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Der Orient · 1851-03-29 · Heft 13 (29.3.1851) · p. Seite 197-198

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 13 (29.3.1851)
Date
1851-03-29
Page
Seite 197-198 (sequence 5)
Language
German
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197 Zur Kultur- und Literaturgeschichte der Juden m Wen. Halacha-Sammlungen.^ Dergleichen kleine Talmudtraktate sind: 1) Der Traktat Derech Erez, d. h. über die Sitten iinb über eine sittliche Aufführung, eine Hodegetik für das ganze Leben, in zwanzig Kapitel zerfallend, wo jedes Kapitel .wieder in Halacha's abgetheilt ist. In diesem Traktate .staden wir ergreifende Ermahnungen zur Selbstprüfung., Sentenzen und Lehren über das Betragen gegen Andere, über die Aufführung in Gesellschaft wie im Gescha'ftslebem, über Mäßigung und Milde, Versöhnlichkeit und Demuth, Ehrerbietung gegen ältere Männer und Lehrer, über Aufführung der Waisen und der Waisenjünger, über Resignation und Geduld, über Gesetzstudium und Friedfertigkeit, mit eingestreuettn Gleichnissen, Parabeln und Legenden, kurz eine kernige,, ausgezeichnete, universelle Hodegetik für's ganze Leben, die wegen ihres erhabenen sittlichen Fadens, der sich durch alle zwanzig Kapitel zieht, wegen ihres Werthes für alle Zeiten, die schönste Leistung des sechsten Jahrhunderts ist. Nach den Weishejtssprüchen Ben-Sira's, die in einer ganz andern Weltanschauung wurzeln, bietet dieser Traktat die umfassendste Spruchweisheit dar, die von Spätern wohl oft geplündert, aber weniger von Forschern in einem kritischen Gesammtbilde vorgeführt wurde. Was die Genisis dieses Traktats anlangt, so haben wir zu berücksichtigen, daß es schon früh Halacha's über Hodegetik (Hilchot Derech Erez) gab, -die -man -bei -gewissen Gelegenheiten zu studiren anempfahl, und aus welchen man bei manchen Anlässen wünschte, daß gewisse Kapitel vorgetragen werden. 2» Der palästinische Talmud citirt eine Baraj.ta Derech Erez, die sich wirklich in unserem Traktate wiedersmdet/o und das ähnliche Cltat im Babli^ beweist, daß jene Halacha's .in Form und Inhalt noch sehr flüssig waren. Die saboraische Zeit, beren -einzige Thärigkeit .eben nur in der emsigen Nachlese der zerstreueten Aehren bestand, mußte natürlich auf.eine Sammlung der überliefert erhaltenen Halacha^s über dieses Thema zunächst kommen, .und die Sammlung siel auch in der Lhat, obgleich sie in fünf Absätzen geschah, sehr reichlich aus, nämlich 20 Kapitel umfassend.^ — 2) Der Traktat Ebel 28) Wie z. B. die Halachot -Gedolot. — 29) Berachot 22 a, RaschL daselbst. — 30) j. Sabbat 6, 2 verglichen mit DerechErez c. 10 (8). 31) Sabbat 61 a vgl. Beza 25 b. — 32) Zn unseren Talmud-Ausgaben, wie überhaupt schon seit der letzten Geonim- Zeit, ist der kleine Traktat. Derech Erez in einen großen und kleinen (Rabba und Sutta) ge- IheilL und ein besonderes für sich bestehendes Kapitel über den Frieden (Perek Ha-Schalom) noch angefügt. Diese Zersplitterung des. Traktats in drei Bruchstücke, ist aber nur ein Reflex 'der allma'ligen '.Entstehung seiner Bestandtheile., und es lohnt wohl der Mühe, dem stufenweisen Anwachsen dieses Traktats, wie ich ihn im Texte als.etwas Ganzes hingestellt, nachzuspüven, um theils die Beinamen Rabba und Sutta aufznklären, theils eine umfassende kritisch geordnete Ausgabe, die ich beabsichtige , vorzubereiten. Zur-Grundlage der kritischen Besprechung nehmen wir natürlich den Text, wie er in unseren Ausgaben sich findet. Die er sten zwei Kapi tel des Derech Erez Rabba, das in unserer Ausgabe nach, dem Lrakm . (Trauer), d. h. .eine Sammlung von Halacha's oder Borschrlften und Gebräuche bei Sterbenden, Trauernden und Tröstentat Ka lla steht, gehören zu dem erwähnten vorhergehenden Traktate, daher sie von verbotenen Ehegraden, von Keuschheit u, s. w. sprechen, Im Aguda und im Machasor Vr'try, bn Raschi und andern alten Autoritäten, beginnt auch das Derech Erez mit unserem dritten Kapitel; der eigentliche Anfang ist Ben'Asai, wie' schon Raschi (zu Berachot 22a) ihn bezeichnet, und die Tosafot (zu 'E-rubin 53d) belegen sogar die erste. Sammlung, das große. Derech. Erez, -mit diesem Namen, indem, sie eine Stelle, aus B.en Asa.L xjtiren, die Kapitel ,6 steht. Die erste Sammlung des Derech Erez, als es noch weder ein großes noch ein kleines gab, umfaßte demnach, wenn man die zur Kalla gehörigen zwei ersten Kapitel abzieht, nur n e u n Kapitelund der Schluß des neunten (vierten) Kapitels beweist Hinlänglich, daß ursprünglich der apo.kryphische Traktat damit geschlossen war. — Dann entstand über diesen Gegenstand, nachdem die erste Sammlung bereits geschloffen war, eine zweite Sammlung von vier Kapiteln, die man, im Lerhältniß zur ersten aus neun, das kleine Derech Erez nannte, und die frühere Sammlung nothwendig zur Unterscheidung den Beinamen Rabba <.große) ^bekommen mußte. Bei dieser zweiten Sammlung .gab schon Raschi (Berachot 22 a) richtig den Anfang an (Darkan schel Talmlde Chachamim), und der Schluß dieser Sammlung, nämlich das Ende des vierten Kapitels, der da -lautet : „Durch-diese Worte habe ich dich nun gemahnt, und -nun thue -nach deinem Millen,.nur daß -du nicht sagen sollst, man hätte dich nicht gemahnt^, .paßt auch sehr richtig.für den Schluß einer Sammlung, — Nun entstand eine dritte Sammlung von vier Kapiteln, in unseren Ausgaben als aus dem Machasor Bitry entnommen überschrieben, und die sich inhaltlich zwar eng dem vierten .Kapitel der zweiten Sammlung anschließen, jedoch, wegen des Mangels an Neuheit und da fast her ganze Inhalt aus bekannten Stoffen zusammengetragen scheint, -gewiß erst später entstanden sein können. Den Quellennachweis für diese 4 Kapitel geben bereits unsere -neuen Ausgaben, und im Rabiah;(10 a) sind diese Nachweise bedeutend vervollständigt. r~ Sn einer vierten Sammlung wurden zwei Kapitel,, näm.Ljch das rreumt.e in unserem kleinen Derech -Erez und -das Kapitel über den Frieden redigirt.und zu dem ohnehin schon .auf a cht Kapitel yerangewachsenen Derech Erez Sutta HLnzugethan, so daß das kleine Derech Erez, aus 10Kapiteln bestehend, schon um Ein Kapitel großer wurde als das große. Das .erste -dieser zwei Kapitel der vierten Sammlung, .enthält mach einer. Einleitung., die Wesentlich schon in Kaphtel ,1 .der zweiten Sammlung morgekommey, -dreizehn Erm.ahnungslehr.en .mit dem Cinleitungswovte „ h ewu" (sei) und dreizehn mst ,,-inn" (wenn) emgeleitet, worauf dann ein Epilog über den Frieden folgt. -Gewiß hat dieses Kapitel einige Zeit besonders existirt, bis es rin Sammler angesügt. Das z weite ist das nach Derech Erez Sutta ifoXjvt stehende Kapitel Mer den Frieden, aus Talmud (Baba Mezi*a 87», Jebumot.65»b, Sabbat 10 a 147 a, Sukka 53 b, Chulin 141 aj und Hagada- Mcrken (Ag. Beresch. f. 41 e; wa-Isk. -rab. c. 9.; Lauch um a >f.;83:a; Sifri xol. L9^ Deb. wah. 296 b) zusammengetxggen und .auf Veranlassung des Epilogs de.s .Vorhergehendem heigeßügt. — Endlich kommt.noch-der fünfte und letzte BestandtheLk, nämlich das zehnte Kapitel bes kleinen Derech Erez, der über die Messias z eit spricht und einige allgemeine Spruchnmsheit enthält , und in dem srühern Talmud wie im Midrasch die Quelle hat (Sanh. 97», Sota 22 » .49 b, Sabbat Jö2uf 13*

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