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Der Orient · 1851-05-17 · Heft 20 (17.5.1851) · p. Seite 311-312

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 20 (17.5.1851)
Date
1851-05-17
Page
Seite 311-312 (sequence 7)
Language
German
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311 312 Zur Kultur- und Literaturgeschichte der Juden in Asien. alle Schachten der Wissenschaft. Denn wenn ihn damals die deutschen Staaten nicht anerkennen wollten , so wanderte der geachtete Musensohn nach einem humaneren Lande. Holland, England und Frankreich gewährten ihm gleichen Schutz mit ihren eigenen Kindern. Frankreich that es zur Sühne für die einst aus seinem Schooße Verjagten. Endlich hinkte auch Deutschland nach, wenn auch nicht mit gleichem Schritt, aber genügend für den wahren Weisen, der die Hemmnisse nicht achtet. Und so blöheten wiederum alles Wiffenswerthe, alle Künste in Israel. Es thaten sich unzählige Männer unter uns von dieser Zeit an hervor, zu deren Aufzählung hier der Ort nicht ist. Nur eine Kunst, eine höhere wird noch bei der jüdischen Intelligenz vermißt; es ist die Kunst des Bildners, die Schwester der Poesie und Malerei. Die Kunst dem Steine Leben und Geist einzuhauchen, hat sich noch durch keinen jüdischen Meißel kundgegeben» Der Grund scheint, wie ich bereits an einem andern Orte nachgewiesen, darin zu liegen, daß das Entstehen dieser Kunst, in dem Bilderdienst der Völker zu suchen sei; die Götter Griechenlands leiteten die Hand des zwiefach begeisterten Künstlers, für seinen Gott, und für sei» Talent, und dem zugleich von seinem Volke dafür der Lorbeerkranz gereicht wurde; aber Israel hat einen einzigen .unsichtbaren körperlosen Gott, dem der Meißel keine Gestaltung geben kann, wofür sich daher der jüdische Künstler nicht begeistert fühlt; obschon ihm das Gesetz nur die Anbetung, aber nicht die Anfertigung des Bildes untersagt. (Talmud Sanhedrin») Das Jahr 1848 hat uns endlich gänzlich emancipirt, und wenn auch jetzt der Stern dieses Jahres unterzugehen scheint, die Wissenschaft wird nie wieder aus unsren Zetten schwinden; und wenn sie auch von de» Reformstürmern gemißbraucht wird und die Finsterlinge darüber frohlocken; so wird sich auch dieser Sturm legen, und Kants Prophezeiung in Erfüllung gehen. Schließlich wollen wir noch zur richtigen Würdigung des Kampfes und der Erstcebungen M/s und W/6 die Zeit berücksichtigen, in welcher sie gelebt und gewirkt haben. Die ganze Judenheit hatte damals zusammengehalten, durch gemeinschaftliche Leiden verbunden, welche ein Jneinander-Leben, eine gleiche Geksteshöhe, daher gleiches Streben hervorbrachten und auf alle Lebensverhältnisse einwirkten. In diesem Zustande der Gedanken- und Gefühlsgleichheit, m dem die ganze Judenheit lebte, nahmen die Rabbiner die physischen und moralischen Kräfte der Gesarnrntheit unter ihre Vormundschaft. Es läßt sich nicht leugnen, daß der gemeine Haufe bei der schweren Hand der Zeit, die auf ihm lastete, sich unter dieser Vormundschaft glücklich fühlte und es daher M. und W. einen mächtigen Kampf kosten mußte, dem Volke dieses Glück zn entziehen. Dennoch gelang es ihnen dieses Gängelband der Vorurtheile zu zerreißen oder doch zu lockern und das Volk von seiner geistigen Knechtschaft zu befreien — und das ist ihr großes Verdienst! — Hamburg, Purim *851» Moses Mend elson. Z u r Kultur- und Literaturgeschichte der Juden in Aste«. Die ersten drei Jahrhunderte nach Abschluß des Talmud. ' Eine Skizze von Julius Fürst. (Fortsetzung.) Was nun unsere großen Halachot, die wir besitzen, anlangt, so hat schon Menachem "Asacja über deren Unvollständkgkeit sich ausgesprochen/^ aber nicht nur unvollständig, defekt und verstümmelt erscheint unsere Ausgabe, indem so vieles daraus citirt wird, was sich nicht mehr findet: nicht nur sind die Ketuot oder Kezubot verwischt oder ganz verloren gegangen, sondern sie scheinen überhaupt umredkgirt worden zu sein, als die Halachot Pesukot des Jehudai, die man ebenfalls große Halachot nannte, und als die Scheektot des Achai aus Schabcha schon da waren, aus denen man Manches hinemtrug, obgleich sie in ihrer Getrenntheit, namentlich was die Scheeltot anlangt, immerfort existicten, und selbst in Bezug auf Jeyudai's große Halachot in ihrer Verschiedenheit lange existirt haben müssen/^ Indessen ist dieses Werk selbst kn seiner mangelhaften Form, die wahrscheinlich schon gegen Ende des achten Jahrhunderts gewest», noch immer ein Beweis von umfassender talmudischec Gelehrsamkeit, und es wurde auch bis spät herab sehr hochgeachtet/" — 2) Sefer Scheeltot von Achai aus Schabcha, dem Schüler des Mar Samuel Re sch-Kalla, der 75t , wegen des Vorzugs, der seinem Schüler bei der Gaonenwahl gegeben wurde, nach Palästina ausgewandert, wo er auch gestorben/" Dieses wichtige Werk ist zwar wie die großen Halachot des Simeon Kahira ebenfalls ein halachifches Kompendium des Nothigsten und Brauchbarsten aus dem Talmud und aus seinen Nachträgen, und ist ebenfalls aus der Idee und aus dem Bedürfnisse hervorgegcmgen, das maaßlose Anschwellen des traditionalen Stoffes, die Unübersehbarkeit der Traditionsgesetze, zu umgrenzen und zu kürzen, aber in Anlage und Form, in Sprache und Vertheilung des Stoffes doch wieder so eigenthümlich, ursprünglich und seltsam, daß eine eigene Darstellung nothwendig erscheint. In den großen Halachot ist . 139) GA. ed. Venedig §. 32, angeführt von Asulai, Schem I. (He §♦ 3). 140) Daher kommt es, daß Jehudai zuweilen darin, wie etwas Vergangenes angeführt wird (z. B. hil. Edut; Hit. Nachlot, Ende; hil. Berachot c. 7; hil. Kidd., Ende), was auf eine Redaktion nach Jehudai hinweist» Darum findet sich auch Vieles aus den Scheeltot darin (Rapaport, Natan, Anm. 4 u. Nachtrag) und sogar der Scheeltot-Versasser selbst (Berachot e. 6 Ende) und Manches in den Scheel tot läßt sich sogar »ach den großen Halacha's korrigire» (Rapap., das.)> 141) Vgl. Aboab, Nomologie S. 267. 142) , s. über ihn oben.

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