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Der Orient · 1851-05-03 · Heft 18 (3.5.1851) · p. Seite 283-284

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 18 (3.5.1851)
Date
1851-05-03
Page
Seite 283-284 (sequence 11)
Language
German
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28L 283 Weber den gegenwärtigen Zustand der jüd. Literatur. rer angestellt, die noch viel weniger wußten, und das Volk durch ihr Bischen Deutsch blendeten. Aber auch diesem Uebelstande wurde bald abgeholfen, wo-, zu M.'s liebenswürdige Persönlichkeit viel beitrug. Er verstand es, die Wißbegierigen unter der berliner Jugend in seinen Kreis zu ziehen und sich mit ihnen in somatischer Weise über Unterricht, Erziehung und Menscheubildung, über Religion und Bibel zu unterhalten. Allsabbatlich ward zu diesem Zwecke eine Versammlung in seinem Hause veranstaltet. Aus dieser gingen Männer wie.Friedländer, Suchet, Lindau, Bendavid und Wolfwhn gleichsam als seine Apostel hervor, und verbreiteten Licht unter ihren Brüdern. Auch alte im Talmud ergrauetc Männer zog sein Ruf zu ihm. Selbst die größtem Koryphäen, wie Eibeschütz und Emden achteten sein großes Wissen. Und so wirkte er persönlich auf alle Parteien. Endlich stifteten 1778 einige reiche jüdische Männer eine Freischule wach'M.'s Anleitung, wo Männer gebildet wurden, die in ganz Deutschland das Unterrichtswesen der jüdischen Jugend reformrrten» (Beschluß folgt.) Ueber den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur in Deutschland. Von A. TreuenfeLs. (Fortsetzung.) Wir haben bisher nur von dem jüdischen Publikum gesprochen, reden wir nun von dem christlichen. Die blos „gebildeten^ Stände können freilich nach dem Früheren nicht in Betracht kommen, aber doch die Theologen, die Orientalisten, die Geschichtsforscher der Philosophie, der Cultuv und Literatur- und gewiß, wenn wir auch nur diejenigen christlichen Theologen, die von acht wissenschaftlichem Geiste beseelt sind, für unsere Literatur gewonnen hatten, so wärm wir geborgen. Aber auch hier ertönen nur Klagen über absichtliches Jgnoriren, Verachten, über Judenhaß, Einseitigkeit, Verblendung u. s. w. „Möchten die Regierungen des civilisirten Europa hebräische Inschriften mit gleicher Humanität wie heidnische und jüdische Grabsteine nicht schlechter wie Runensteine behandeln," bittet Aunz (zur Gesch. Vorr.) und spricht jene Klagen werter mit ausführlichen Belegen aus (das. S. 17 ff.). Zuvörderst wollen wir nun hier Akt davon nehmen, daß sich doch ein Fortschritt zum Besseren seit einigen Jahren bemerkbar macht. Das wirklich Gute bricht sich Bahn, muß anerkannt werden, gerade z. B. von Zunz Gott. Vortr. sind die in die Exegese einschlägigen Abschnitte von christlichen Gelehrten reichlich benutzt und citirt worden, und so ist auch manches Andere von Männern wie de Wette, Lengerke, Böttcher nicht unbeachtet geblieben $ Fürst'sConcordanz wird seit 1840 in den exeg. Werken stark citirt z der sonst so abgeschlossene Ewald hat sich mit Dukes zum Erforschen altjüdischer Grammatiker verbündet, in E r s ch und Grube r § Encyclopädie ist neuerdings das Juden Betreffende von jüdischen Gelehrten bearbeitet worden,1 2 3 4 die Versammlungen der Philologen und Orientalisten haben die Wissenschaft der Juden in ihren Kreis ausgenommen u. m. Aber immer bleibt noch Grund genug zu gerechter Beschwerde, und diese läßt sich — wenn wir von den Personen, des befangenen Theiles der christlichen Gelehrten absehen mb die Sache im Auge halten — dahin zusammensaffen, daß die jüdische Literatur nicht als Zweig der Weltliteratur betrachtet wird, daß die Wissenschaft der Juden noch nicht emanzipirt, nicht unter die „ akademiesähkgen" ausgenommen ist, daß sie nicht zu dem „Wiffenswürdigen" gerechnet wird, daß selbst Bibliographen und Bibliomanen sie nicht beachten und daß von Staatswegen nichts für sie geschieht.^ Auffallend genug ist's, daß auch '.hier wieder auf alte Zeiteu als auf bessere zurückgeblickt werden kannnamentlich auf das 17. Jahrh., wo viele ausgezeichnete christliche Gelehrte sich mit großer Vorliebe der rabbinischm Literatur widmeten rmd sie zum Theil sehr hoch stellten. — Andere wollten freilich nur Gift und tela igtuea Satanae sammeln — während seitdem jene Studien immer mehr abnahmen und endlich so ganz erloschen, daß jetzt nur noch sehr wenige Kenner derselben in Deutschland übrig sind,^ alle Anderen aber nur auf die alten Sammelwerke recurriren. Zunz's Prophezeiung: „die Gleichstellung der Juden in Sitte und Leben wird aus der Gleichstellung der Wissenschaft der Juden hervorgehen" (a. a. O. S. 21, geschrieben 1845) ist also nicht nur nicht in Erfüllung gegangen, sondern wenn man 17. und 19. Jahrh. mit einander vergleicht, so steht die Pflege und Anerkennung der jüdischen Literatur in einem umgekehrten Verha'ltniß zu der socialen und politischen Stellung und Anerkennung der Juden. Wre sonderbar das auf den ersten Blick erscheinen mag, so dürfen wir doch wohl daraus den Schluß ziehen, daß nicht lediglich Judenhaß an dem Jgnoriren der jüdischen Literatur Schuld ist. Von dem was die Regierungen nicht thun, wollen wir nun nicht weiter reden; wir glauben, im Gegensatz zu Iunz, daß die sich fortentwickelnde und Wahrheit werdende Emanzipation auch die jüdische Wissenschaft in die Staatsanstatten, Akademien und 1) Der neueste Band der zweiten Sektion enthält sehr vieles Hierhergehörige, uns ist er noch nicht zu Gesicht gekommen. Eine Rezension in diesen Bll. wäre zu wünschen. 2) Hier im üblichen Sprachgebrauch als Gegensatz , zur „hebräischen," besonders ist die neuere gemeint. Der Kürze wegen werden wir auch den hergebrachten Ausdruck „rabbinische Lkt." gebrauchen. 3) Seltsamerweise macht Obstreich eine Ausnahme. Wir denken an den in der k. k. Hof- und Sraatsdruckerei gedruckten nnDD und Kraft-Deutsch's Eatalog. Der Staat ließ ihn auf seine Kosten drucken. 4) Fr. Delitzsch, Molitor und ■—? Ob SchrLder hierher zu rechnen sei, wird sich zeigen.

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