Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 12 (1851)
- Issue
- Heft 8 (22.2.1851)
- Date
- 1851-02-22
- Page
- Seite 121-122 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Entstehung des apokryph. Esra. 122 nt'uö29,. Friedrichs und Joyn boU^ überzeugen kann, und die Einwirkung des talmudischen Judaismus auf die Religion des Islam ist längst anerkannt.^ Entstehung des E. A. Von R. Treuerrfels. (Fortsetzung.) Wir haben nun noch ein früher (§. 10) dem E. A. von. uns vindicirtes Stück zu betrachten, nämlich die bei Josefus erzählte Gesandtschaft an Darius und das Schreiben desselben, von dem gar nicht bezweifelt werden kann, daß es ebenfalls aus alten Urkunden geschöpft mu314 Wir haben angenommen, daß dieses Stück zwischen dem 1. und 2* Theile von Esra, d. h. im E. A. vor Cap. VN!., gestanden habe und ausgefallen sei; wenigstens ist dies viel wahrscheinlicher, als daß es im verlornen Reste jenes Buches gestanden habe. Wäre indessen Ersteres auch ganz sicher, so würde es uns nicht zu der Annahme berechtigen, daß der Redactor des E. A. die beiden Theile des B. Esra noch getrennt gefunden,^ und so haben wir neben oder gegenüber dem vorhin über das Buch Neh. ausgesprochenen hier das Resultat, daß der Redactor des E. 2s. die Chronik und das da mit noch verbunden gewesene B. Esra, an dessen Schlüsse 29) S. dessen: De theologia Samari tan omni ex fontibus inerlitis. Halle, 1823, 4. — 30) Chr* Friedrich, disrussionuin de ehristolügia Saniari tano rum über, Leipzig, 1821, 8. — 31) Th* Wilh. Juynboll, Chronicum Samaritanern in etc* ( wo in den vorangehenden Abhandlungen auch die samar* Theologie besprochen wird). Leyden, 1848, 4. 32) C. F. Ge rock, Versuch einer Darstellung der Christologie des Koran. Hamburg, 1839, 8. — Job. Heinr, Hosting er, de Mohammedaiiismo* In dessen historia orientalis. Zürich, 1660. — Abr. Geiger, was hat Muhamed aus dem Judenthume ausgenommen? Bonn, 1833, 8. .374) Auch Herzfeld erklärt (S. 322) diese Geschichte für um so glaubwürdiger „als Josefus keinerlei Veranlassung hatte, sie zu erdichten" —'ganz so wie wir im §. 10 geäußert haben. Er giebr sich aber keine Rechenschaft darüber, woher Josefus diese Nachricht und das Schreiben, welches so authentisch zu sein scheint als irgend eines der im canon. Esra enthaltenen, genommen haben könne. — Uebrigms sollen nach 2 Makk. 2; 13 aus Neh. Zeit noch mehrere äv&yQuyaL und vorhanden gewesen sein; daraus könnte jenes Schreiben stammen. Aber zu Josefus Zeit waren sie gewiß nicht mehr vorhanden und wenn auch, wie wäre er dazu gekommen aus einer verlegenen acanonischen Sammlung dielle zur Sache ganz entbehrliche Notiz hervorzusuchen und einzuschicben? Es ist nicht der leiseste Zweifel übrig, daß er sie ui seiner Quelle, im E. A., an jener Stelle gefunden. 375) Möglich bleibt dies jedoch, ein Gegenbeweis ist nicht vorhanden. sich Neh. Cap. 8 (in der ächten Verknüpfung) fand, benutzt hat. Er schob die äpokr. Erzählung und ein die Gesandschaft an Darius und dessen Decret betreffendes Stück ein; jenes mag er selbst zuerst coneipirt, dieses muß er aus einer besonderen Urkunde, oder einer Sammlung von solchen genommen haben. Für die Umstellung von E. 4, 6—24 werden wir bei der alten Erklärungsweise stehen ble.iben müssen und können die Nichtänderung der die Widersprüche hervor-, rufenden Worte nur durch die gewissenhafte Treue, die das hebräische Alterthum gegen Urkunden und Quellenschriften befolgt hat, ^erklären. Diese verschiedenen Resultate für die BB. Esra und Neh. werden einander um ^so weniger widersprechen, als es schon an sich klar ist, (s. §. 16 Ans.) daß diese beiden BB., besonders aber die ächten Denkwürdigkeiten Neh. und das B. Esra, ursprünglich gar nichts mit einander gemein hatten. Wir erinnern schließlich noch daran, daß aus den Denkwürdigkeiten Neh. alle von Sanballat handelnden Stellen im E. A. weggclassen sein müssen. An der Echtheit derselben zu zweifeln liegt kein Grund vor, eine genügende Erklärung für die Ausscheidung derselben durch den Redactor des E. A. haben wir bereits gesunden. Dies scheint unsere Gesammtansicht zu bestätigen: bei dem SB. Esra, welches redigirt vorlag, hat der Redactor sich wohl Bereicherungen und Umstellungen, aber keine Aenderungen oder Weglassungen erlaubt, während er Neh. Schrift noch als bloße Privat-Memoiren benutzte und eher nach Belieben ändern za dürfen glaubte.^' Wir werden nun im Stande sein einige früher zweifelhaft gebliebenen Spezialitäten sowohl für E. A. als die can. BB, zu flxiren. Zuerst gewinnt die Ansicht, welche Esra 10 dem Esra abspricht, eine neue Stütze, denn Neh. 8 hat zu jenem Kap. gehört und ist augenscheinlich von demselben Vers., dem Ergänzer von Esras Denkschrift; daß Esra selbst auch Neh. 8 geschrieben haben sollte, ist schwer anzunchmen. — Zu diesem 8. Kap. muß nun auch der Vers 7, 73 ursprüng- 376) Dies findet sich bei allen Büchern, in denen die Kritik verschiedene Bestandtheile nachnoeist, und nur durch diese Treue, die sich bis aus die Orthographie erstreckt und durch die klarsten Widersprüche nicht beirrt wird, ist die Nachweisung noch möglich* Zusätze, größere und kleinere, und Umstellungen finden sich, wie hier, sehr häufig, aber höchst selten eine Veränderung von des Ueberarbeiters Hand. Beispiele hat der Kenner zur Hand. Um eines anzuführen, welches gar keinem Zweifel und Streit unterliegt, erinnere ich an die Unterschrist des Zweiten B. der Pss. (72, 20), die der oder die Sammler der ff. BB. sichen ließ, obgleich er noch Psalmen aufnahm; ganz nach dem noch später befolgten Prinzip nCrtpftD DTI N*? tW, 377) Man wird nicht entgegnen, daß die Geschichten von Sanballat eher in einem später redigirten Buche als in Memoiren eines Zeitgenossen irrthümlich berichtet, d. h. in frühere Zeit versetzt sein könnten (wie dev Red. des E. A. geglaubt haben muß); denn wir können unsere modernen kritischen Prinzipien nicht auf jene Zeit übertragen.