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Der Orient · 1851-05-25 · Heft 21 (25.5.1851) · p. Seite 333-334

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 21 (25.5.1851)
Date
1851-05-25
Page
Seite 333-334 (sequence 13)
Language
German
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333 334 Der gegenwärtige Zustand der jüd. Literatur. dieser neueren Zeit , geredet hat. Woher also diese Beschränkung auf ein kleines, verhältnißmäßig-gewiß unwichtiges Feld? — Wir wünschen sehnlichst eines Besseren belehrt zu werden, aber wir haben. feine andere Erklärung als die vorhin gegegebene; die Scheu der Meisten vor allen tiefer eingehenden Fragen, die Befriedigung auf einem weder nach orthonoch nach heterodoxer Seite anstößigen Gebiete zu arbeiten. K) Es würde das aber weiter nichts zeigen, als daß man die Würde echter Wissenschaft, die unbekümmert um das Geschrei von Rechts und Links ihren Weg zur Wahrheit sucht, nicht kennt/ Wir sind leider mit dem Sündenregister noch nicht zu Ende? Denn nun hat man obendrein aus jenem Lieblingsfelde, der Literaturgeschichte und Bio- und Bibliographie, sich wieder einseitig dem Mittelalter und der für die fortschreitende Entwickelung des Judentums (obgleich wir hier nicht an „Fortschritt^ im modernen Sinne denken) so höchst unfruchtbaren neueren Zeit zugewendet. Dagegen ist die Periode von Abschluß der Bibel bis auf Saadja so öde liegen geblieben, selbst biographisch und literarisch so wenig erforscht, daß als Fürst sich endlich darüber erbarmte, er bei feiner „Geschichte der jüd. Lit. in Babyl." keine jüngere Borarbeit benutzen konnte als das wackere Seder Ha-Dorot. 1) Der Meister hatte doch den richtigen Weg vorgezeichnet und war in seinen G. Vortr. chronologisch zu Werke gegangen; auch der andere Altmeister, Rapaport, hatte die Biographie epochemachender, einen neuen Abschnitt beginnender, Männer zum Vorwurf genommen; so wäre cs also daraus angekommen, an den Faden der Geschichte sich haltend, von den ältesten Tannaiten, den Verf. der Apokryphen, von Philo und Iosefus an bis an das Stocken des wiffenschaftlich-strebenden Geistes, zuerst die Männer und die Werke, die den größten Einfluß geübt, die Hauptträ'ger der einzelnen Richtungen und Fächer zu studiren und darzustellen. .Nun aber erhalten wir Bro- und Bibliographisches über JoeL Sirkes und Mosche Chagis, ja noch weiter Jakob Berlin, Elchanan Aschkenaflm) und ähnliche Männer, die letzten Ausläufer ihrer Richtung, die, wie gelehrt sie auch in ihrem Fache waren, doch für die Entwick'e- V) Wir sind weit entfernt in Geiger's absprechendes Urtheil über Frankels „ger. Beweis" einzustimmen, wir erblicken in diesem, ein tüchtiges wissenschaftliches Werk, aber es behandelt auch/wieder ein neutrales Feld, keine TWych rp^n, gleich wurden Nachahmungen versucht; warum liefert Keiner eine solche Arbeit über niDlö 'n oder Aehnliches? Ist es nicht auffallend, daß man unter den wieder den literarhistorisch gewordenen ß'n rocfött? *) Andere Gründe mögen sein: daß der Erste der das Wort „Wissenschaft des Iudenthums" ausgesprochen, diese Bahn emgeschlagm und daß sich auf diesem.Felde am ersten Einzelnes und Vermischtes liefern laßt. l) Gleichzeitig erhielten wir Biographien einzelner Talmudisten, besonders von Kirchheim, vorher über .R. Jehuda Ha-Nasi den bekannten Schriftwechsel zwischen Rapap ort und Jost. m) Sammtlich im Jahrg. 1847 dieser Bll. lungsgeschichte des Iudenthums darum ganz unwichtig sind, weil diese zu Mendelssohns Zeiten gerade da gestanden haben würde wo sie stand, wenn auch ein Dutzend jener Epigonen nicht gelebt hätte und eine Centürie von Büchern aus jener Periode nicht gedruckt worden wäre. Und so mancher Heros wartet noch seines Biographen und so manches wichtige Werk noch einer irgend gründlichen Analyse! Heißt das nicht das Haus vom Dache anfangen? — Evangelische Reformatoren beschäftigen sich seither viel mit den Reformatoren vorder Reformation" und mit den untergeordneteren Charakteren der Reformationsepoche; aber damit hat man nicht an gefangen, erst hat man das Studium der Luther, Calvin rc. beendet und vollendet. Und nun beachte man, daß wir von der Bedeutung der jüdischen Literatur für christliche Gelehrte reden. Wir schätzen jede Forschung, ihr Ertrag sei groß oder Mn, und haben erst jüngst zur Rechtfertigung unsrer eigenen geringfügigen Elaborate hierauf rckurrcrt; wir wissen NON cuivis hourini licet adire Corinthwin und iriN 'Dl nmon — aber was soll der christliche Gelehrte mit solchen Bruchstücken, mit solchen Literaturnotizen machen, mit Namen und Geburtstagen von Männern, mit Titelblättern von Büchern, die er nicht kennt, über deren Bedeutung und Beziehung zu dem Ganzen, zu der Entwickelung des speciellen Faches, geschweige denn zu dem allgemeinen Kulturgange er nichts erfahrt? Wie kann man darüber klagen, daß Solches auf den kleinen Kreis der Mitstrebenden und Mitarb eilenden, die freilich jede Gabe dankbar annehmen müssen, beschrankt bleibt? Es liest wohl ein Jurist oder ein Techniker ein medicinifches und geographisches Werk, aber hat man je gehört, daß er rn einer bibliotheca medica oder geographica j und wäre sie noch so vollständig und fehlte in ihr kein je geschriebenes oder gedrucktes Flugblaitchen, sich ergötzt? — Endlich muffen wir noch eine Instanz gegen das Gerede von „mangelnder Unterstützung", die an Allem schuld sein soll, anft'ihren. Schon vor längerer Zeit (1842?) hat der Berliner „Kulturvcrein " für zwei Arbeiten, eine streng wissenschaftliche und eine mehr populäre, recht anständige Preise unter annehmbaren Bedingungen ausgesetzt. Wie es scheint sind aber nicht einmal Bewerber ausgetreten. Fiat applicatio! (Fortsetzung folgt.)

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