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Der Orient · 1851-04-12 · Heft 15 (12.4.1851) · p. Seite 229-230

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 15 (12.4.1851)
Date
1851-04-12
Page
Seite 229-230 (sequence 5)
Language
German
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229 Prof. August- Neander. 23V vois Herzen doch die Judenbekehrung wünschen mußte, seinem Verstände Ehre machen.) Jene Rede^ wurde ohne Borwiffen N?s durch Gurlidt zum Druck befördert (zusammen mit der Abschiedsrede feines Freundes S i ev eking, des bekannten Hamburger Syndikus) und mit zustimmenden Reflexionen und gelehrten Ausführungen begleitet. So hätten wir von dem Juden Neander, oder damals David Mendel, doch ein schriftstellerisches Produkt und da es Juden betrifft -- so darf sein Name in einer vollständigen bibliotheca Judaica doch nicht fehlen.^ In Folge dieser Rede wurde N. mit B a r n h a g e n von Ense und WilhelmNeumann bekannt, schloß mit denselben innige Freundschaft und trat in den von diesen und mehrern Freunden (worunter Ehamisso) gestifteten Bund „vom Nordstern." Sein Hauptstudiumin dm letzten Gt>Mnasialjahren war Plato, der ihn auch nach eigner-und Freundes Aussage zumeist zum Christenthum geführt, daneben Mendelssohn, Rousseau, Fichte, Lick, Jak. Böhme und Schleiermacher, besonders dessen „Reden üb. d. Rel." Kurz vor seinem Uebertritte schrieb er' einen „Versuch die Religion in ihren Entwickelungsstadien dialekisch zu konstruiren", gleichsam ein Bekennlniß und Programm zu seiner Laufe; er-überreichte die Arbeit dem Pfarrer Tamnau, der ihn taufte, unter dessen Papieren hat sie sich gefunden und Kling theilt Auszüge daraus mit.- Wir werden noch mit einigen Worten darauf zurückkommen, jedenfalls zeugt sie von dem srühgereiften Geiste des Sechszehnjährigen. Am 25. Februar 1806 wurde er getauft und nahm von feinen Pathen Johannes Gurlitt, August Varnhagen und Wilhelm Neumann die Vornamen Joh. August Wilhelm, von Letzterem auch den übersetzten Familiennamen an. Ostern desselben Jahres ging er zur Universität. Stieglitz wollte ihn Jurisprudenz stutzicen lassen, er wählte aber die Theologie, besuchte Halle und Göttingen und verbrachte die Ferien theils bei dem Oheim, theils in Hamburg. Der weitere Verlauf seines-Lebens-und Wirkens-gehört nicht hierher; über seine Familie fügen wir nach Kling noch einige Bemerkungen bei. Der Vater blieb Jude, die Mutter wurde höchstwahrscheinlich' getauft, obgleich sich kein Schein darüber fand. Schon 1804 trat der zweite Bruder über und nahm.,, wie die andern Geschwister, den Namen Mendahl an, er war Kaufmann und. starb gemüthskrank. Dasselbe Schicksal hatte die jüngste 1809 getaufte Schwester, der älteste Bruder, Arzt, getauft 1806, starb am Lazarethtyphus 1813, beide Brüder blieben unverheiratet, 1807 wurde die älteste, in erster Ehe-an einen von Werthheim verheirathet gewesene Schwester, die nachherige Mad. Scholz, getauft; 1809 die mittlere, Hannchen, die Pflegerin, ja Vormünderin N.'s, der ledig blieb und über dessen Zerstreutheit und Unbehülflichkeit bekanntlich anekdotenartig Vieles umläuft. *) Ist von mir bereits vor 14 Jahren in der Allg^Z. d. I. angeführt und natürlich in meiner Bibi, jud ausgenommen worden. Red. Ohne des Lesers' eigenen Gedanken vorzrrgreifeü / wollen wir dieser Skizze doch unsere Ansichten über die Beweggründe und Ursachen vonNeanders- Abfall vom JudenthütM anfüg nu Schon im älterlichen Hause scheint kein echtes, festes, überzeugungstreues, praktisches Judenthum geherrscht zu haben. Zwar blieb der Vater Jude, auch wollen wir das nicht in Anschlag bringen,-daß er, wie Kling berichtet „sich seines Sohnesrühmte und so oft' wieder ein Buchi von ihm erschien es gern vorzeigte", das können wir dem-väterlichen Herzen schon zu Gute halten — aberer scheint sich doch über den (Übertritt seiner Kinder nichtsehr gegrämt zu habendie Kälte zwischen ihm und Neander schreibt sich-von früher herein Bruder ließ sich schon vor diesem taufen; der Vater selbst lebte später bei einer christlich gewordenen Familie, während die Mutter nach ihren Kindern die Religion wechselte. Dazu die erwähnten getrübten Verhältnisse zwischen den Eltern, die eine tiefere religiöse Erziehung nicht auskommen ließen. Vielleicht waren sogar jene häuslichen Differenzen in soweit religiöser Natur, daß des Vaters Sinn, äußerlich aber ohne innerer Halt dem Judenthuw Zugethan , hauptsächlich aus Gelderwerb gerichtet und in der That „gemein" war, während die Mutter die moderne, gebildete, christelnde Richtung jener Zeit rcpräsentirte und N. in ihr diese schätzen, im Vater jene, die ihm Judenthum, jüdische Gesinnung war, verachten (ernte. — Auf keinen Fall wird er im elterlichen Hause jene tiefen religiösen Eindrücke erhalteis haben, die selbst bei Solchen, die nachher dem jüdischen Leben den Rücken wenden, als,,Lehre der Kindheit" unauslöschlich sind und sogar bei vielen iZZetauften noch uachklingen wie der „Kuhreigen", um tzeine's bekannten etwas frivolen Ausdruck zu gebrauchen. Und.diese Eindrücke der ersten Erziehung sind durch nichts Späteres zu ersetzen; das Judenthum will mehr als jede andere Religion angelernt und angewöhnt sein — der jüdische Leser wird das nicht mißverstehen., Fassen wir das Judenthum als bloßen (.wenn auch nicht gerade „abstrakten") Monotheismus, so können wir freilich leicht begreifen, wie auch ein nicht darin Erzogener sich ihm zuwenden kann;, aber wie ein Solcher zum wirklichen vollen Juden werden, sich in das Judenthum hineinleben könne, das muß uns selbst befremdlich erscheinen und wenn es auch in alter und neuer Zeit einzelne solche Proselyten gegeben hat, so sind sie doch als Phänomene zu betrachten. Gerade der orthodoxe Jude wird das unbedenklich zugeben,- wir brauchen auch nur für ganz Unkundige zu erinnern, daß das Judenthum darum nie nach Proselyterr gestrebt hat. Da nun aber Blut und- Gebürt allein an diesem Sachverhalt nichts ändern können, so gilt von dem Juden, der jüdisches Leben nicht „vor sich gesehen" dasselbe; es ist das alle s'2 JJDGMtfi* pWCW Daß N. in seiner Jugend das Judenthum nicht kennen gelernt hatte, dafür spricht auch der' Umstand, daß er erst als Student Privatunterricht im Hebräischen nahm (bei dem damaligen Privatdocenten Gesenius) und auch-späterhin sich nicht viel mit dem „Alten Testament' befaßte-. Hätte er ir- 15*

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