. 9e 153 a. — , 213) Meor Enajim c. 57. — 214) In der Oppenhelmer'schen Bibliothek Folio N. 905, wo es ausdrücklich heißt, daß die Esthergeschichte der Kreis seiner Darstellung ist und daß es Abba Gorion beginnt. In der de Rossi'schen Bibliothek ist es Cod. 563 N. 5. — 215) So bei Moses Rachmani in seinem Pentatcuch- Commentar, par. wa-Jischlach; diese Benennung ist auch dem Inhalte ganz angemessen; nur steht Sefer für Midrasch, was zu. emendiren ist. — 216) Unter diesem Namen ist dieses Sagenbüchlein zu Anfang des 16. Jahrhunderts zu Konftantinopel gedruckt worden (de Rosst, Annal. sect. 16, pag. 49, N. 43; Asulai in Schem 11. 25 b). Der Verf. des Schilte Ha-Gibborim, Vorr. citirt auch diesen Midrasch unter diesem Namen (Seder Ha-Dorot 170dj. — Handschriftlich ist es in der Oppenh. Bibl. (Kat. Q. n. 235). 217) Zu Gn. 35, 5. — 218) Zunz 1. c. S. 155. — ausgebentet, wo es aus dasselbe Lhema gekommen; der in der ersten Hälfte des. 11. Jahrh.'s entstanden sein sollende Jalkut hat, wie erwähnt, bereits ein bedeutendes Fragment daraus mit Nennung der Quelle mitgetheilt, und den Später» ist es natürlich auch nicht unbekannt geblieben21". — 3) Dibre ha- Jamim fchel Mosche, d. h. die Geschichte Moses, worin aber blos die Gebure Moses, seine 7 Namen, seine Kindheit und Jugend, die Geschichten über den Wunderstab, sein Auftreten als Befreier iu fl w. erzählt, und mit den schönsten Sagen, woraus alle in der muhammedanischen Legende geflossen, geschmückt wird, ohne jedoch daß die zweite Periode seines Lebens mit in den Kreis gezogen ist226. Dieses treffliche Sagenbüchlem, das wir schon oft gedruckt besitzen221, stellt die Moses -Sagen, so weit sie die erste Periode seines Lebens betreffen, in einem lieblichen leicht hinfließenden Style dar, und hat somit viele Aehnlichkelt mit dem vorhergenannten, das sich ebenfalls durch einen fließenden Styl auszeichnet. Diese Dibre Ha-Jamim scheinen schon vor wa-Iikra Rabba und Schemot Rabba2^ bekannt gewesen zu sein, der Jalkut gibt daraus sehr bedeutende Fragmente2^, und von 1100 ab erwähnen es die bedeutendsten Lehrer in Europa22^«. — 4) Midrasch Petirat Mosche, d. h. ein Midrasch über das Hinscheiden Mose's, gleichsam als Ergänzung des vorigen, die letzte Epoche des berühmten.Gesetzgebers behandelnd. Dieses Sagenbüchlein, 219) Mos. Nachniani, Pent.- Comm. par. wa-Jischlach; Schilte ha - Gibborini, Vorr.; Asulai, Schem 11. f. 25 b. — 220) Diesen Inhalt könnte man schon aus den mitgethtilten Fragmenten des Jalkut, die sehr bedeutend sind, entnehmen, wenn wir auch das Buch selbst nicht vor uns hätten.— 221) Es erschien zuerst in der veranstalteten Sammlung Kstpl. 1516. 8, mit noch andern Piecen, wo unser Dibre ha' Ja mim fast den ersten Platz einnimmt. Dann als diese Sammlung bereichert Venedig 1544, 8 erschienen, dann besorgt von Niffirn Schoschan Venedig 1605, 8, dann Paris 1629, 8. Im Jahre 1720 ist es in 12, aber 8. 1., erschienen, und zwar in Verbindung mit Eldad Ha-Dani und Maasiot Ha-Talmud.— '222) Vgl. wa-Iikra Rabba 165 de mit Dibre Ha-Jamim 4a; Schemot Rabba 1186. — 223) Jalkut Schimeoni 1. p. 51a, 51 c, 51(1, 52a, 52c, 546, jedoch steht zweimal dafür Dibre Ha-Jamim Ha-Aruch, was freilich auf das Sefer Ha-Iaschar hinweist, jedoch dort selbst aus der Lebcnsgeschichte Moses geschöpft sein kann. — 224) Natan den Jechiel im Aruch (Rap. Natan Anw. 43) in Italien, Abraham Jbn-Esra zu Ex., sowohl im großen (e. 2, 22) als auch im Kurzen von I. S. Reggio (Prag, 1840. 8) edirten (S. 6), nachdem er ihn gewiß in Spanien kennen gelernt, und R. Samuel b. Meir in Frankreich in seinem Pentateuch - Commt. zu Num. 12, 1, und die Kunde dieses Sagenbüchleins in Italien, Frankreich und Spanien setzt eine bedeutende Zeit voraus, die zur Wanderung von Babylonien in diese Länder nothig war. Bei dieser Gelegenheit verdient es bemerkt zu werden, wie selbst die bessern Zelten im Mittelalter den Begriff der Sage gar nicht gefaßt haben und dergleichen Werkchm oder Werke entweder als wirkliche Geschichte angesehen, oder dagegen sich ereifert, wie Jbn-Esra es hier gethan, als wäre die Sage etwas Verwerfliches. —