Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 22
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 343-344 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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343 344 Zur Kultur- und Literaturgeschichte der Juden in Asien. zu verfassen, und unter diesen mußte natürlich die midraschische Bibelauslegung, worin damals die Exegese ihren Ausdruck gefunden, und die ursprünglichen grammatischen.und masoretifchen Elemente gehören, die schon früher in Palästina durch Einfluß der syrischen Literaturblüthe, zusammen die midraschische Exegese ausmachend. Die derartigen Schriften vor oder aus dem siebenten Jahrhundert sind: 1) Hilchot Dikduke Lora we-Dkkduke Soferim, d. h. Vorschriften und Halacha's über Schreibung des Gesetzes für den Gebrauch in den Synagogen, wie über die Schreiber, worin aber grammatisch-masoretische Regeln (Dikdukim) mit verflochten waren. Diese Halacha- Sammlung erwähnt schon Simeon Kahira in seinen großen Halachot2o^; und nach den: Inhalte des saborälschen Traktats Soferim'zu schließen, wo ebenfalls schon einzelne Stücke der Masoca und der grammatischen Beobachtung sich finden, so haben sie zahlreiche Bestandtheile dieser Art enthalten, und die Ausdrücke Dikduke Torr und Dikduke Soferim sind sogar schon im talmudischen Zeitalter bekannt worden. — 2) Midrasch Tha'ame Chaserot wi-Ieterot d. h. ein Midrasch über die Gründe der defectiven und Plenen Schreibung gewisser Wörter der Schrift, wie auch über gewisse dem Zusammenhänge nach abnorm erscheinenden Sprachformen, um daran gewisse Hagadcsts oder Halacha's zu knüpfen. Diesen Midrasch hatte noch Moses ben Jakob aus Concy, der Schüler Sir Leons und Verfasser des Werkes Sefer Mizwot Gadol (im Jahre 1250), wie auch der Lehrer Sir Leon selbst (Iehuda b. Isaak aus Paris «t. 1224), indem beide eine Stelle aus demselben anführen^. jotzk aber ist er wahrscheinlich, wie auch die Hilchot Dikduke Tora verloren, da in den Bücher-Verzeichnissen leine Spur davon sich entdecken läßt. — 3) Midrasch Abchir2^/ Midrasch über den ganzen Pentateuch in der Weise der Rabbot, und wie diese in Kapitel (Parascha's) getheilt.^^. tZv enthält auch manches Masoretische, gleich Pesikta und Ielamdenu, das mit der Gemara widerstreitet2^. Der berühmte Agadist Simeon (b. Chelbo) Kara, welcher in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts in Frankreich blüfyete205, gibt schon zahlreiche Auszüge aus diesem Midrasch Abchic in seinem Riesen- 201) Halach. Ged. p, 143 d. Eigenthflmlich ist es, daß dort zwischen kleinen (Ketannot) und externen (Chizonot) Traktaten unterschieden wird. Der Schriften beider Klaffen sollen es nach Simeon (1. e.) unzählige gewesen sein. 202) Sefer Mizwot Gadol § 20. Tosafot zu Berachot 34a. — 203) So genannt, weil er mit den Worten: „Abchir ka- Joledcr" ansing. — 204) Ialkut Schimeoni 5d wird Abchir Gn. c. 12 angeführt. — 204 a) Me or Enajim c. 15. ■ ‘ 205) Vgl. über ihn Rapaport in Kerem Chemed VII. S. 4—18. Ich setze hier freilich die Rap.'sche Ansicht [q[$ richtig voraus. Uedrigens kommt bei Benutzung des Ialkut hier durchaus nichts darauf an. werke2«" Ialkut (Schimeoni), und wenn auch dort nur Midrasch-! Stellen zu den ersten zwei Büchern des Pentateuch's ange- .; führt werden, so mag wohl dieser Midrasch bei seiner ,Wanderung von Babylonien nach Frankreich einen großen Theil eingebüßt haben. Vor Simeon Kara scheint dieser Midrasch schon Saadja Fajjima (93.3) bekannt gewesen Zu sein, da er bei einer Gelegenheit in seiner Religionsphilosophie2«" diesen im Sinne gehabt zu haben scheint: hingegen ist es wohl möglich, daß die Anführung von 'Elasar den Iehuda aus Worms in seinem Hauptwerke2«" dem Ialkut entlehnt ist, da sie mit den Anführungen im Ialkut übereinstimmt2«". Auch das bekannte Sefer ha-Ja schar, welches innerhalb der Periode zwischen 760 und 960 in Babylonien geschrieben wurdet, hat den Midrasch Abchir bereits benutzt und ausgeschrieben, was die erhaltenen Fragmente im Ialkut uns hinlänglich beweisen2«" l>. Diesen Midrasch hatte noch Asarja de'Rossi in einer alten Handschrift der Bibliothek des Isaak Fas zu Ferrara gesehen, wo er''mit der Pesikta des Rab Kahana und mit dem Midrasch Abba Gorion in einem Bücherkasten war2««', allein seit jener Zeit hat sich seine Spur ganz verloren, so daß man nur die Fragmente im Ialkut hat. — 4) Midrasch wa-Jechu llu, d.ch. ein Midrasch über den ganzen Pentateuch, mit Weglassung des Hexaemeron oder Gn. e. 1., und weil er mit Gm. 2, 1 begann führte er diesen Namen. Nach den Citaten von dem Jahre 1100 d. g. 3.210a zu schließen, da wir ihn nicht mehr besitzen, | hatte er ganz den Charakter der übrigen pentateuchischen; Midraschim, nämlich auslegend nach allegorischer Weise und im Geiste des Talmuds die Schriftstellen erforschend , und so viel wir aus den Anführungen ersehen, hatte er nur mit der altern Hagada Verwandtschaft, wie wir daraus schließen müssen, daß er sich über den ganzen Pentateuch erstreckten. Die mehr legendenartigen einzelnen Midraschim, welche das Gebiet der Sage weiter ausdehnten, schließen sich den erwähnten an, insoferne sie sich doch immer auf dir in der Schrift niedergelegte Geschichte sich beziehen und , sogar auf einzelne Bücher oder Schriftsteller beschränken. Dergleichen aus dieser Zeit sind: 1) Midrasch Abba Gorion211, auch Midrasch 206) Zunz (GV. S. 282 Anm. 1) hat schon die Nachweisungen zusammengestellt» — 207) Emunot, Abschn.II. § 33 (ed. Fürst) vgl. Ialkut p. 57b. 223 d. Doch ist cs wohl möglich, daß er rs aus einem andern Midrasch gehabt, oder aus Lanchuma, wo es ebenfalls vorkommt. — 208) Rokeach § 361. Von dem Citat bei R. Jakob b. Ascher s. Zunz 1. 1. S. 282. — 209) Vgl. Ialkut 68 d, 69 a. — 209a) .Siehe weiter unten. — 209b) Vgl. Zunz GV. S. 156, Anm. b. — 210) Meor Enajim c. 15 p. 124b. c. 57 p. 278a ed. Wien. 210a) Siehe darüber das Ausführlichste, Zunz, GV» S. 218. 211) So benannt, weil er mit einem Dero sch von dem bekannten talmudischen Lehrer oder Mischnait Ad ba Gorion beginnt (vgl. Ialkut f. 169b). Es gedenkt ^csselben auch Asulai, Waad 1. Mem § 1. —