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Der Orient · 1851-05-25 · Heft 21 (25.5.1851) · p. Seite 331-332

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 21 (25.5.1851)
Date
1851-05-25
Page
Seite 331-332 (sequence 11)
Language
German
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331 332 Der gegenwärtige Zustand der jüd. Literatur. Wir wollen noch einen Schritt weiter gehen und uns unumwunden über das aussprechen, was, nach unserm Dafürhalten diese einseitige Bevorzugung der Bio- und Bibliographie und Literärgeschichte hervorgerufen hat. Wir glauben es ist daher gekommen, weil man, bei dem Drange zum Schaffen und Forschen, am liebsten ein „neutrales Feld" haben mochte. Sich in Tages- und Reform-Fragen zu mischen ist allerdings nicht Jedermanns Sache, auch hat das Feld nicht brach gelegen; aber warum ist selbst in Grammatik, Lexikographie und Exegese s>gut wie nichts geschehen?») Warum hat man sich nicht in die Fragen der biblischen Kritik, sei es ptv sei es contra, gemischt,d) warum so äußerst wenig über biblische Theologie c) und über die dogmengeschichtliche Entwickelung des Judenthums d) geschrieben? Warum Geiger, der übrigens keineswegs vorzugsweise Literarhistoriker sein will, hat sich in seinem derartigen Arbeiten immer auf einen allgemeineren Standpunkt gestellt. Das Verdienst des praktischen Zusammenfaffens gebührt Fürst; über den Werth der Bibliotheca hat jedoch Verf. dieses kein Urtheil. a) Wir möchten in den folgenden Anmerkungen die Ausnahmen, die schon vorhandenen Werke und größeren Aufsätze über die betreffenden Fächer gern anführen. (Analekten und Miscellen können wir hier nicht beachten). Indessen wir wollen kerne Bibliographie geben und citiren, wie schon bemerkt, nur nach dem Gedächtniß. Das nicht Angeführte ist also nur vergessen, .nicht getadelt oder als unbedeutend bezeichnet. — ad a) haben wir Für st's Concord. u. Lehrgeb. Ueber eigentlich, exegetische Schriften spater. Ir) Zunz Gott. Vorträge und Herzfeld's Geschichte behandeln Einzelnes, ebenso einige Aufsätze in Geigers Zeitschrift. «) Ein Weck über das Ganze ist noch nicht von Juden versucht. Einzelnes Vorhandene betrifft gelegentliche Abwehr von Verunglimpfungen, hat kerne systematische Grundlage und wenig wissenschaftlichen Werth. Wissenschaftlich sind: Aufsätze von Rothschild über die Messiaslehre, das ebendahin Gehörige in S. Hirsch's Religionsphilosophie und über Wunder und Prophetie (aber dies nicht eigentlich bibl.-theol.); einiges bei Gelegenheit der Daumer-Ghillanifchen Bücher Erschienene, besonders von Kirchheim; die Verhandlungen über Eid und Gelübde l Hold heim und Gegner — zum Theil zur talmudischen Theologie gehörig); von den Arbeiten über"Peschtteidung besonders B e rg so n's Schrift; über Sabbat., enthalten die Protokolle der dritten R.-V. einiges brauchbare Material. Außerdem verschiedene Aufsätze von Fried enth al. rl) Auch hier nur Zersplittertes: Herz selb bearbeitet die älteste wichtige Periode, aber er ist fast nur auf christliche Vorarbeiten beschränkt; dann wieder Frankels „Effä'er" wie eine Oase in wüstem Lande; über Gnosticismus von Gratz, über Hellenismus Einiges von Philippsohn, Frankel, Fürst und Jellinek; dann viele Jahrhunderte wieder brach; über die Zeit vor Maimonides Geiger in seiner Zeitschrift, über spatere ders. in der Einleit, zu Melo Chofn. und L. Schlesinger Einleit, zu Jkkar.; über die Phase seit Mendelssohn Mehreres. Etwas Ganzes versuchte Grätz, Konstruktion der jüd. Gesch., aber bei dem jetzigen Stande der Vorarbeiten muß es sehr ungenügend bleiben. Uebrv die Karäer Einzelnes in diesen Blättern und v. Greihaben Juden ihre eigene nachbiblische Literaturdie Apokryphen e) liegen lassen, warum Philo k) und Jofefus? Warum ist selbst Talmud und Midrasch, Halacha und Hagada, noch so gut wie gar nicht in ha lt li ch historisch und systematisch erforscht, g) so daß wir dem christlichen Gelehrten, der sich ü-er den vielverschrienen Talmud Raths erholen will, kein ganzes und systematisches Werk nennen können, woraus er sich eines Richtigeren h) belehren körmte als in seinen alten Scharteken? Und wenn ganze und vollstärdige Werke über diese Punkte nicht geliefert werden konnten, warum auch nicht einmal tüchtige Monographien, sondern — bis auf wenige Ausnahmen — nur Gelegentliches, Notizenartiges? — Sind diese Dinge unwichtig, hätte eine tüchtige Arbeit oder nur Vorarbeit über ein biblisches Buch, über biblische Dogmakik vom jüdischen Standpunkts über eine Geschichte der jüdischen Ethik und' vieles Andere (denn das Mangelnde ist schwerer aufzuzählen als das Vorhandene), hätte das nicht mehr Werth als die noch nicht definitive Entdeckung von Kallas Geburtsort, als das vollständigste Verzeichniß (wohlverstanden: bloßes Verzeichniß) aller Schriften Jbn Kaspis und S. Algasi's, oder aller Juden alter und neuer Zeit die je ir>V und zusammengereimt? Wenn auf dem bisherigen Wege fortgefahren wird, so wird es dahin, kommen, daß man, nachdem über Dichter, Abschreiber, Punktatvreri und Drucker Zählung;wrn m'pn vorgenommen worden, uns Verzeichnisse der D\ttn oder der Setzer und „Preflenzieher" bietet und das Alles — unglaublich aber wahr! — ehe ein Jude ein wissenschaftliches Wort über das erste Euch Moses i) oder den Propheten Jefaia in zenach im Zion, aber Umfassenderes nur der alte Trigland und Delitzsch. ' e) Nur über Sirach Ausführliches von Zunz, Dukes u. A.z über andere Bücher kleine Bemerkungen bei Herzfeld. Gutmanns Buch will nur populär sein und ist da recht gut. f) Eine Abhandlung von Wolf in diesen Blattern, Kicschbaum's Schrift kenne ich nicht, sie wird von der Kritik als verfehlt bezeicht. g) Ueber Agada wiederum Zunz, Fürst; dannSteins chneider zur Sagen-u. Legenbenkunde (in FrankelsZtschr.); Hirsch feld's beide Schriften, deren Werth uns nicht groß dünkt. Ueber Halacha dürfte das Beste wohl Chaj es geliefert haben, dann Frankel in der Einl. zu seinem ger. Beweis und Fas set in. Tugend - und Rechtsrehre. — Hierhergehörige Nebenfragen und Fächer: 'Sprache der Mischna Geiger und Dukes; fremdsprachliche Elemente Steinschneider, Jellinek und das altere '"»in der Brüder W o n d i; Plan und Anordnung der Mischna, Geiger; rabbrnische Schriftauslegung Ders. und Schwarzauer; Verhaltniß des. jerus. und babyl. Talmud zu einander anonym in diesen Blättern (Bibliographie der Talmudisten s. Anm.1.) h) Wir sagt« nicht „eines Besseren ", denn apologetische Broschüren sind wohl vorhanden, aber ohne wissenschaftlichen Werth, denn sie sind, wenn auch nicht in dem Grade, so einseitig wohlgemeint als Eisenmenger rc. übelgmeint. i) Ausgenommen etwa Jost in dem Anhänge zu einem Bande seiner Geschichte; doch ist dieses längst veraltet.

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