Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1851-05-25 · Heft 21 (25.5.1851) · p. Seite 329-330

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 21 (25.5.1851)
Date
1851-05-25
Page
Seite 329-330 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360688-2360717--7430-3536412
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

330 329 Der gegenwärtige Zustand der jüd. Literatur. XIX. nnt? ntJhirToN IHK TB* nrw p« nrn dk n’ia^TiQ 2'wb Das WörtLen stehc steht jedoch für 2'VN^i w der HS. Luzzatto. Ueber den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur in D errtschlnnd. Bon A. Tnenenfels. (Fortsetzung.) Wo daher von Juden etwas Umfassendes und Fertiges geliefert worden ist, da hat cs-auch Beachtung bei christlichen Gelehrten gefunden; bloßes Rohmaterial können sie nicht gebrauchen. Aber wir wüßten außer Jost's Geschichtswecken und Zunz auch in dieser Hinsicht ausgezeichneten Gottrsd. Vortr. nichts Derartiges zu nennen." Auch kleinere Arbeiten können sich durch ihre nette abgerundete Form Bahn brechen, wie Lebrechts hierhergehörige Aufsätze, die er feit Jahren in dem Mag. für die Lit. d. A. sporadisch erscheinen läßt, die aber auch durch das in 'weiteren-Kreisen verbreitete Organ gehoben werden und ohne Zweifel sehr gut wirken. — Gewiß unsere jüdische Literatur.ist, trotzdem was wir oben über ihren geringen unmittelbaren Einfluß aus den allgemeinen Kulturgang gesagt haben, reich an Beziehungen zu jedem Fache des Forschens und Denkens; wir wollen nur an die kulturhistorischen Miscellen erinnern, die Dukes seit längerer Zeit in diesen Blättern veröffentlicht aber wie sind sie so zersplittert, Ettf T^T Dtp tj/t, wie schweift eins ins andere, knüpft sich lose Notiz an Notiz, ohne anderen Faden als die raschen Gedankensprünge in des Verfaffers Kopf oder seine gelegentliche Lektüre. Möchte doch unser geschätzter Freund e6 über sich gewinnen, (und möchte ihm Muse dazu werden.') seine Kräfte zu koncentriren, ein zusammenhängendes Werk über das jüd. Kulturleben mit steter Rücksicht auf das der Völker unter denen sie wohnten aus jenen Notizen zusammenzustellen; bei seinem Scharfblick und seiner Polyhistor-Belesenheit wäre das so recht seine Aufgabe. . Ist so die Unferrigkeit, die noch zu stoffartige Beschaffenheit der neuern jüdischen Literatur ein «Erklärungsgrund für *) Für st's Concordanz und „ Lehrgebäude" haben auch gegründeten Anspruch auf jene Prädikate, aber alles Exegetische müssen wir besonders besprechen, weil es ein uns und den christl. Theologen ganz gemeinschaftliches Fach ist. die geringe Beachtung, die sie bei christlichen Gelehrten findet, so liegt ein zweiter in der Richtung, die sie seit etwa 25 Jahren vorzugsweise genommen hat. Wir stehen nicht an, diese, zwar nicht als unberechtigte, falsche, aber doch als eine für sie selbst und besonders für ihre Geltung nach äußerst unheilvolle zu bezeichnen. Wir meinen die Litera'rhistorisch«, bibliographische. Wenn in diesem Fache zwei Männer von hoher Begabung vorangingen,- Tüchtiges leisteten und eine gewisse Anzahl gleich Befähigter und darum zu diesem Fache Berechtigter zur Nachfolge anspornten, so erkennen wir das vollkommen an. Wenn dann aber ein ganzer Troß sich Diesen anschloß, wenn so diese Richtung fast alle Kräfte absorbirte und wichtige Fächer gänzlich vernachlässigt wurden; wenn man (d. h. die Nachtreter) von der Biographie hervorragender Geister und von der Charakteristik und bibliographischen Erörterung solcher Schriften, die der Entwickelung neue Bahnen vorgezeichnet, auf die Lebensbeschreibung untergeordneter Rabbinen der neueren Zeit und die genaue Beschreibung fast werthloser Werke überging; wenn man (t>. h. wie oben) dazu noch oft bei der Oberfläche stehen blieb, bei der B eschreibung der Titelblätter und mDDDH > wenn man mit krankhaftem Gelüste jedes alte, wenn auch noch so unbedeutende Büch, wenn und weil es selten ist, beschrieb,, statt-zuerst die allgemein bekannten und zugänglichen, die rn der Regel zugleich die wichtigsten sind, in ihrer Entstehung, in dem Einfluß den Früheres aus sie und sie auf Späteres geübt, gehörig zu begreifen und zu schildern — so muffen . wir das beklagen. .Hier gilt das „Wie er sich räuspert re.", durch Ermittelung und Verbefferung von Druckjahren' und Orten,wird man roch kein Zurz, durch Eruiren eines Geburtsjahres kein Rapaport, durch Mittheilung von Einleitungs- und Schlußgedichten kein Dukes. Dazu kommt, daß auf dem bibliographischen Felde, bei der großen Rolle welche die Manuskripte spielen, nur Diejenigen fruchtbar thätig sein können, die sehr viel „gesehen", die „in Paris, Oxford oder Parma sitzen." Wenn der Letztgenannte also darauf aus geht, unsere Kerntniß der Literatur extensiv zu erweitern, Verborgenes und Vergrabenes ans Licht zu ziehen, so ist er dazu offenbar berechtigt und befähigt, weil er Jahrelang im Staube der wichtigsten Bibliotheken gewühlt^; aber warum 'nun ä tont prix Bibliograph sein wollen? Quod duo fachint non est . idem. — Wir wollen keine Personen kränken, darum nennen wir keine Namen, und auch von denen die wir für berechtigt halten, haben wir nur drei genannt, bei denen wir keinen Widerspruch fürchten; es soll damit nicht gesagt sein, daß es nicht noch weit mehre gäbe. * •) Hätten wir uns nicht auf Deutschland beschränken wollen, so würden auch Luzzatto und Munk (der französisch schreibt) zu nennen gewesen sein. Besonders des Letzteren Aufsatz: „ Abulwalid rc." würden wir dann scho« vorhin erwähnt haben, weil er, soweit man -schon jetzt sieht, bei allem Reichthum en Detail, ein klares Resultat, eineschöne Darstellung der Genesis der, jüdischen Grammatik giebt. Auch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.