Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1851)
- Date
- 1851-05-17
- Page
- Seite 315-316 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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315 Der gegenwärtige Zustand der jüd. Literatur. 316 Diskussionen folgen. —- c) Eine -ritte Weise der Darstellung istr wörtliche Auszüge aus dem Talmud und aus den alten Midraschim zu geben, wo Halacha und Hagada oft untermischt ist, wo das Wörtliche mit der eigenen Sprache sich vermengt, nach einer einleitenden Eulogie, die in ihrer Uebersetzung aus dem Aramäischen tautet: „Gepriesen sei der Name des Hochheiligen, gelobt sei erder uns die Lehre und die Gebote durch unser» Meister Moses gegeben, um sie weiter dem Volke des Hauses Israel vörzutragm! So lehrten die Weisen in unserer Mischna (Mitnita)". Dann folgt der weitläufige Vortrag. Auch diese Formel erscheint nur zu oft verkürzt und fragmentarisch149 4 noch seltener erscheint die Beginnformel: „So lehrten u. f. \x>* *"15°, und überhaupt ist diese Vortragsweise am meisten verwischt worden. Eine ähnliche'eulogische Formel hat, variirend und verkürzt, Tandjumci,151 und auch die Beginnformet hat Tanchuma nachgeahmt, aber nur in den Scheeltot ist diese Partie von der spätern Redaktion, oder vielleicht von den Abschreibern an den Unrechten Ort gestellt, so daß diese Vorträge oft die Gutachten unterbrechen und die Beantwortung von der Anfrage scheiden?^ — d) Eine vierte Weise des Vortrags und der Darstellung ist die Dera sch a-F 0 r m. Diese unterscheidet sich von den andern drei Darstellungsformen darin, daß sie mit einer strengen Halacha beginnt, eine halachische Lalwudstclle daher gleichsam zur Aufschrift nimmt, und geht dann, abgesehen von dem Halacha-Anfange zur Hagada über'in der Midrasch-Weise und schließt mit einem Amen oder einer andern Erbauungsformel, während die andern prineipiell bei der Halacha bleiben und nur zufällig in Hagada überschweifen. Diese Derascha's scheinen wirkliche Vorträge gewesen zu sein, während die andern mehr als schriftstellerische Khätigkeiten sich darstellen z aber es haben sich von denselben nur die Aufschriften oder die Lhemata's erhalten und selbst diese nur höchst unvollständig, da die Abschreiber nichts damit zu beginnen wußten.153 Ein größeres Fragment einer Derascha 149) z. B. N. 75 (66), N. 110 (92), 190 (170). Die hier eingeklammerten Nummern sind die in unserer gedruckten Ausgabe von Jesaja Pik, die andern nach meiner eigens gemachten kritischen Eintheilung. 150) g. B. N. 73 (64), N. 75 (66). Der Ausdruck „Münita" scheint nicht einmal Mischna, sondern Talmud überhaupt zu sein, da gar keine Mischna folgt, wie er auch Tenan nicht blos von Mischna verstanden hat. Eben so kommt diese Formel vor: N. 144 (121), N. 147 (!25), N. 178 (154), N. 183 (163), N. 185 (165) und N. 186 (166), wo mehr oder weniger auch die Eulogie, ganz oder abgekürzt vorkommt. , 151) S. 3 a, 5bd, 22 d , 42 a, 68 d, 77a, 78 d (ed. Franks, cu O.). 152) Z. B. N. 1, N. 73 (64). 153) Dergleichen Derascha-Aufschriften finden sich noch hinter N. 1, N. 31 (29), N. 32 (30), N. 33 (31), N. 34 (32), N. 35 (33), wo der Ausdruck „Derascha" fehlt, N. 37 (35), N. 42 (40), N. 48 (45), N. 54 (48 d), N. 66 (50), N. 59 (52), N. 61 (54), N. 63 (55), N. 64 (56), N. 68 (60), hat sich nur einmal erhalten^" sie beginnt mit Halacha, die freilich nur abgerissen und bruchstückweis sich findet, und setzt dann die Derascha m Hagada fort. Dergleichen halachische Einleitungen zu hagadischen Vorträgen hat Tanchuma später schon irachgeahmt. —- (Fortsetzung folgt.) Ueber den. in gegeuwärtigen Zustand derjüdischen Literatur Deutschland» .. Borr A. Treueufels- (Fortsetzung.) Was also, fragm wir wieder, sollen die heutigen christlichen Theologen thun? Wir glauben, sie th'un am Ende ganz recht, wenn sie von eig enem Erforschen des (späteren) Judenthums a bsehe nz sie würden wahrscheinlich mehr verderben als gutmachem Mögen sie immerhin das Unsrige uns überlassen. Suum cuicjue! Wir wollen ja auch nicht in die christliche Theologie hinempfuschen. Jeder arbeite auf seinem Gebiete, dann laßt uns ehrlich austauschen! Oder sind sie etwa nicht berechtigt von uns, die wir dabei weit geringere Schwierigkeiten zu überwinden haben, zu erwartendaß wir die jüdische Literatur für sie mitanbauen, ist das etwa nicht zunächst unsre Pflicht? — „Aber sie sotten nicht mehr auf die verrosteten Subsidiacwerke rekurriren, immer nur Veraltetes Vorbringen!" — Ist es, wenn sie das thun, fragen wir wieder, nicht unsre Schuld? haben wir ihnen überall schon Besseres, für sie Brauchbareres geliefert, als die Werke jener Ligrhfoot, Surenhus,Vitringa, Schöttgen?* N. 80- (Lev. N. 1), N. 113 (94), wo aber nur etwas Verstümmeltes selbst von der Aufschrift geblieben, N. 115 (95), wo aber blos das Wort Derascha angemerkt ist, N. 142(119) N. 144 (121), N. 161 (135 in der Mitte des zweiten BZ»), N. 162 (136), wo noch ein Fragment aus der Darascha geblieben, und endlich N. 177 (152), also im Ganzen 24 Derascha --Aufschriften, was bei den 191 Nummern der Scheeltot 154) N. 94 (80) nur eine geringe Zahl ist. *) Wir müssen noch darauf zurückkommen, vorläufig einige Beispiele anzuführen, um zu zeigen wie höchst ungerecht Zunz hier in seinen Anklagen ist. ' Recht hat er in dem was er über Hitzig sagt <a. a. O. S. 19), aber daun heißt es: „David Strauß hält sich im „Leben Jesu" an die Subsidiarbücher, ohne sich mit eignen Augen umzuschauen." Als ob dazu weiter nichts nöthig wäre, als Augen? Wenn Strauß erst die rabbinische Literatur hätte durchforschen wollen, so wäre das Leben Jesu noch nicht geschrieben! Hat sein Werk dadurch Lücken, so fülle sie ein Jude aus, es wird, wenn ohne 'Groll gereicht, dankbar angenommen werden! Weiter: „Cousin lobt oberflächliche Werke" — hat dev Zeit gehabt sie würdigen zu lernen? „Gförer spricht dem Judcnthmn