Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1851)
- Date
- 1851-05-25
- Page
- Seite 335-336 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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335 336 Don Joses Nasi. Don Josef Nasi, Herzog von Naxos. Von Elj. Earmoly.' Motto: DieunpartheiischeGeschichte erzählt den Ruhm eines Jeden und erniedrigt^ihn nicht. Ich habe die Absicht,, die Geschichte eines berühmten Mannes, des Don Josef Nasi zu schreiben, welche das Vorvrtheit und der Jrrthum ganz verunstaltet haben. Bald hört man sagen, daß es ja doch nur ein Abenteurer war, welcher bald eine junge Christin in Antwerpen, bald eine junge Jüdin in Konstantinopel entführt hatte. Diese jungen Mädchen, die eben so reich als schön waren, hatten ihm die Mittel gegeben, sich dem Sultan Selim durch die PerLennnd Edelsteingeschenke, wie durch Geldvorschüsse und hauptsächlich durch seine vortrefflichen Weine angenehm zu machen. Selim, fügt man hinzu, habe ihn bei Gelegenheit eines reichlichen Gelages von Cyperwein herzlich umarmt und zu ihm gesagt: „wahrlich, wenn meine Wünsche erfüllt werden, so wirst du König von Cypern werden! Nachher verwandelte er semen Namen M iquez oder Mich es in Joses Nasi, was hebräisch der Fürst heißt. Herr v. Hammer, welcher diese Sonderbarkeit wiederholt', wundert sich freilich, daß in einem Brief von 1558, d. h. sechs . Jahre vor dem Regierungsantritt Selims U., Josef , bereits . Nasi. genannt ist, und von. der türkischen Regierung als Muster unter den Personen von Stande angesehen wird. Dem gelehrten Geschichtsschreiber ist es entgangen, daß Nasi nur Familienname und nicht ein SLandestitel ist; daß diese Familie reich und mächtig in Spanien anfangs sechszehnten Jahrhunderts nach Holland gekommen war, von wo . sie sich nach Italien, nach der Türkei und nach Amerika verpflanzte, wo sie noch eristirtt Ueberall hatte diese edle und fromme Familie nur das Wohl ihres verfolgten Volks wahrgenommen, überall hat sie nurfür das Glück ihrer Glaubensgenossen gelebt. David Nasi ist es, dem die Israeliten Amerikas ihre gesetzliche Niederlassung verdanken; von einer Gracia Nasi leiten die Israeliten Ferraris-ihr dauerndes Gedeihen ab, und endlich ist es Josef Nasi, welcher viel ^zum Wohle der Israeliten in der Türkei wahrend der Regierung Suleimans und Selims II. beigetragen. Die Familie Nafi war eine von jenen, die während der Verbannung des Judenthums in Spanien genöthigt wurden als Christen zu ^leben. Diese Prosekyten übten äußerlich die katholische Religion , aber in ihrem Gewissen hörten sie nicht auf treu dem Judenthume zu bleibend Die falsche Lage,'m welcher die Juden Spaniens sich befanden, als Christen zum Schein,, veranlaßte Viele unter ihnen ihr Vaterland zu verlassen/ Dies war T Uebersetzt aus dem Französischen von I. Jacobs. ") Geschichte des Osm. Reiches rc. Hl. S.563. Verlag von (5.-8. Frltzsche» überall, seitdem man sie unterschied mit dem Namen Neuchristen . und man sie durch die Inquisition bewachen ließ, der .Fall, so daß sie anderswo eine Freistätte suchten. Das Gelangen Karls V., Herrschers der Niederlande, zu dem Throne Spaniens um 15 i6, bot diesen Neuchristen eine günstige Gelegenheit, sich in diesen reichen Provinzen niederzulassen. Ihre Zahl wurde so beträchtlich, daß der Hof von Holland in zwei Beschlüssen vom 14. August 1532 und 17. Juli 1549 ihnen nicht nur in diesen Provinzen sich aufzuhaltm verbot, sondern sogar jedem Einwohner befahl,, sie bei dem Beamten des Ortes'zu melden. Eine dritte Verordnung vom 30.Mai 1550 befiehlt sogar, daß alle Neuchristen, welche nicht zehn Jahre im Lande gewohnt, dasselbe binnen dreißig Tagen zu verlassen haben, ohne daß ein Bürger sie schützen darf. Es scheint nichtsdestoweniger, daß die Verordnung von 1532 nicht genau beobachtet wurde und daß im Gegentheil einige spanische Israeliten in Holland noch blieben. In Belgien waren sie noch zahlreicher; Brügge, Gent, Brüssel und vorzüglich Antwerpen hatten eine Menge dieser Familien ausgenommen, unter welchen man die Familie Nasi bemerkt, welche um sich den Augen der Inquisition zu entziehen, den Namen Miguez angenommen hatte. ' Sie war in Antwerpen angesiedelt und erfreuete sich daselbst einer großen Hochachtung. Dies war vorzüglich die Frau Gracia Miq uez, eine reizende Frau, von Maria,'der Königin Witwe von Ungcrrn, späteren Statthalterin der Niederlande gekannt und geliebt. Nach dem Tode ihres Gemahls begab sich diese Frau nach Italien, unter den Schutz des Herzogs von Ferrara, uni hier öffentlich die Religion ihrer Väter zu bekennen. Sie nahm mit sich ihre Tochter Reina nnd, ihren Neffen Samuel, ein anderer Neffe Jean, blieb noch in Antwerpen. (Beschluß folgt.) Ankündigungen» Bei C. S. Fritzsche in Leipzig ist zu haben: n-nm p-is? Rechtsgrrtachteir des R. Zehrrda ben Ascher.(Rosch). Zum ersten Male herausgegeben von I. Ro send erg. Brosch. Preis 1 Thlr. Diese Rechtsgntachtmsammlung eines alten spanischen Gelehrten, enthält außer den rituellen Entscheidungen, wichtige Beiträge zur Kenntniß der Geschichte und Literatur der Juden in Spanien. Die Jndices über die Materien und die angeführten Namen erleichtern den Gebrauch dieser zum ersten Mal im Druck erschienenen Sammlung. Druck von I. H. Nagel.