Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1851)
- Date
- 1851-04-12
- Page
- Seite 235-236 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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235 Zur Kultur- und Literaturgeschichte der Judenm Asien. 236 freilich Vieles hinweist,^ mag noch dahin gestellt sein, da jeder Hättpunkt noch fehlt, um diese Vermuthung zur Gewißheit zu führen. Aber das ist unzweifelhaft, daß die Annahme, 79 es hätten die Geonim Kelalim (Regeln) zu tarn' Mischna-Traktat Kelim vor sich gehabt, aus einer falschen Auslegung bei den spätern^ geflossen, da dort nur vom einem jerusalemischen Talmud zu Kelim die Rede ist. Noch dunkler ist die 172 Jahre umfassende zweite Abtheilung dieser dieser Periode, der Zeitraum von 589 bis 750 v. Ehr.; keine bedeutsame schriftstellerische Thätigkeit. giebt Kunde von dem Watten eines Geistes über die praktische Sphäre hinaus, keine neue Bahn öffnet sich für die Richtung der babylonisch-jüdischen Literatur, wenn man die gegen Ende dieser Periode auftauchenden Schriften-ausnimmt, und kaum daß die ununterbrochene Kette in der Reihenfolge der^ Rektoren der Hochschulen, ohnehin nur auf Sora und Pum-Badita reducirt, ohne Riß und Mangel zu erhalten ist. Aber dieser Zustand-der Wirrniß und der Geisteserschlaffung findet auch in der Geschichte jener Zeit seine Erklärung. Das große persische Reich zuckte in den letzten krampfhaften Aeußerungen seiner Gewalt, und versuchte, wie alle finkenden Staaten, seine Macht an den noch schwächere Juden zu üben; überdies gährte der ganze Osten, Arabien trug bereits einen neuen religiösen Wettkampf in seinem Schooße, denn Muhammed war bereits geboren (571\ im April), die christliche Kirche in Syrien und Irak hatte die Bearbeitung des Christenthums längst vollendet und wie das Christenthum für den Orient nicht paßt bewährt, und die. Juden hatten sich noch dem großen talmudischen Aufbau des Judenthums noch nicht zu neuer Arbeit. gestärkt. Wer dieser allgemeinen Gährung auf der einen Seite, und der Verfolgung und Erschlaffung auf der andern Seite war es ganz natürlich, daß selbst die praktische Thätigkeit der Lehrer auf den Hochschulen zu Sora und Pum- Badita immer in engere Kreise sich zusammenzog, manche weniger praktische Traktate gar nicht mehr vorgetragen wurden," und selbst das Vorgetragene zu keinem neuen Leben er- T8); So Hilchot Chanukka bei Maimuni, und auch die Pijjutrm weisen darauf hin. Vgl. Zion 11. S. 165. Auch Elija Wilna, nahmein Mass. Chanukka, an (Agad. Beresch. das.). - 79) Zunz, GV. S. 24.. An m. 5. 80} R. Simson zu Kelim c. 15 §. 4 und Aruch u. d. W. Mirkaf. Dort muß es heißen: Ein.Gaon erklärt (und eben so der Axuch), daß sie einen Talmud zu Kelim in-Palästina (be-Erez Rewacha) gefunden, wie auch R. Ascher zur Stelle schon richtig hat, wenn er auch Palästina wegläßt. — Es hat also im palästinischen Talmud nicht nur Gemara's zur.Ordnung Kodoschim gegeben , wie schon Na tan (Aruch 23 Art. Gas 1), R. Elasar aus Worms (Rokeach §..59), Abraham b. David (in feinen Hasagot zu Bikkurim e. 2 §.6) und R. Vidal (Maggid Mischna zu hitt Mechira o. 27 8^ 18) bemerken, sondern auch zur Ord. Tohorot, da Haji (das ist der erwähnte Gaon) es noch hatte. 81) Der Talmud-Traktat Nedarim wurde 100 Jahre vor Abschluß dieser Periode, also seit. 660 nicht-mehr vorgetragen, wachsen-konnte. Um-jedoch die wenigen literarischen Reste aus jener Zeit, die sich noch erhalten, richtig beurtheilen zu tonnen, um den wichtigen Zusammenhang, mit der Vergangenheit' und der sehrbewegt gewordenen Zukunft zu gewinnen, möge hier die Lehrerkette der beiden Schulen zu Sora un- Pum - Badiita, soweit'noch den magern Resten - eine besonnene und sichtende Kritik es zu thun vermag, gegeben werden. Dunkel und Lückenhaft ist die Gaonenfolge in der soranischen-Hochschule während dieser ganzen Periode. Scherira«^ der erste Gewährsmann, sagt -selbst ausdrücklich, daßihm bis zum Jahre Tausend der seleucidischen Aera, d.-h. bis 688, die Ordnung der soranischen Gaonenfolge, wegen der stattgefundenen Stürme- und Erschütterungen (Nafkata wa-Natrajta), wegen der Hin- und Herwanderungen der Schulhäupter, nicht klar sei, und es ist ganz, natürlich , daß die-ihmnachfolgenden Chronisten eben sowenig .wußten, und wenn sie auch zuweilen andere Notizen und Quellen benutzten,-durch eine musterhafte Kritiklosigkeit^, die anerkannt ist, und durch Jneinandecmengung der Häupter beider Schulen84, das Wenige noch mehr trübten. Aber selbst über das-elfte Jahrhundert der seleuc. Aera, nämlichvon. 588- bis 750, wo Scherira ausdrücklich die Reihenfolge und die Zeit der jedesmaligen Amtsbekleidüng angiebt, hat sich in unserer doppelten Recension des Scherira'schen Sendschreibens^ die größte Textkorrüption eingeschlichen *s, daß nur durch Vergleichungen und Kombinationen, durch gegenseitige Ergänzung und kritische Sichtung einigermaßen eine Reihenfolge sich Herstellen laßt. Für die frühere Periode, seit dem Tode Rabbi Abina's nämlich bis zum Jahre 1000 der seleuc. Aera, also von. 498—688, haben wir natürlich weiter nichts als die abgerissenen zerstreueten Notizen Scherira's, wo er bei der Angabe der Häupter zu Pum-Badita zufällig, gerade einen soranischen Zeitgenossen angiebt, ohne jedoch die Amtszeit am Anfänge und am Ende zu begränzen; außerdem aber nur noch was die andern Chronisten aus andern Quellen, die nun versiegt sind, mittheilen, was freilich erst nach einer kritischen Sichtung - geschehen: kann. Nach einer solchen mühsam unternommenen kritischen Vorarbeit' stellte' sich' mir folgende Reihenfolge der s o r"a n t f chen Rektoren von.. 498 bis 750, also während des Verlaufes unserer. Periode, heraus,, wobei natürlich, wie. schon erwähntwie Mose, aus Coucy. in seinem großen Gebotenbuch (Verb. 241) nach, einer, alten Autorität berichtet. — 82) 1. 1. 39. — 83) S. Rapaports Biographien an vielen Orten. — 84) s. Rap. Natan, Anm. 24. —- 85) Die eine ist von Sa m. Sch u le m dem. Juchafin eingesügt, die andere von Berl Goldberg in einer Sammlung Chofes Matmvnim herausgegeben worden. Die erste nenne ich SR. (Schulemische Recension) und citire sie unter diesem Namen, die andere GR. (Goldberg'fche Recension) danach ich gewöhnlich den Scherira citire. — 86) Die Vergleichung stellt das fast auf jeder'Seite heraus. Auf Weniges hat der Editor-Goldberg in den Anmerkungen (von 66—85) aufmerksam gemacht.