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Der Orient · 1851-03-22 · Heft 12 (22.3.1851) · p. Seite 179-180

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Journal
Der Orient
Volume
12 (1851)
Issue
Heft 12 (22.3.1851)
Date
1851-03-22
Page
Seite 179-180 (sequence 3)
Language
German
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179 180 Zur Kultur- und Literaturgeschichte der Juden kn Asien. Bestimmungen etwas lzuzufügen oder von denselben abzunehmen, oder' überhaupt die Art' und Weise in der Ausübung eines Gebotes abzuändern, insofern die Talmudlehrer sich darüber schon entschieden. Bis zum Beginne dieser Periode konnten in den Hochschulen' nod) Manche auftreten, und beglaubigte Halacha's, die man früher nicht gewußt, überliefern, die dann, wenn sie keinen erheblichen Widerspruch gefunden, unter den Satzungen des Talmuds ausgenommen wurden; aber jetzt hörte dieses kindlich unbefangene Verhältmß auf, kein Lehrer hatte mehr das Ansehen, daß seine Lehren als traditional angesehen werden konnten; keiner durfte mehr lösen oder binden, verpflichten oder freisprechen, wenn er nicht auf die bereits sixirten Lehren des Talmuds sich stützen konnte , und am wenigsten konnte er erwarten, daß seine Lehren in den Talmud eingefügt werden. Denn Abina war der Schluß der lebendig sprudelnden Lehret Wohl haben die Saboräer manche noch schwebende und nicht entschiedene Deutung im Talmud zuweilen fortgesetzt, wohl wurden noch zuweilen ihre Meinungen zur Erläuterung mischnaischer und talmudischer Aussprüche in den Talmud eingeschaltet/ aber dergleichen Zusätze waren nicht nur selten, sondern auch selten bestimmend und entscheidend, überhaupt jedoch koncentrirt sich die Thätigkeit dieser Lehrer, in Bezug auf den Talmud, nur auf vier Punkte, nämlich 1) entweder auf Versuche, manches Dunkle der Mischna zu erläutern oder 2) manche Barajta zu ergänzen, um eine Vorschrift genauer zu bestimmen,' oder 3) auf gewisse äußerliche Bestimmungen und Anordnungen,^ oder 4) endlich auf Einfügung von Sagen und Legenden, hagadische Auslegungen u. s. w.", und nur selten mögen sie die Talmudisten die Gaonen folgten. Der bekannte Rab Achat wird von den Tosafot bald mit dem Namen Gaon (Ketubot 3 b), bald mit Saboräer (Sebachim 102 b) bezeichnet , so daß das Schwanken in der Bezeichnung eesichtlich ist. 3) Baba-Mezsia 33b heißt es: „Rabbi (Iehuda ha- Nasi) und Rabbi Natan (Ha-Babli) bilden den Schluß der Mischna, R. Abina und Rab Asche den Schluß der Horaah d. h> der überlieferten Lehre." Daß R.Abina, der 498 starb, vor Rab Asche, der schon 426 gestorben, genannt ist, hat wohl nichts zu bedeuten, da es in jener Stelle gewiß nicht um die chronologische Folge zu thun war. — 4) Gilt in 7 a, wo Gabiha aus Be-Argisa und Achai aus Be-Chusaah Vorkommen. Bei Scherira (l. e.) wird er als aus Be-Chatim, im Umkreis Nehard/a's, bezeichnet. — 5) Sanhedrin 43 a wo der Antwortende auf die Frage: „wenn die Edelfraucn den berauschenden Wem' nicht geben, woher hätte man ihn zu holen?" Rab Rabat aus Rab, das ebenfalls im Umkreise-Nehard/as liegt, ist, wie man noch aus Scherira ersieht, was in unseren Ausgaben aber sehr verstümmelt ist. — 6) Menachot 82 b, wo eine solche Erklärung mit der Formel: „Man sprach in der Tarbiza" eingeleitet ist. Vgl. Tosafot daselbst und Anm. 7) Joma 621,, vergl. mit Tamid 31 b u* Raschi das. 8) Z. B. das Lesen aus 2 Torot an Festtagen (R. Ascher zu Meg. Ende). — 9) Z> B. Tamid 31 b, die 10 Fragen an Alexander. — \ ganze Partien zugefügt haben oder absichtlich sich nicht genannt. Die Quellen, aus denen diese saboräischen Zusätze geflossen sein mögen, die sie übrigens durch eigene Ausdruckweise großentheils kenntlich machten* 11, waren wohl theils alte Barajta- Sammlungen, Hagada-Bücher u. s. w. theils die erste Talmud-Recension des Rab Asche, wo sie noch manches Brauchbare gefunden haben mögen." Die Hochschule selbst hieß eigenthümlich während dieser Zeit der Saboräer „Tarbiza"", mit einer Anspielung auf die traurigen Zeitverhältniffe, oder weil das Hartaramäische, wie die anderen Ausdrucksweisen beweisen 135, herrschend wurde, und diese Eigenthümlichkeiten drängen den Geschichtsforscher, mir den Saboräern einen Abschnitt in dieser Periode abzuschließen, so daß sie demnach in zwei Abschnitte zerfällt, nämlich a) von 498 — 588, b) von 588 — 750. — Was die Aufzählung der Rektoren oder Saboräer im ersten Abschnitte dieser Periode (498 — 588), was ihre richtige Aufeinanderfolge, die chronologischen Bestimmungen über dieselben undihre richtigen Namen anlangt, fo herrscht bei den bekannten Schriftstellern, welche derselben erwähnen, die größte Verwirrung und Unordnung , so daß kaum eine Entwirrung möglich ist," wenn man sich nicht auf die vorzüglichsten Quellen beschränkt, und diese einzig sichern Quellen bilden Scherira in seinem Sendschreiben und der unbekannte Verfasser des Seder Tannaim, die der Zeit der Saboräer am nächsten standen und aus demselben Boden gelebt haben. Als R. Abina 498 zu Sora starb, war gerade Rabbana Jo.se (seit 475} Rektor zu 10) Wie man das vom ganzen Talmud zu Tamid (Schalscheler ha-Kabbala), vom Anfänge zu Kiduschin (Scherira) glaubt. — 11) S. Zion 11. S. 86. - 12) Das. 83—86. — 13) Vgl. über diesen Namen Berachot56; 'Erubin 89b; Ta*anit6a; Menachot 82b. Der Ausdruck: „Man sprach in der Tarbiza" ist demnach ebenfalls ein. Kennzeichen einer saboräischen Zufügung. 14) Zion!. e. S. 86. 15) Die Hauptverwirrung äst dadurch entstanden, daß die Rektoren der Hochschule zu Pum-Badita, welche zwischen dem Tode Asche's und Abina's (426—498) ihr Amt bekleideten, mit zu den Saboräern gezählt wurden, ohne den Grundsatz umgestoßen zu haben, daß die. saboräische Seit erst nach Abina (498) beginne. In dieser Zeit nämlich zwischen 426 und 498 waren folgende Männer nach einander Rektoren der Hochschule zu Pum-Badita: 1) Rab Gebiha aus Be-Ketil, der 432 starb. In der Aufführung der Saboräer in Sefer Keritot steht zuerst Rab Acha aus Be-Chattim, aber dieser ist nur der erste nach Abina (498) aber nicht nach R. Asche. Für Be-Ketil hat Sefer Keritot Argasa oder Be-Argisa, indeß ist Scherira in dieser Beziehung wohl kompetent. 2) Rafrem aus Pum-Badita 8t. 442. 3) Rab Rachimi oder Rachumai, st. 444, und endlich 4) Rab Sima ben Raba starb Siwan 475. Verwechselt wurde dieser mit Sama ben Iehuda, der zu Sora von 499— 503 Rektor war. Diese vier Rektoren zu Puiu-Badita zwischen Asche's und Äbina's Tod, nämlich Gebiha, Rafrem,

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